Aachen Panorama

20.000 beim Tag der Bundeswehr

Aachen. Rund 20.000 Menschen strömten am Samstag zum „Tag der Bundeswehr“ in die Lützow-Kaserne. Dort bekamen sie ein kurzweiliges Programm geboten und konnten sich ausgiebig mit den Soldaten austauschen. Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel sprach sich zum Tag der Bundeswehr für mehr Unterstützung und Wertschätzung der Soldaten aus.

Reger Andrang bei der Besichtigung eines EC-135 Eurocopters (Bilder: NRW.direkt)

Rund ein halbes Dutzend Demonstranten hatte sich mit Plakaten wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ oder „Raus aus der NATO“ im Eingangsbereich der Aachener Lützow-Kaserne aufgebaut. Ein Plakat mit der Aufschrift „Es gibt keinen Frieden im Kapitalismus“ gab Aufschluss über den ideologischen Hintergrund der zumeist älteren Demonstranten. Beachtung fanden sie jedoch nur wenig; rund 20.000 Menschen strömten am Samstag an ihnen vorbei in die Lützow-Kaserne.

Die im Jahr 1939 auf dem ehemaligen Exerzierplatz an der Trierer Straße in Krummerück fertiggestellte Kaserne ist nach dem späteren preußischen Generalmajor Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow benannt. Durch sein Lützowsches Freikorps wurde er im Jahre 1813 zur Symbolfigur des deutschen Freiheitswillens in den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Viele bedeutende Männer fanden sich im „Lützowschen Freikorps“ zusammen, unter ihnen der Dichter Theodor Körner und der „Turnvater“ Jahn. Heute ist die Lützow-Kaserne eine von vier Kasernen im Raum Aachen, in denen das Ausbildungszentrum Technik Landsysteme (AusbZTLS) untergebracht ist. Am Samstag war die Lützow-Kaserne einer von drei nordrhein-westfälischen Standorten, an denen der inzwischen dritte „Tag der Bundeswehr“ begangen wurde.

„Spielverderber“ Luftfahrt-Bundesamt

Kampfpanzer Leopard 2 (Bilder: NRW.direkt)

Nach dem Grußworten des AusbZTLS-Kommandeurs Brigadegeneral Ralf Lungershausen und des Aachener Oberbürgermeisters Marcel Philipp bekamen die Besucher bei sommerlich warmem Wetter ein kurzweiliges Programm geboten, zu dem unter anderem auch das Musik-Korps des Heeres aus Koblenz und die Vorstellung von Sportlern der Bundeswehr gehörten. Durch das Programm führte eine Moderatorin von Radio Gütersloh. Lediglich ein für den frühen Nachmittag geplanter Absprung der Fallschirmjäger musste ausfallen, weil das Luftfahrt-Bundesamt den Aachener Luftraum nicht entsprechend freigegeben hatte.

Der guten Laune der Besucher tat das aber keinen Abbruch; überall in der Kaserne sorgten Stände für deren leibliches Wohl, unzählige Verbände rund um die Bundeswehr informierten über deren Aktivitäten, ebenso Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk sowie die Johanniter. Auf dem großflächigen Gelände der Kaserne konnten sich die Besucher das Cockpit eines EC-135 Eurocopter erklären lassen und nahezu alle Landfahrzeuge der Bundeswehr aus nächster Nähe besichtigen. Das größte Interesse riefen naturgemäß die Gefechtsfahrzeuge hervor. Bei den „dynamischen Vorführungen“ der Fahrzeuge, bei denen die Soldaten Einsatzsituationen verschiedenster Art simulierten, waren die Tribünen mehrfach vollständig gefüllt.

Armee ohne Traditionen?

Der „Keiler“ wird zur Vorführung vorbereitet (Bilder: NRW.direkt)

Überschattet wurde der diesjährige Tag der Bundeswehr jedoch von Debatten über Maßnahmen, mit denen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen Bundeswehr-Kasernen von Erinnerungen an die Wehrmacht säubern lassen will. Von der Leyen begründete ihre Kampagne mit vermeintlichen rechtsradikalen Aktivitäten in der Bundeswehr. Den bisherigen Höhepunkt erreichten die Säuberungsmaßnahmen mit dem Abhängen eines Bildes des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt in der Hamburger Bundeswehr-Universität. Das Foto zeigte den früheren Verteidigungsminister und Altkanzler in einer Wehrmachtsuniform.

Nur zwei Tage vor dem Tag der Bundeswehr gab es Berichte über Ermittlungen des Militärischen Abschirmdienstes, weil an einer Holzwand in einem Bundeswehr-Camp in Mali der Spruch „Gott mit uns“ gefunden worden sein soll. Der Schlachtruf „Gott mit uns“ wurde in den Befreiungskriegen auf preußischer Seite benutzt. Preußische Mannschaften trugen ihn seit 1847 auf ihren Koppelschlössern. Offiziell war beim Tag der Bundeswehr in der Lützow-Kaserne nichts zu diesen Auseinandersetzungen zu vernehmen; hinter vorgehaltener Hand wurde jedoch vereinzelt beklagt, dass die Stimmung in der Truppe noch nie so schlecht gewesen sei.

„Mehr Unterstützung und Wertschätzung für die Soldaten“

Ungeachtet solcher Kampagnen stehen aber auch viele Politiker hinter den Soldaten. So etwa die Düsseldorfer CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel: „Ich möchte mich bei unseren Soldaten für deren täglichen Einsatz unter schweren Bedingungen, gerade auch bei den lebensgefährlichen Auslandseinsätzen, bedanken“, sagte Pantel zum Tag der Bundeswehr. „Ich würde mir wünschen, dass auch die Bevölkerung die Arbeit der Soldaten mehr wertschätzen würde und Staat und Gesellschaft die Soldaten, die aus diesen Kriegseinsätzen traumatisiert und verletzt zurückkommen, mehr unterstützen.“

Bild ganz oben: Volle Tribünen bei der Vorführung des Minenräumpanzers „Keiler“. Alle anderen Bilder können durch Anklicken vergrößert werden.

Print Friendly, PDF & Email

Über den Autor

Peter Hemmelrath

Herausgeber von NRW.direkt seit Dezember 2015.