Politik

Amri war auch nach seinem Anschlag in NRW

Düsseldorf. Anis Amri hat sich auch nach seinem Berliner Terror-Anschlag in NRW aufgehalten. „Das lässt die bisherigen Antworten von Innenminister Jäger und seinen Beamten zu Amris Flucht in einem neuen Licht erscheinen“, sagte Daniel Sieveke (CDU).

Ralf Jäger nach einer Sondersitzung des Innenausschusses zu Anis Amri (Bild: NRW.direkt)

Der Berliner Attentäter Anis Amri hat sich auch in den Tagen nach seinem Lkw-Anschlag am 19. Dezember 2016 in Nordrhein-Westfalen aufgehalten. Er sei am 21. Dezember in einem Bus von Emmerich nach Kleve beobachtet worden, bestätigte die Bundesanwaltschaft am Mittwoch entsprechende Vermutungen. Die Ermittler hätten rekonstruiert, dass er sich an diesem Tag neu einkleidet hat. Er habe bei einem Textilhändler in Kranenburg nahe der niederländischen Grenze Boxershorts, Socken, Jogginghose und einen Schal gekauft. Wie Amri von Berlin nach Emmerich kam, ist jedoch weiterhin unklar.

„Das lässt die bisherigen Antworten von Innenminister Jäger und seinen Beamten zur Flucht in einem neuen Licht erscheinen“, sagte Daniel Sieveke, CDU-Obmann im Amri-Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtages, am Donnerstag. „Derzeit deutet vieles darauf hin, dass es neben den Fehlern und Versäumnissen im Vorfeld des Anschlags auch danach zu schweren Pannen im Verantwortungsbereich von Minister Jäger gekommen ist.“

„Immer neue fatale Verbindungen nach NRW“

„Es macht fassungslos, immer neue fatale Verbindungen dieses Falls nach NRW feststellen zu müssen“, sagte Sieveke weiter. „Es ist schon unglaublich, dass sich Amri als behördenbekannter Gefährder vor dem Anschlag frei durch Nordrhein-Westfalen bewegen konnte. Aber dass er trotz Führung und Meldung in NRW auch nach seiner grausamen Tat über Stunden in aller Seelenruhe im Umkreis seiner Unterkunft einkaufen gehen konnte, sprengt jede Vorstellungskraft.“

Der 24-jährige Tunesier Anis Amri hatte am 19. Dezember in Berlin mit einem Lkw-Anschlag zwölf Menschen getötet und mehrere Dutzend schwer verletzt. Nur kurz nach dem Anschlag wurde bekannt, dass der 2015 illegal in Deutschland eingereiste Amri bereits im Februar 2016 als Gefährder eingestuft wurde. Trotz mehrfachem Widerspruch nicht nur von Seiten der Opposition hält Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) bis heute an der Darstellung fest, die Behörden seien im Fall Amri „bis an die Grenzen des Rechtsstaats gegangen“, eine Inhaftierung des Tunesiers sei aber aus rechtlichen Gründen nicht möglich gewesen.

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