Kolumnen Politik

Air Berlin droht Bruchlandung

Air Berlin droht durch schwere Managementfehler die Insolvenz. Könnte eine Übernahme durch Lufthansa die Rettung sein? Und wem würde diese Übernahme nützen? Sollte der Staat eine solche Konzentration auf Lufthansa und damit indirekt die Protektion des deutschen Marktes zulassen? Eine Kolumne von Christian Loose.

Christian Loose

Die Deutschen zeigen gerne mit dem Finger auf US-Präsidenten Donald Trump, der die amerikanische Wirtschaft vor ausländischer Konkurrenz schützen möchte. Nun soll der deutsche Flugmarkt vor der irischen Konkurrenten Ryanair geschützt werden. Doch ist das richtig und was sind überhaupt die Gründe für den Niedergang von Air Berlin?

In den letzten vier Jahren schrieb Air Berlin als zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Verluste von fast zwei Milliarden Euro. Das Eigenkapital wurde aufgezehrt und die Gesellschaft konnte zwischenzeitlich nur gerettet werden, weil der arabische Großaktionär Etihad Airways mehr als eine Milliarde Euro zugeschossen hatte. Seit fünf Jahren sinken die Umsatzerlöse. Zentrale Strategie des Managements war die Reduzierung der Personalkosten, verbunden mit einer Schrumpfung der Flotte. Jedoch führte das sinkende Dienstleistungsangebot letztlich wieder zu sinkenden Passagierzahlen. Damit begann eine gefährliche Abwärtsspirale.

Das Management fand keine nachhaltigen Lösungen. Hinzu kam, dass das eigentliche Problem der Airline, die fehlende Trennung des Linien- und des Touristikflugverkehrs, ein Jahrzehnt lang nicht angegangen wurde. Damit fehlte auch eine klare Linie, ob eher Urlauber oder Geschäftsreisende die relevante Kundengruppe bilden soll. Auch bei den anzufliegenden Zielorten fehlte eine zielorientierte Strategie. So ging Air Berlin das Wagnis ein, mit gerade einmal 14 Langstreckenjets ausgerechnet auf dem Nordatlantik zu expandieren – verkrachte sich aber gleichzeitig mit seinem US-amerikanischen Bündnispartner American Airlines. Jetzt operiert Air Berlin mit 75 – und damit zu wenigen – Flugzeugen als Drehkreuz-Airline und muss gleichzeitig auf dem Nordatlantik gegen unzählige besser aufgestellte Wettbewerber antreten.

Irische Konkurrenz hofft auf Marktbereinigung

Wie bei einem in der Wüste Verdurstenden, sammeln sich nun die Geier um Air Berlin. Insbesondere die irische Fluggesellschaft Ryanair könnte bei einem Sterben von Air Berlin von der Ausdünnung des Wettbewerbs profitieren. Viele der von der Berliner Gesellschaft gehaltenen Flugverbindungen könnten nach der Marktbereinigung durch Ryanair übernommen werden.

Die irische Billigfluglinie würde mit ihrer scharfen, aber dennoch profitablen Preispolitik auch den deutschen Markt deutlich verbilligen. Eine Folge, die die deutschen Kunden erfreuen würde, aber der deutsche Konkurrenz aus dem Lufthansa-Konzern und der Deutschen Bahn nicht gefallen dürfte. Denn durch günstige Flüge wird auch die Deutsche Bahn beim äußerst lukrativen Fernverkehr unter Druck gesetzt.

Übernahme durch Lufthansa käme staatlichem Protektionismus gleich

Deshalb setzt Lufthansa, Deutschlands größte Fluggesellschaft, zur Abwehr an. Lufthansa fürchtet die Konkurrenz aus Irland und versucht, Air Berlin künstlich am Markt zu halten oder zu kaufen.

Eine Übernahme durch Lufthansa hätte jedoch schwerwiegende Folgen für den deutschen Markt. Durch das Zusammenlegen der beiden größten Gesellschaften würde eine weitgehende Konzentration des deutschen Marktes erfolgen. Kleinere Gesellschaften hätten dann fast keine Chancen auf eine Expansion, da Lufthansa die wichtigsten Verbindungen kontrollieren würde.

Lufthansa unterstützt Air Berlin indirekt

Da das Kartellamt bereits signalisiert hat, dass eine Übernahme durch Lufthansa sehr kritisch zu sehen sei, hat sich Lufthansa auf die Strategie gestützt, Air Berlin indirekt zu helfen, um den deutschen Markt vor allem vor ausländischer Konkurrenz abzuschotten. Einer Teilübernahme gleichkommend, hat Lufthansa nun 38 Flugzeuge Flugzeuge von Air Berlin samt der Besatzungen geleast.

Trotz starker Bedenken durch die Konkurrenz hat das Kartellamt diesem Geschäft zugestimmt. Damit wird Air Berlin nur noch künstlich am Leben gehalten. Eine langfristige Strategie, die auch zu einer Beruhigung von Personal und Kunden führen könnte, fehlt.

Politiker schweigen zum deutschen Protektionismus

Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass gerade diejenigen deutschen Politiker, die den Protektionismus von US-Präsidenten Donald Trump scharf verurteilen, nun schweigen. Tatenlos wird dabei zugesehen, wie – auch zum langfristigen Schaden des deutschen Marktes und des Personals der Gesellschaften – eine eigentlich insolvente Firma künstlich am Leben gehalten.

Was bleibt, ist eine minimale Hoffnung, dass Air Berlin diese Überlebenshilfe kurzfristig dazu nutzt, die Managementkrise zu überwinden und sich ein klares Profil gibt. Angesichts der aktuellen Vergangenheit ist dies jedoch kaum zu erwarten. Ohne eine Kernsanierung und Konzentration auf ein wesentliches Marktsegment dürfte der Untergang von Air Berlin nicht mehr zu stoppen sein. Es verbleibt eine Hängepartie für das strapazierte und verunsicherte Personal sowie ein fader Beigeschmack angesichts des auf dem deutschen Markt immer stärker werdenden Beinahe-Monopolisten Lufthansa.

Die Kolumnen bei NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

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Über den Autor

Christian Loose

Der im Münsterland geborene Christian Loose ist seit Mai 2015 wirtschaftspolitischer Sprecher der NRW-AfD. Seit Juni 2017 ist er Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag. Der gelernte Bank- und Diplomkaufmann arbeitet seit sieben Jahren bei einem großen Energieunternehmen und führt dort wirtschaftliche Analysen für Großprojekte ab einer Million Euro durch. Eines seiner politischen Ziele ist es, die Steuerverschwendung der Politiker zu bekämpfen, wofür er auch einen entsprechenden Straftatbestand fordert. Sein Lieblingszitat stammt von der ehemaligen britischen Premierministerin Margret Thatcher: „The problem with socialism is that you eventually run out of other people’s money." Übersetzt: „Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass dir am Ende das Geld anderer Leute ausgehen wird."