Politik

Angst vor „Erdogans verlängertem Arm“

Düsseldorf. In einem gemeinsamen Appell rufen fünf türkischstämmige Landtagsabgeordnete die in NRW lebenden Türken zur Gewaltlosigkeit auf. Offenbar herrscht große Angst davor, dass der türkische Präsident Erdogan nach dem gescheiterten Putsch auch seine hier lebenden Anhänger mobilisieren wird.

Demonstration in Düsseldorf (Symbolbild: NRW.direkt)

Demonstration in Düsseldorf (Symbolbild: NRW.direkt)

Am Donnerstag verurteilten die Landtagsabgeordneten Ali Bas (Grüne), Serap Güler (CDU), Ibrahim Yetim (SPD), Serdar Yüksel (SPD) und Arif Ünal (Grüne) in einer gemeinsamen Erklärung „jegliche Eskalationen zwischen verschiedenen türkischen Gruppen. Wenn Andersdenkende bedroht, beschimpft oder angegriffen werden, wie in Gelsenkirchen am vergangenen Wochenende, ist definitiv eine rote Linie überschritten.“

In Gelsenkirchen wurde am Samstag ein türkischer Jugendtreff der Gülen-Bewegung von Erdogan-Anhängern gewaltsam angegriffen. „Diese Gewalt und diesen Hass dulden wir nicht und setzen uns dafür ein, dass diejenigen, die sich vom friedlichen Meinungsaustausch verabschiedet haben, strafrechtlich belangt werden. Unser Appell an die hiesige türkeistämmige Community ist deshalb, Abstand von jeglichen Aktionen zu nehmen, die in Gewalt jeglicher Art umschlagen. Integration bedeutet auch, dass sich alle an die Spielregeln des Grundgesetzes halten“, so die fünf Abgeordneten weiter.

Erdogan hat in NRW mehr Rückhalt als in der Türkei

In Nordrhein-Westfalen leben fast eine Million Menschen mit türkischen Wurzeln. Unter ihnen genießt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mehr Rückhalt als in der Türkei selbst. So stimmten rund drei Viertel der in NRW lebenden Türken bei der Präsidentschaftswahl 2014 für Erdogan. Insgesamt waren es nur knapp über 51 Prozent. „Erdogans Arm reicht sehr stark nach NRW herein, das zeigt schon die Bereitschaft, auch hier für ihn auf die Straße zu gehen“, sagte Serap Güler am Dienstag in der WAZ.

Als „Erdogans verlängerte Arme“ bezeichnete Güler die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) mit Sitz in Köln sowie den religiösen Dachverband DiTiB. Auch Ahmet Toprak, Professor für angewandte Sozialwissenschaften und Integrationsexperte an der Fachhochschule Dortmund, befürchtet, dass die „enthemmte Stimmung“ in der Türkei auf Deutschland überschwappen könnte: „Jetzt wird alles angegriffen, was unliebsam ist.“ In der Türkei kam es nach dem gescheiterten Putsch in der letzten Woche unter anderem zu Lynchmorden an Soldaten. Der Widerstand gegen die Putschisten war offenbar stark religiös motiviert.

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