Justiz Mönchengladbach

„Alles war voll mit Blut“

Mönchengladbach. Weil er seine ehemalige Lebensgefährtin in einem Zug mit einem Messer zu töten versucht haben soll, muss sich ein 23-Jähriger seit letzter Woche vor dem Landgericht verantworten. Am Montag entschuldigte er sich bei den damaligen Mitreisenden dafür, dass sie dies „mitbekommen haben“. Der Richter merkte sofort an, dass er sich bei dem Opfer nicht entschuldigt hatte.

Regionalexpress im Bahnhof Rheydt (Bild: NRW.direkt)

Seit Mittwoch letzter Woche muss sich der 23-jährige Abdirazak H. vor der 7. Großen Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts verantworten. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, seine ehemalige Lebensgefährtin zweimal mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Als die Frau am 24. Mai die gemeinsame Wohnung verließ, soll er sie laut Anklage verfolgt und am Bahnhof Rheydt gestellt haben.

Bereits am Bahnhof sei es dann zu einem Streit gekommen. Der wurde kurz darauf in einem Regionalexpress weitergeführt. Dort soll der 23-Jährige in Tötungsabsicht auf die Frau eingestochen haben. Danach sei seine ehemalige Lebensgefährtin stark blutend zusammengebrochen. In der Erwartung, sie werde sterben, soll Abdirazak H. danach aus dem Zug geflohen sein. Die Frau überlebte aber, weil ein Stich in ihren Oberkörper an einer Rippe abgeprallt war.

Zum Prozessauftakt hatte der 23-Jährige einen Messerstich eingeräumt, aber die Vergewaltigungen bestritten. Das Messer hatte er damit erklärt, dass seine damalige Partnerin an dem warmen Tag eine Wassermelone wollte und er diese damit aufschneiden sollte. Das Zustechen hatte Abdirazak H. bereits kurz nach der Tat einem Polizisten gegenüber damit erklärt, dass er an dem Tag „Ärger beim Jobcenter“ und danach Streit mit seiner Freundin hatte. Dies habe dann bei ihm zu einem „Blackout“ geführt. Das Opfer wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen.

Mitreisende schildern blutiges Szenario

Als der Prozess am Montag fortgesetzt wurde, erzählten mehrere Mitreisende, wie sie die Situation im Zug erlebt hatten. Dabei schilderte ein 36-jähriger Mann einen Streit „in einer mir nicht bekannten Sprache“, der dann „handgreiflich“ wurde. Als die Frau um Hilfe rief, hätten Fahrgäste auf deutsch auf den Mann eingeredet, damit aufzuhören, und mit der Polizei gedroht. Der Mann aber habe weitergemacht. Danach sei Blut zu sehen gewesen.

Ein anderer Zeuge berichtete, zwei Sekunden lang in eine Schockstarre gefallen zu sein, nachdem jemand „Der Mann hat ein Messer“ gerufen habe. Die Frau habe über eine Minute um Hilfe gerufen, der Mann habe sich aber „nicht beeindrucken lassen“, bis er „mit seinem Vorhaben fertig war“. Danach habe er „fünf bis sechs Blutlachen gesehen“, sagte der Zeuge.

Ein weiterer Zeuge sprach davon, dass der Täter nach der Tat „relativ ruhig“ gewesen sei. Als vierter Zeuge berichtete ein junger Mann, dass es auf ihn so gewirkt hatte, als ob eine Frau verprügelt werde. Als er sich dem vorsichtig genähert hatte, um der Frau zu helfen, habe er jedoch „keine Unterstützung bekommen“. Danach habe er bemerkt, dass „alles voll mit Blut“ gewesen sei. Im Bahnhof Odenkirchen sei der Täter aus dem Zug geflüchtet. Das Messer habe der Mann später in die Niers geworfen, berichtete ein Polizist.

„Beim Opfer hat er sich nicht entschuldigt“

Bizarr wurde es, als die Vernehmung des ersten Zeugen beendet war und dieser den Gerichtssaal wieder verlassen wollte: Abdirazak H. meldete sich zu Wort und entschuldigte sich bei ihm dafür, die Situation im Zug „mitbekommen“ zu haben. „Das Szenario war eine Zumutung“, übersetzte der Dolmetscher. Als die Vernehmung des zweiten Zeugen beendet war, wiederholte er seine Entschuldigung. Dieses Mal aber merkte der Vorsitzende Richter Lothar Beckers an, dass er sich bei dem Opfer nicht entschuldigt habe.

Er habe erst abwarten wollen, wie die Verhandlung verlaufe, rechtfertigte sich der Angeklagte. Außerdem habe er ja keine Gelegenheit dazu gehabt. „Man kann auch schreiben“, antwortete der Richter. Der Prozess wird bereits am Mittwoch fortgesetzt. Das Urteil soll am 7. Dezember verkündet werden.

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