Heinsberg (Kreis) Panorama

25 Jahre Air National Guard in Geilenkirchen

Geilenkirchen. Seit 25 Jahren ist die US Air National Guard mit ihren fliegenden Tankstellen vom Typ KC-135 auf der Nato-Airbase stationiert. Deren wichtigste Aufgabe ist die Luftbetankung von AWACS-Einsätzen. Am Donnerstag wurde das Jubiläum mit zahlreichen aus den USA angereisten Ehemaligen gefeiert. „They love to serve in Germany“, sagte Kommandeur Joe Bosch über seine Crews.

Boeing E-3A (Bild: NRW.direkt)

Mit fast 120 Gästen, darunter auch vielen aus den USA angereisten Ehemaligen, feierte die US Air National Guard (ANG) am Donnerstag ihr 25-jähriges Jubiläum auf dem Nato-Fliegerhorst Teveren bei Geilenkirchen. Die den Gouverneuren der einzelnen US-Bundesstaaten unterstehende ANG ist der für den Luftraum zuständige Teil der Nationalgarde der Vereinigten Staaten. Da fast die Hälfte der insgesamt für die US Air Force im Einsatz befindlichen Tankflugzeuge von den ANG gestellt werden, wurde sie 1993 auf dem Nato-Fliegerhorst bei Geilenkirchen stationiert, um die ebenfalls dort stationierten AWACS-Flugzeuge der Nato in der Luft zu betanken.

„Die Air National Guard unterstützt uns, indem sie mit ihren Luftbetankungen dafür sorgt, dass wir unsere Einsätze zu Ende führen können“, erklärte Brigadegeneral Karsten Stoye, der deutsche Kommandeur des AWACS-Verbandes, am Rande der Feier. „Damit können unsere Flugzeuge 16 bis 19 Stunden in der Luft bleiben.“ Ohne Luftbetankung könnten die derzeit noch 15 in Geilenkirchen stationierten Boeing E-3A, die unter der Bezeichnung AWACS (Airborne Warning and Control System) besser bekannt und an ihrem kreisrunden Radar oberhalb des Rumpfes leicht zu erkennen sind, lediglich bis zu neun Stunden in der Luft bleiben.

„Die Nato kann sich auf die ANG verlassen“

Major General Jon Kelk (Bild: NRW.direkt)

Die Feierstunde bei dem kleinen Hangar der Air National Guard am Rande des Rollfelds begann mit der deutschen und der US-amerikanischen Nationalhymne. Wie bei US-Veranstaltungen üblich, wurden beide Hymnen von einer Sängerin vorgetragen. Erste Rednerin war Major General Dawn Dunlop, Kommandeurin der Nato Early Airborne Warning and Control Force.

Nach ihr sprach Major General Jon Kelk, der für die Air National Guard zuständige Kommandeur der US Air Force in Europa und Afrika. Wie General Dunlop, die als Pilotin unter anderem die F-22 flog, und der frühere Tornado-Pilot General Karsten Stoye weist auch Jon Kelk eine hohe Anzahl an Flugstunden auf. Zuletzt hatte er mehr als 4.200 Flugstunden, unter anderem auf der F-15. General Kelk lobte die Rolle der ANG innerhalb der Nato: „Die Geschichte hat gezeigt, dass wir uns auf unsere Nato-Verbündeten verlassen können – und dass sich die Nato auf die Air National Guard verlassen kann.“

Rufzeichen „Esso“

Eine E-3A wird durch eine KC-135 der Hawaii Air National Guard betankt (Bild: Nato)

In seiner Rede ging Jon Kelk auch ausführlich auf die Besonderheiten der Air National Guard ein, deren Angehörige parallel dazu auch in Zivilberufen arbeiten. Als Beispiel verwies er auf einen Feuerwehrmann, der in einer KC-135-Crew der ANG als „Boom Operator“ tätig ist. Seine Aufgabe besteht in der Steuerung des Booms (deutsch: Ausleger), über den das Kerosin vom Tanker in die E-3A gefüllt wird. Ein 15 bis 20 Minuten dauerndes Manöver, das zumeist in sieben bis acht Kilometer Höhe durchgeführt wird und beiden Crews ein extrem hohes Maß an Präzision abfordert.

Mehrere Zehntausend solcher Luftbetankungen wurden bislang von den in Geilenkirchen stationierten Crews durchgeführt, zumeist im europäischen Luftraum zur Überwachung der Nato-Ostgrenze, aber auch im Kampf gegen die Terror-Organisation „Islamischer Staat“. Das Rufzeichen der fliegenden Tankstellen dabei lautet passenderweise „Esso“.

Auch Airline-Piloten fliegen für die ANG

Zwei KC-135 auf dem Rollfeld in Geilenkirchen, unterhalb des Hecks ist der „Boom“ deutlich zu erkennen (Bild: NRW.direkt)

Aber auch Airline-Piloten fliegen für die Air National Guard, ebenso wie andere Berufsgruppen werden sie für die Dauer ihres militärischen Einsatzes in ihrem Zivilberuf beurlaubt. In Geilenkirchen sind zumeist 30 bis 40 Angehörige der ANG sowie derzeit drei KC-135 stationiert. Alle zwei Wochen wechselt die Zuständigkeit für die Betankungen im europäischen Luftraum und die Crews einer ANG eines anderen US-Bundesstaates übernehmen diese. Am Donnerstag waren Crews und Tanker der Pennsylvania Air National Guard dafür zuständig.

