Münster Nachrichten

Amokfahrer wollte Selbstmord begehen

Münster. Die Behörden bestätigten am Montag, dass der 48-Jährige, der zwei Tage zuvor mit einem Campingbus in eine Menschenmenge raste und dabei zwei Menschen tötete, in Selbstmordabsicht gehandelt hat. Aufgrund längst erfolgter sowie opulenter Medienberichterstattung zur Person des mutmaßlichen Täters kommt dem jedoch nur noch geringe Bedeutung bei. Drei Verletzte sollen noch immer in Lebensgefahr sein.

Am frühen Montagabend bestätigten Polizei und Staatsanwaltschaft, dass der 48-Jährige, der am Samstagnachmittag in der Altstadt in Münster mit einem Campingbus in eine Menschenmenge raste, dabei zwei Menschen getötet sowie zwanzig weitere verletzt und sich danach selbst erschossen hatte, in Selbstmordabsicht gehandelt hat. „Nach der bisherigen Analyse und Auswertung der vorliegenden Dokumente, Spuren und Aussagen sind die Ermittlungsbehörden sicher, dass der 48-Jährige in Suizidabsicht handelte“, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. „Bislang haben sich weiterhin keinerlei Hinweise auf eine politische Motivationslage des Täters sowie mögliche Mittäter ergeben“, sagte Polizeipräsident Hajo Kuhlisch. „Wir haben aber Hinweise darauf, dass die Ursachen für die Ausführung der Tat in seiner Persönlichkeit begründet sind.“

Für die Öffentlichkeit dürfte das keine Überraschung mehr gewesen sein, da die meisten Medien bereits kurz nach dem Vorfall damit begonnen haben, ausführlich über Person, Leben und Psyche des mutmaßlichen Todesfahrers zu berichten. Noch während die Polizei die Öffentlichkeit vergeblich aufgefordert hatte, nicht zu spekulieren und sich dabei selber unwissend präsentierte, gaben fast alle großen Medien bereits Namen, Alter, Wohnort sowie Nationalität des mutmaßlichen Täters bekannt.

Später spekulierten einzelne Medien auch über einen möglichen rechtsextremen Hintergrund des mutmaßlichen Täters. Gleichzeitig wurde im Internet massiv über einen möglichen islamistischen Hintergrund der Tat spekuliert. So sorgte etwa eine Falschmeldung eines rumänischen TV-Senders dafür, dass die unzutreffende Darstellung, der Täter sei ein Kurde, hartnäckig weiter verbreitet wurde. Warum die Polizei bei diesem Vorfall eine so passive Informationspolitik betrieben hat, ist nicht bekannt. Drei am Samstag verletzte Menschen sollen noch immer in Lebensgefahr sein. (ph)

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