Heinsberg (Kreis) Panorama

35 Jahre NATO-Flugplatz Geilenkirchen

Geilenkirchen. Rund 17.000 Menschen kamen allein am Samstag zum Tag der offenen Tür in den NATO-Fliegerhorst. Trotz des regnerischen Wetters wurde den Besuchern einiges geboten. In diesem Jahr feiert der multinationale E-3A-Verband sein 35-jähriges Bestehen. Mit rund 2.500 militärischen und zivilen Beschäftigten ist der Militärflugplatz ein bedeutender Arbeitgeber in der Region.

Eurofighter Typhoon der deutschen Luftwaffe (Bilder: NRW.direkt)

Vier Kilometer westlich der Stadt Geilenkirchen und direkt an der niederländischen Grenze liegt der in der örtlichen Bevölkerung als „Flugplatz Teveren“ bezeichnete Fliegerhorst. Von 1953 bis 1968 diente er der Royal Air Force, die ihre Flugzeuge möglichst weit von der innerdeutschen Grenze entfernt stationiert haben wollte. 1968 wurde er der Bundesluftwaffe übergeben, die dort zusammen mit der US Army Pershing-I-Raketen stationierte.

Nach der Entscheidung der NATO, eine Frühwarnflotte aufzustellen und den Flugplatz Geilenkirchen zur Haupteinsatzbasis dieses Verbandes zu machen, wurde der Fliegerhorst umfangreich ausgebaut. Unter anderem wurden ein neuer Kontrollturm und eine drei Kilometer lange Start- und Landebahn errichtet. 1981 wurden die Pershings wieder verlegt, ein Jahr später wurde der Militärflughafen von der Bundesrepublik Deutschland offiziell an die NATO übergeben. Am 28. Juni 1982 wurde der E-3A-Verband in Geilenkirchen in Dienst gestellt. Seine volle Einsatzfähigkeit erreichte er Ende 1988.

Einziger multinationaler fliegender Verband

Der Arbeitsplatz der E-3A-Besatzungen (Bilder: NRW.direkt)

Die 16 in Geilenkirchen stationierten Flugzeuge vom Typ Boeing E-3A bilden mit Soldaten aus insgesamt 15 Nationen den ersten und einzigen multinationalen fliegenden Verband der NATO – eine Einzigartigkeit in der Militärgeschichte. Besser bekannt sind die an ihrem Radar oberhalb des Rumpfes erkennbaren umgebauten Boeing 707 jedoch unter dem Namen AWACS (Airborne Warning and Control System).

14 der 16 Boeing E-3A werden bis 2018 nacheinander modernisiert, so bekommen deren bislang analoge Cockpits moderne Displays. Das Innere der AWACS-Flugzeuge aber gleicht Arbeitsplätzen für IT-Spezialisten; Fenster gibt es keine, dafür eine ganze Kette von Bildschirmen, Tastaturen und Computer-Mäusen. Rein optisch erinnert alles ein wenig an die Atari-Computer der 80er-Jahre. Lediglich im Heck befinden mehrere Flugzeugsitze zum Ausruhen, eine Toilette und eine kleine Küche, im Flieger-Slang „Galley“ genannt. Notwendig wird all das durch Einsätze bis zu zwölf Stunden Dauer, bei denen die E-3A dann in der Luft aufgetankt werden.

Sicherung der NATO-Ostgrenze und der Blick nach Syrien hinein

Auch eine KC-135 der Kansas National Guard konnte besichtigt werden (Bilder: NRW.direkt)

Gebraucht wird der Verband derzeit mehr denn je; die gegenwärtigen Hauptaufgaben sind Kontrollflüge entlang der NATO-Ostgrenze und Flüge entlang der syrischen Grenze im Rahmen der NATO-Mission gegen die Terror-Organisation Islamischer Staat. Aus rund 9.000 Metern Höhe kann eine einzelne E-3A den Luftraum in einem Umkreis von mehr als 400 Kilometern überwachen und über digitale Datenverbindungen Informationen mit Befehlshabern von Land-, See- und Luftstreitkräften austauschen. Aber nur noch rund 30 Prozent dieser Einsätze werden direkt von Geilenkirchen aus geflogen, alle anderen Einsätze starten von vorgelagerten Flugplätzen, etwa in der Türkei oder in Norwegen. Damit wird auch der Fluglärm vor Ort reduziert, der in Geilenkirchen immer wieder zu Protesten geführt hatte.

Mit seinen rund 2.500 militärischen und zivilen Beschäftigten ist der NATO-Fliegerhorst in Geilenkirchen aber auch ein bedeutender Arbeitgeber in der Region. Die Wohnorte des Personals sind auf über 90 Gemeinden in Deutschland, den Niederlanden und Belgien verteilt. Aus Anlass des 35-jährigen Bestehens lud der NATO-Fliegerhorst am Samstag und am Sonntag zum Tag der offenen Tür, womit die Menschen in der Region wieder Gelegenheit bekamen, den Fliegerhorst von innen kennenzulernen. Der Andrang war größer als erwartet und sorgte schon am Samstagvormittag rund um Geilenkirchen für ein Verkehrschaos. Allein am Samstag wurden rund 17.000 Besucher gezählt, zumeist Deutsche und Niederländer. Nur das Wetter spielte nicht mit – nicht selten standen die Besucher im Regen.

Griechen kommen noch mit der „Phantom“

Einfüllstutzen zur Luftbetankung am Heck eines KC-10-Tankers (Bilder: NRW.direkt)

Aber trotz mehrerer Regengüsse bekamen die Besucher einiges geboten: Das Rollfeld war voll mit modernen Militärflugzeugen, darunter auch ein Tornado und ein Eurofighter Typhoon der Luftwaffe sowie F-16-Jäger verschiedener europäischer Luftstreitkräfte. Die wohl ältesten im Einsatz befindlichen Kampfflugzeuge dürften die beiden F-4 Phantom der griechischen Luftwaffe gewesen sein. Bei der Bundeswehr ist der Jagdbomber, der 1958 seinen Erstflug hatte, bereits seit Jahren ausgemustert. Ebenfalls zu sehen waren Transportflugzeuge wie die C-130 Hercules, eine C-160 Transall sowie deren Nachfolger, der pannenträchtige Airbus A.400M. Die Marine war mit einem See-Aufklärer vom Typ P-3 Orion ebenfalls mit von der Partie.

Besonderes Interesse luftfahrtinteressierter Besucher zog eine MiG-29 der polnischen Luftwaffe auf sich, ebenso das KC-10-Tankflugzeug der niederländischen Luftwaffe. Eine aus Anlass des 35-jährigen Jubiläums mit Sonderbemalung versehene Boeing E-3A konnte auch von innen besichtigt werden, wegen der chronisch langen Schlagen davor mussten die Besucher dafür aber etwas Geduld mitbringen. Eine Fliegerparty am Samstagabend im Hangar mit Schlagersängern wie Mickie Krause rundete den Tag der offenen Tür ab. Und dabei musste auch niemand mehr Sorge haben, nass zu werden – jedenfalls nicht durch den Regen.

Bild ganz oben: Vor der E-3A in Sonderbemalung gab es immer wieder lange Schlangen. Alle anderen Bilder können durch Anklicken vergrößert werden.

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