Düsseldorf Nachrichten

Air Berlin verabschiedet sich Freitag

Düsseldorf. Am späten Freitagabend wird die insolvente Air Berlin den Flugbetrieb endgültig einstellen. Die Flughafenterrasse bleibt aus diesem Anlass bis Mitternacht geöffnet. Die lokale Politik aber hat für die von Skandalen begleitete Insolvenz bislang kein Interesse gezeigt. Lediglich die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann äußerte sich mit klaren Worten.

Nachdem die Langstreckenflüge von Air Berlin bereits Anfang letzter Woche eingestellt wurden, wird der restliche Flugbetrieb der insolvent gewordenen Fluglinie am späten Freitagabend eingestellt. Der letzte Abflug aus Düsseldorf wird die AB 6049 um 21 Uhr 05 nach München sein. Mit der Ankunft des Fluges AB 8719 aus Rom wird um 22 Uhr 45 endgültig eine Ära zu Ende gehen.

Um möglichst vielen Menschen Gelegenheit zu geben, an diesem Ereignis Anteil zu nehmen, wird die Flughafenterrasse am Freitag bis Mitternacht geöffnet sein. 2007 ging die ehemalige Düsseldorfer Ferienfluglinie LTU in Air Berlin auf. Danach baute Air Berlin Düsseldorf zu seinem wichtigsten Drehkreuz aus. Zusammen mit der österreichischen Ferienflugtochter NIKI war Air Berlin bis zuletzt die größte Fluggesellschaft in der Landeshauptstadt. Das dürfte dazu führen, dass sich viele Menschen aus Düsseldorf und Umgebung am Freitag von Air Berlin verabschieden werden.

Insolvenz von Skandalen und politischer Einflussnahme begleitet

Die Insolvenz der zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschland war von mehrfachen Skandalen begleitet. So wurde im Februar mit Thomas Winkelmann ein Manager zum neuen Chef von Air Berlin, der bis dato mehr als 18 Jahre lang für den Lufthansa-Konzern tätig war. Sein bis 2021 zugesichertes Gehalt in Höhe von 4,5 Millionen Euro wurde vorab mit einer Bankbürgschaft gegen Insolvenz abgesichert. Kritiker werfen Winkelmann von, bei der Insolvenz die Interessen seines früheren Arbeitgebers vertreten zu haben.

Aber auch die Bundesregierung handelte ganz im Sinne des Lufthansa-Konzerns: Als Air Berlin am 15. August Insolvenz anmeldete, kam es nicht zur sofortigen Einstellung des Flugbetriebs und der damit verbundenen Neuvergabe der Start- und Landerechte an Wettbewerber. Stattdessen wurde der Konkurs mit Hilfe eines Staatskredits hinausgezögert, womit die Lufthansa trotz kartellrechtlicher Bedenken die Möglichkeit bekam, mit dem Gläubigerausschuss von Air Berlin über den Ankauf großer Teile der insolventen Fluglinie zu verhandeln.

„Es ist nicht Aufgabe der Regierung, ein Monopol zu schaffen“

Fast alle in Düsseldorf gewählten Politiker schwiegen zu diesen Vorgängen. Die einzige Ausnahme war die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann: „Das ist ein Unding. Es ist nicht Aufgabe der Bundesregierung, ein Monopol zu schaffen“, sagte die zwischenzeitlich in den Bundestag gewählte Politikerin Ende August unserer Redaktion. „Wir brauchen auch im Flugverkehr einen fairen Wettbewerb mehrerer Anbieter hinsichtlich Preis und Leistung, der den Kunden zugutekommt. Stattdessen träumt die Bundesregierung von der einen großen deutschen Airline.“ Strack-Zimmermann forderte, dass sich die Bundesregierung aus den Verhandlungen über den Verkauf der insolventen Fluggesellschaft heraushalte und nicht vorab einen Wettbewerber bevorzuge.

Danach hielten sich Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sowie ihr für Verkehr zuständiger Kabinettskollege Alexander Dobrindt (CSU), die zuvor übereinstimmend gefordert hatten, die Lufthansa müsse große Teile von Air Berlin erwerben, um ein „nationaler Champion“ zu werden, mit weiteren solchen Aussagen zurück. Von Seiten Air Berlins und des Gläubigerausschusses wurde bestritten, dass die Politik auf die Verkaufsverhandlungen Einfluss nehme. Dennoch handelte auch der Gläubigerausschuss ganz im Sinne des Lufthansa-Konzerns: Schnell wurde mitgeteilt, dass mit der Lufthansa sowie der britischen Airline Easyjet exklusiv verhandelt werde. Und davon führten bislang nur die Verhandlungen mit dem Lufthansa-Konzern zum Erfolg.

„Die Frau Merkel hat ein Monopol geschaffen“

Für die Fluggäste aus der Region verheißt das nichts Gutes: Den von Marie-Agnes Strack-Zimmermann geforderten Wettbewerb wird es ab Samstag nur noch auf Interkontinental-Flügen sowie auf Verbindungen in das nicht-deutschsprachige europäische Ausland geben. Auf innerdeutschen Flügen wie auch auf Strecken in die Schweiz und nach Österreich haben die Fluggäste in Düsseldorf nach derzeitigem Stand der Dinge nur noch die Auswahl zwischen Anbietern, die allesamt zum Lufthansa-Konzern gehören.

„Es ist mittlerweile so, dass in Düsseldorf 90 Prozent aller Slots jetzt in Lufthansa-Hand sind. Das heißt, es kann kein Konkurrent dort mehr hineinfliegen, nur mehr die Lufthansa mit ihrer Eurowings-Gruppe. Das heißt: Monopol entsteht, Tickets werden teurer“, sagte der österreichische Luftfahrtunternehmer Niki Lauda vor rund zwei Wochen in einem Interview des Deutschlandfunks. „Die Frau Merkel hat übersehen, dass sie ein Monopol geschaffen hat.“

Bild: NRW.direkt

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