Düsseldorf Panorama

25 Jahre Yitzhak-Rabin-Schule

Düsseldorf. Mit einem Festakt begannen am Mittwoch die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der Yitzhak-Rabin-Schule. Das Sommerfest am Sonntag rundete die fröhliche Feier der jüdischen Grundschule ab. „Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, die Sicherung einer jüdischen Schule zu gewährleisten und sie weiterhin zu fördern“, sagte Schulleiterin Daphna Schächter und sprach davon, Verunsicherungen „die geballte Kraft einer selbstbewussten, gebildeten und traditionsreichen jüdischen Zukunft entgegenzusetzen“.

Der Schülerchor beim Festakt am Mittwoch (Bild: NRW.direkt)

Am 23. August 1993 war es soweit: Mit 17 Kindern nahm die Schule in den Räumen der Jüdischen Gemeinde ihren Betrieb auf. Im Schuljahr 1995/96 besuchten 63 Kinder, auf drei Klassen verteilt, die jüdische Grundschule. Der Unterricht fand in einem Gebäudetrakt einer städtischen Grundschule statt, der immer weiter ausgebaut wurde. Am 15. September 2003 konnte nach Umbaumaßnahmen einer ehemaligen Berufsschule ein eigener Schulkomplex eröffnet werden, in dem neben der Yitzhak-Rabin-Schule auch die Religionsschule und der Kindergarten der Gemeinde untergebracht sind. Zu diesem Zeitpunkt war die Schule auf 95 Schüler angewachsen. Heute besuchen 180 Schüler die 1996 nach dem im Jahr zuvor ermordeten ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin benannte Schule.

Am Mittwoch begannen die Feiern zum 25-jährigen Jubiläum mit einem Festakt in der Sporthalle der Schule. Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf (JGD), begrüßte rund 150 geladene Gäste und erinnerte in seiner Rede an den langen Weg von einer hartnäckigen Idee vereinzelter Visionäre im Gemeinderat bis hin zu einem festen Bestandteil der Düsseldorfer Schullandschaft. „Dinge, die wir nicht für möglich gehalten haben, sind realisiert worden“, sagte Horowitz nicht ohne Stolz und bedankte sich bei allen Verantwortlichen. Oberrabbiner Raphael Evers stellte die Bedeutung von Erziehung und Bildung im Judentum in den Vordergrund. „Lernen ist die einzige Gewissheit, dass das Judentum lebendig bleibt“, sagte der Gemeinderabbiner. Der Schule wünschte er „ganz viel und herzlich Mazel tov“.

Erinnerung an die jüdische Volksschule

Für ein buntes und abwechslungsreiches Programm sorgte insbesondere der 60-köpfige Schülerchor, der die Gäste bereits mit der Schulhymne und einem Lied zum Jubiläum empfangen hatte. Filme über Geschichte und Alltag an der Yitzhak-Rabin-Schule trugen gleichermaßen zu Auflockerung und Information bei. In einem der Filme erinnerte Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, aber auch an die 1935 in Düsseldorf eröffnete jüdische Volksschule. „Das war keine freiwillige Gründung, man wollte einen Schutzraum für jüdische Kinder in einer feindlichen Welt schaffen“, erinnerte Fleermann. „Heute würde man von Mobbing sprechen“, beschrieb er die damalige Situation jüdischer Kinder.

Am 9. November 1938 wurde die jüdische Schule, die sich im Nebenhaus der Synagoge in der Kasernenstraße befand, demoliert. Daraufhin musste die Schule an die Grafenberger Allee umziehen. Der Schulleiter Kurz Herz emigrierte mit seiner Frau nach England, sein Nachfolger Kurt Schnook wurde später nach Minsk deportiert und dort ermordet. 1942 wurde die Schule wieder geschlossen. Viele Kinder konnten jedoch durch Transporte nach England oder zu Verwandten in andere Länder gerettet werden.

