Düsseldorf Justiz Lau-Prozess Mönchengladbach

Die Wünsche des Ismail I.

Düsseldorf/Mönchengladbach. Offenbar verspricht sich Ismail I. einiges von seiner Aussage im Prozess gegen Sven Lau. Diesen Eindruck hinterließ die mit Spannung erwartete erste Befragung des Kronzeugen durch Laus Anwalt Mutlu Günal.

Mutlu Günal (Bild: NRW.direkt)

Mutlu Günal (Bild: NRW.direkt)

Eine Woche zuvor hatte Ismail I. noch davon gesprochen, dass der ehemalige Mönchengladbacher Salafisten-Chef Sven Lau „Druck ausgeübt“ habe, damit er an der Seite anderer Salafisten im syrischen Bürgerkrieg kämpfe. Das änderte sich jedoch, als Mutlu Günal am Dienstag aus einer Verbindungsliste vorlas, in der Telefonate und SMS zwischen Sven Laus Telefon und dem von Ismail I. kurz vor dessen erster Reise nach Syrien im August 2013 festgehalten waren. Die Liste offenbarte, dass alle Anrufe und SMS von Ismail I. ausgingen. Der hatte dafür schnell eine Erklärung parat: „Lau hatte kein Vertragshandy.“ Mutlu Günal aber kaufte ihm das nicht ab: „Jetzt kann man sich darüber streiten, ob er Sie gestalkt hat oder Sie ihn“, witzelte der bekannte Strafverteidiger. Ismail I. bestritt das, änderte aber seine Wortwahl. Plötzlich sprach er nur noch davon, dass Lau es ihm „ermöglicht“ habe, nach Syrien zu gehen.

Gegen den 36-jährigen Sven Lau wird seit Anfang September vor dem Fünften Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgericht verhandelt. Vorgeworfen wird dem ehemaligen Mönchengladbacher Salafisten-Chef die Unterstützung in Syrien aktiver Terror-Organisationen. Bislang aber hat der Prozess kaum Belastbares hervorgebracht. Damit gilt der 2015 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilte 26-jährige Libanese Ismail I. als Hauptbelastungszeuge.

„Als Terrorist gesehen zu werden, ist ja belastend“

Und der verspricht sich offenbar einiges von seiner Aussage gegen Sven Lau. Mutlu Günal hielt ihm vor, mit welchen Worten er gegenüber einem Mönchengladbacher Staatsschützer seine Motivation zur Aussage begründet hatte: „Die erste Motivation ist, dass ich meine Zwei-Drittel-Strafe haben möchte.“ Damit war die Möglichkeit gemeint, nach Verbüßung von zwei Dritteln der Haftzeit vorzeitig auf freien Fuß zu kommen. „Und ich möchte nicht mehr als Terrorist gesehen werden. Das ist ja belastend.“ Seine weitere Befragung durch Mutlu Günal ergab, dass Ismail I. auch darauf spekuliert, nach einer Entlassung aus der Haft an einer Broschüre mitarbeiten zu dürfen, in der Eltern erklärt wird, wie sie eine „Radikalisierung“ ihres Kindes frühzeitig erkennen können.

Damit stand aber auch erneut die Frage im Raum, ob seine Aussagen als glaubwürdig einzustufen sind. Ismail I. bestritt, dass ihm Vorteile versprochen wurden, falls er Sven Lau belaste. Er verwies darauf, dass über seine vorzeitige Entlassung aus der Haft noch nicht entschieden sei. Günals Kommentar dazu fiel kurz aus: „Passt doch.“ Die Befragung von Ismail I. soll am nächsten Dienstag fortgesetzt werden.

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