Aachen Politik

50.000 demonstrieren gegen Tihange

Aachen. 50.000 Menschen haben am Sonntag für die Abschaltung der umstrittenen belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel demonstriert. Der designierte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) lobt die Menschenkette als „großes und verbindendes Zeichen“. Die AfD hingegen kritisiert, dass im Zuge des Atomausstiegs deutsche Kraftwerke mit hohen Sicherheitsstandards abgeschaltet, damit aber gleichzeitig „der Import von Strom aus suspekten grenznahen Kraftwerken gefördert“ wurde.

Plakat in der Aachener Innenstadt (Bild: NRW.direkt)

50.000 Menschen haben am Sonntag gegen den Betrieb der umstrittenen belgischen Atomkraftwerke Tihange 2 bei Lüttich und Doel 3 bei Antwerpen demonstriert. Das gab Jörg Schellenberg vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie bekannt. Die Teilnehmer an einer Menschenkette von Aachen nach Tihange forderten, dass die Kraftwerksblöcke Tihange 2 und Doel 3 sofort abgeschaltet werden. Kernkraftwerksleiter Jean-Philippe Bainier sagte vor wenigen Tagen der Aachener Zeitung, Tihange sei eines der sichersten Kraftwerke in Europa, „wenn nicht sogar weltweit“. Deutsche Experten hingegen bezweifeln die Sicherheit des Kraftwerks bei Störfällen.

„Dass sich so viele Menschen aus drei Ländern an der Menschenkette beteiligen, ist ein großes und verbindendes Zeichen“, sagte der designierte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) den Aachener Nachrichten. Laschet hatte bereits am Freitag von „großer Furcht vor neuen Hiobsbotschaften und vor einem möglichen gravierenden Schadensfall“ gesprochen und angekündigt, dass sich die neue Landesregierung „mit Nachdruck für die Abschaltung der Kernkraftwerke in Tihange und Doel einsetzen“ werde und dabei erwarte, „dass auch der Bund stärker als bisher auf die belgische Regierung einwirkt und auf eine Stilllegung der Reaktoren drängt“. An der Menschenkette am Sonntag konnte der Aachener Politiker aus Termingründen nicht teilnehmen.

„Sicherheitsbedenken ernst nehmen, ohne Hysterie und Panik zu schüren“

Die AfD hatte am Freitag darauf hingewiesen, dass die Reaktorblöcke in Tihange aus der Technologie der 60er-Jahre bestünden und von Mitte der 70er- bis Mitte der 80er-Jahre in Betrieb gegangen seien. „Die Sicherheitsbedenken der Menschen in der Region müssen daher ernst genommen werden, ohne dabei Hysterie und Panik zu schüren. Gleichzeitig müssen die Ergebnisse von Überprüfungen und Gutachten vorurteilsfrei zur Kenntnis genommen werden. Wir plädieren daher für die Erstellung eines Gegengutachtens, welches im Gegenzug von deutscher Seite initiiert werden sollte“, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der AfD-Kreisverbände Aachen und Köln.

Darin wurde aber auch der deutsche Atomausstiegs-Beschluss von 2011 als „überhastet und sachlich schlecht begründet“ bezeichnet. „Es wurden deutsche Kernkraftwerke mit hohen Sicherheitsstandards abgeschaltet, gleichzeitig damit aber der Import von Strom aus suspekten grenznahen Kraftwerken gefördert, die zudem als störanfällig gelten“, hieß es in der von Stephan Boyens, dem energiepolitischen Sprecher der NRW-AfD, mitunterzeichneten Erklärung. Es sei angesichts der Diskussion um Tihange „in keiner Weise nachvollziehbar“, dass sich Deutschland wie auch Belgien nicht an internationalen kerntechnischen Forschungsvorhaben wie etwa dem Generation IV International Forum (GIF) zur Entwicklung nachhaltiger und sicherer Kernkraftwerke beteiligen. „Wer sich bewusst aus der aktuellen Forschung verabschiedet, kann die Zukunft nicht mitgestalten.“ (ph)

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