„Wir haben die Yitzhak-Rabin-Schule bewusst als Nachfolgerin der jüdischen Volksschule konzipiert“, erläuterte Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde. Die heutige Grundschule bezeichnete er als „ersten Schritt in ein geschlossenes Bildungssystem“. Der nächste Schritt sei das 2016 eröffnete Albert-Einstein-Gymnasium, das erste jüdische Gymnasium in Nordrhein-Westfalen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Situation an den öffentlichen Schulen eingeräumt

Ein weiteres Grußwort kam vom Düsseldorfer Bürgermeister und Schulausschussvorsitzenden Wolfgang Scheffler (Grüne). Zu Beginn seiner Rede knüpfte Scheffler an die NS-Zeit an. Dann meinte er: „Heute kann sich die jüdische Gemeinde in Düsseldorf frei entfalten.“ Aber nur wenige Atemzüge später musste er einräumen: „Auch in Düsseldorf werden jüdische Kinder in den Schulen beschimpft.“

Damit spielte er darauf an, dass die JGD im letzten Jahr durch eine Flut von Schilderungen jüdischer Kinder und Jugendlicher über zunehmendes Mobbing durch muslimische Mitschüler an den öffentlichen Schulen der Stadt erschüttert wurde. Auf die Urheber des neuen Judenhasses ging Wolfgang Scheffler in seiner Rede aber nicht ein. Stattdessen lobte er das Engagement der Düsseldorfer gegen Rassismus und Antisemitismus, zu dem er auch „kraftvolle Gegenaktionen zu Pegida-Demonstrationen“ zählte.

„Die Kraft einer selbstbewussten und gebildeten jüdischen Zukunft“

Daphna Schächter begrüßt die Gäste des Sommerfestes (Bild: NRW.direkt)

Schulleiterin Daphna Schächter hielt die letzte Rede der rund 100-minütigen Veranstaltung. Humorvoll versprach sie: „Gleich ist es vorbei, dann gibt es auch was zum Essen.“ Dann aber wurde Schächter ernst und sprach davon, dass die Menora, der siebenarmige Leuchter, der Schule aus einem 350 Millionen alten Stein bestehe. Und ein Stein symbolisiere im Judentum die Ewigkeit und sei darüber hinaus unerschütterlich.

„Dies soll eben auch für unsere jüdische Gemeinschaft in Deutschland gelten. Die Menora also, ein sinnbildlicher Fels in der Brandung, in einem Meer, welches in der heutigen Zeit mitunter auch Verunsicherungen birgt und mal mit größerer, mal mit kleiner Wucht, wie Wellen die jüdische Gemeinschaft treffen. Aber verehrte Anwesende, was könnte denn dann wichtiger sein, als dem die geballte Kraft einer selbstbewussten, gebildeten und traditionsreichen jüdischen Zukunft entgegenzusetzen? Eine Kraft, die genau von hier, aus unseren Reihen, von unseren Kindern der Yitzhak-Rabin-Schule ausgeht. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, die Sicherung einer jüdischen Schule zu gewährleisten und sie weiterhin zu fördern, seitens der Gemeinde, der Eltern, aber auch der Stadt und Gesellschaft“, sagte Daphna Schächter.

OB Geisel kommt auch als Vater

Der Schulhof beim Sommerfest am Sonntag (Bild: NRW.direkt)

Mit dem Sommerfest gingen die Feierlichkeiten der Yitzhak-Rabin-Schule am Sonntag weiter. Dabei konnte Daphna Schächter neben mehreren hundert Eltern und Schülern auch den Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) begrüßen, „der heute aber auch als Papa hier ist“. Was damit gemeint war, erklärte Geisel sofort: „Mit unserer Theresa haben wir das dritte Kind in dieser Schule.“ Nach Rabbiner Benzion Dov Kaplan sprach Ruth Rubinstein aus dem Vorstand der JGD und zitierte David Ben Gurion, den Gründer Israels: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“

Damit spielte auch Rubinstein auf den schwierigen Weg von der Vision zur Verwirklichung der jüdischen Grundschule an. Und damit eng verknüpft war auch die Freude, mit der die aus der Schweiz angereiste Pnina Goldberger begrüßt wurde. Goldbergers 2012 an einer Krebserkrankung verstorbener Ehemann Michael war bis 2003 Rabbiner in Düsseldorf und hatte sich zusammen mit Ruth Rubinsteins Ehemann Herbert, Adrian Flohr und Leon Reichard besonders für die Verwirklichung der Schule engagiert.

Für das musikalische Rahmenprogramm sorgte erneut der Schülerchor, der unter anderem eine gesungene Hommage an Düsseldorf bot. Damit war das rund vierstündige Sommerfest eröffnet; den Kindern wurden vielfältige Spielaktivitäten geboten, den Eltern Essen und Trinken, einschließlich einer Jubiläums-Torte mit viel Schokolade. Und Daphna Schächter ließ keinen Zweifel daran, dass das 25-jährige Jubiläum zwar ein Meilenstein sei, „aber ein kleiner Meilenstein, denn wir haben noch viel vor und einen langen Weg vor uns“.

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