Justiz

Affront zum Jahrestag des Unglücks

Düsseldorf. Am zweiten Jahrestag des Germanwings-Unglücks will der Vater des verantwortlichen Copiloten Andreas Lubitz auf einer Pressekonferenz ein eigenes Gutachten vorstellen. Es ist nicht das erste Mal, dass Lubitz‘ Familie bei den Hinterbliebenen der Opfer für Empörung sorgt.

Germanwings-Airbus (Symbolbild: NRW.direkt)

Bereits in der Einladung zu der Pressekonferenz am kommenden Freitag in Berlin bezweifelt Günter Lubitz die „Annahme des dauerdepressiven Copiloten, der vorsätzlich und geplant in suizidaler Absicht das Flugzeug in den Berg gesteuert haben soll“. Weiter heißt es: „Wir sind der festen Überzeugung, dass dies so nicht richtig ist.“

Der Berliner Opferanwalt Elmar Giemulla kritisierte die Ankündigung von Günter Lubitz, exakt zwei Jahre nach dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs eine Pressekonferenz abzuhalten. „Ich finde das sehr schlimm. Sich genau auf die Sekunde zu dem Zeitpunkt äußern zu wollen, an dem vor zwei Jahren die Maschine abgestürzt ist, das ist unverantwortlich. Aus Sicht der Opfer ist das geschmacklos und dürfte für viele von ihnen belastend sein“, sagte Giemulla am Dienstag in der Rheinischen Post. Er vermute, „dass Herr Lubitz eine Theorie verbreiten möchte, die seinen Sohn freispricht von jeglicher Schuld“.

Absichtlich gegen den Berg gesteuert

Flug 4U 9525 der Lufthansa-Tochter Germanwings zerschellte am 24. März 2015 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den südfranzösischen Alpen. Alle 150 Insassen kamen dabei ums Leben. Darunter waren auch 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus Haltern, die auf dem Rückflug von einem Schüleraustausch in Spanien waren. Die Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft ergaben schnell, dass Lubitz den Sinkflug des Airbus 320 willentlich herbeigeführt und die Geschwindigkeit vor dem Aufprall erhöht hatte.

Die Ermittlungen der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft dazu wurden zum Jahresbeginn mit dem Ergebnis eingestellt, dass Andreas Lubitz die alleinige Schuld an dem Unglück trage. Keiner der behandelnden Ärzte habe bei ihm in den Monaten vor dem Unglück Anhaltspunkte für eine Selbstmordgefahr festgestellt. Auch der Arbeitgeber und die Angehörigen hätten davon keine Kenntnis gehabt.

Kein einziges Wort über die 149 Getöteten

Bereits zum ersten Jahrestag des Unglücks hatten die Eltern von Andreas Lubitz mit einer Traueranzeige für ihren Sohn Empörung hervorgerufen. In der Anzeige, die als Danksagung bezeichnet in der Westerwälder Zeitung veröffentlicht wurde, beklagten sie ihren „so sehr großen Verlust“. Die Anzeige endete mit den Worten „Wir haben einen liebenswerten und wertvollen Menschen verloren“. Die 149 von Andreas Lubitz getöteten Menschen aber wurden darin mit keinem einzigen Wort erwähnt.

In einem am Sonntag im Magazin Stern veröffentlichten Interview warf der Vater der Opernsängerin Maria Radner, der bei dem Unglück seine Tochter, seinen Schwiegersohn und seinen Enkel verloren hatte, den Eltern von Andreas Lubitz vor, dass sie auf den Grabstein ihres Sohnes eine Berglandschaft haben meißeln lassen. Dies habe er ebenso als Provokation empfunden wie die Traueranzeige. „Und nun behaupten sie, ihr Sohn sei unschuldig, es sei ein Unfall gewesen. Ich frage mich, was wollen die Eltern den Angehörigen noch zumuten? Warum sind sie nicht einfach still?“, fragte Klaus Radner. (ph)

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