Politik

AfD wählt Renner zum Spitzenkandidaten

Essen. Martin Renner, Co-Landessprecher der NRW-AfD, wurde am Samstag knapp zum Spitzenkandidaten des Landesverbandes für die Bundestagswahl gewählt. Seine Anhänger reagierten mit Jubel und „Martin, Martin“-Rufen. Andere Delegierte aber fürchten jetzt weitere Stimmenverluste bei bürgerlichen Wählern.

Martin Renner nach der Wahl (Bild: NRW.direkt)

Aussagen wie „Die Zuwanderung ist eine als humanistisch getarnte Selbstzerstörung der deutschen Kultur und Nationalität“, die Bezeichnung des Islam als „Unterwerfungskultur“ oder seine Absage an die „links-rot-grün-schwarze Versiffung unseres Gemeinwesens“ brachten dem 62-jährigen Martin Renner zuerst den stürmischen Jubel der 351 Delegierten ein. Später wurde er mit 179 Stimmen in der Stichwahl auf Platz eins der Landesliste für die Bundestagswahl im September gewählt.

Der in Nordrhein-Westfalen nahezu unbekannte und kurzfristig von der Hamburger AfD geholte Kay Gottschalk unterlag mit 167 Stimmen, wurde aber später auf Platz vier der Liste gewählt. Der Essener Kreisvorsitzende Stefan Keuter plädierte in seiner Bewerbungsrede dafür, „nicht am rechten Rand zu fischen“ und warnte davor, „den Zuspruch aus einem Splitterlager zu überschätzen“. Nach der Frage eines früheren Geschäftspartners und heutigen Parteikollegen nach möglichen Schulden aber war Keuter chancenlos und schied bereits im ersten Wahlgang aus.

Sorge vor weiteren Stimmenverlusten

Nach der Wahl ihres Spitzenkandidaten präsentierten die Delegierten in der Essener Messehalle West ein unterschiedliches Bild: Im Renner-Lager dominierten Jubel und „Martin, Martin“-Rufe. Viele Delegierte zeigten jedoch betretene Mienen und äußerten sofort die Sorge, Renners Wahl zum Spitzenkandidaten könne bürgerliche Wähler ebenso verschrecken wie die Rede Björn Höckes am 17. Januar in Dresden. In dieser Rede hatte Höcke „eine erinnerungspolitische Kehrtwende um 180 Grad“ gefordert. Das brachte ihm ein Parteiausschlussverfahren und seiner Partei rückläufige Spenden sowie Umfragewerte ein. Renner hatte sich in seiner Bewerbungsrede zwar von der Sprache Höckes distanziert, die für ihn einen „Ufa-Wochenschau-Unterton“ habe, aber gleichzeitig bekräftigt, dass er dieselben Themen bediene wie der Thüringer AfD-Landesvorsitzende.

Beim anschließenden gemeinsamen Auftritt vor der Presse demonstrierten Martin Renner und Marcus Pretzell Einigkeit und Harmonie. Selbst von gegenseitiger Wahlkampfunterstützung war plötzlich bei den als verfeindet geltenden Landessprechern die Rede. Dennoch konnte sich beide kleine Spitzen nicht verkneifen. Als Pretzell davon sprach, das knappe Wahlergebnis zeige „die Lebendigkeit der Demokratie in der AfD“, sagte Renner: „Knapp daneben ist auch vorbei.“ Im Gegenzug lobte Pretzell Renner dafür, „sprachlich um Klassen besser“ zu sein als Björn Höcke. (ph)

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