Alle 40 Wochen wird komplett rotiert, dann gehen die auf dem Nato-Fliegerhorst stationierten „Guardsman“ wieder zurück in die USA und werden durch neue Kräfte ersetzt. Insgesamt waren bislang rund 40.000 Angehörige der Air National Guard auf dem Fliegerhorst im Kreis Heinsberg stationiert.

Erinnerungen an den bislang einzigen Unfall

Erinnerung an die Opfer von „Esso 77″ (Bild: NRW.direkt)

Bei den Feierlichkeiten am Donnerstag wurde auch an die Opfer des bislang einzigen Unfalls in der Geschichte des Nato-Fliegerhorstes erinnert: Am 13. Januar 1999 stürzte eine KC-135 der Washington Air National Guard mit dem Rufzeichen „Esso 77“ bei einem Durchstartmanöver in ein angrenzendes Waldgebiet. Dabei starben alle vier Besatzungsmitglieder.

Später stellte sich heraus, dass ein defektes Höhenleitwerk das Unglück herbeigeführt hatte. Eine Gedenktafel im Aufenthaltsraum der Air National Guard, ein Gedenkstein auf dem Fliegerhorst und eine Stele am Absturzort erinnern bis heute an die Opfer des Unglücks.

Schwieriger Einstieg in die KC-135

Mit dieser Leiter gelangen die Crews in das Innere der KC-135 (Bild: NRW.direkt)

Zum Ende der Feierlichkeiten ehrten General Jon Kelk und Oberstleutnant Joe Bosch, der aus Ohio stammende Kommandeur der ANG in Geilenkirchen, Deutsche und Amerikaner, die sich in unterschiedlichster Form um den Stützpunkt verdient gemacht haben. Danach konnten die Gäste auf einem abgegrenzten Teil des Rollfeldes eine KC-135 der Pennsylvania Air National Guard, eine E-3A der Nato sowie ein Transportflugzeug vom Typ Boeing C-17 besichtigen. Die bereits in den 1950er-Jahren aus der Boeing 707 abgeleitete KC-135 gehört mit einem Durchschnittsalter von mehr als 50 Jahren zu den ältesten noch aktiven Flugzeugen der US Air Force. In einigen Jahren soll sie durch die KC-46, eine zum Tanker und Transporter weiterentwickelte Version der Boeing 767, ersetzt werden.

Die Gäste konnten die KC-135 am Donnerstag durch eine Fluggasttreppe und deren weit geöffnete Frachttüre betreten. Die drei- bis vierköpfigen Crews haben es bei ihren Einsätzen jedoch nicht ganz so bequem und können nur durch eine Leiter, die auf Höhe des Bugfahrwerks durch eine kleine Luke zu Boden gelassen wird, ins Innere des Flugzeuges gelangen. Die „Stratotanker“ verfügen über bis zu zehn Treibstofftanks, in denen sie maximal 118.470 Liter Treibstoff aufnehmen und bis auf eine Reserve von rund 2.300 Litern auch wieder in der Luft abgeben können.

Auch andere Einheiten werden aufgetankt

Auch die im ungarischen Pápa stationierte C-17 lud zur Besichtigung (Bild: NRW.direkt)

Die Möglichkeit, die drei Flugzeuge auch von innen zu besichtigen, wurde von vielen Gästen interessiert genutzt. Crews standen ihnen dabei mit Erklärungen zur Seite. Aber dass auch eine C-17 „Globemaster III“ zum 25-jährigen Jubiläum der Air National Guard nach Geilenkirchen gekommen war, verwunderte einzelne Gäste.

Einer der Piloten aber erklärte die Präsenz des großräumigen vierstrahligen Militärtransporters: Die C-17 gehöre zur im ungarischen Pápa stationierten Strategic Airlift Capability (SAC). Beim SAC handele es sich um einen aus zwölf Nato-Mitgliedsstaaten gebildeten multinationalen Verband für schwere Militärtransporte. Und auch die C-17 der SAC werden bei längeren Flügen durch den europäischen Luftraum durch die in Geilenkirchen stationierten KC-135 der Air National Guard aufgetankt.

„They love to serve in Germany“

Lieutenant Colonel Joe Bosch (Bild: NRW.direkt)

Nach dem Ende der Feier am frühen Donnerstagnachmittag freute sich Kommandeur Joe Bosch über das gelungene Jubiläum. Der Lieutenant Colonel hatte bereits in seiner Rede darauf hingewiesen, dass viele Soldaten der Air National Guard nach Deutschland versetzt werden wollen: „They love to serve in Germany!“

„Die ‚Guardsman‘ lieben Geilenkirchen, weil es eine kleine deutsche Stadt ist“, erklärte Bosch. „Sie können natürlich auch nach Aachen, Düsseldorf oder Köln gehen. Aber das sind große Städte. Und hier in Geilenkirchen haben sie das ‚local feeling‘ einer kleineren deutschen Stadt. Also gehen sie dorthin, wenn sie dienstfrei haben und entspannen wollen – hier gefällt es ihnen einfach gut!“

Lesen Sie dazu auch: „Ein Einsatz mit der AWACS-Boeing“

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