Essen Justiz

Anklage wegen brutalem Angriff auf Polizistin

Essen. Nachdem im September 2018 eine Polizistin vor einer Shisha-Bar brutal angegriffen wurde, erhebt die Staatsanwaltschaft nun Anklage. Die betroffene Familie wiederum wirft der Polizei Misshandlung und Rassismus vor. Nach der vorläufigen Festnahme eines Tatverdächtigen hatten dessen Vater und Bruder bereits mit der Mobilisierung der Familie gedroht.

Die Shisha-Bar in der Essener Innenstadt (Bild: NRW.direkt)

Im Fall der Schlägerei vor einer Shisha-Bar in der Essener Innenstadt in der Nacht vom 7. auf den 8. September 2018 hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den libanesischstämmigen Besitzer und drei seiner Brüder erhoben. Wie der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Samstagausgabe berichtete, wird den zwischen 17 und 28 Jahre alten Beschuldigten Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Die brutale Tat hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht: Bei einer Routinekontrolle in einer Shisha-Bar in der Innenstadt von Essen soll ein 17-Jähriger eine Polizistin brutal angegriffen haben. Als sich die Polizistin wieder aufgerichtet hatte, nachdem ihr jemand kurz zuvor die Beine weggetreten hatte, soll der 17-Jährige sie erneut zu Boden gestoßen haben. Dann soll er auf ihren Oberkörper und ihren Unterleib eingetreten haben.

Als ein Kollege ihr zu Hilfe kam, wurden die beiden Polizisten von vier bis fünf weiteren Umstehenden angegriffen. Die Beamten konnten sich nur mit Schlagstock und Pfefferspray verteidigen. Erst durch die Unterstützung von zwei Mitgliedern der Tierrettung Essen, die zufällig vorbeigekommen waren, konnten die Polizisten den 17-Jährigen in ihre Gewalt bringen. Die Polizistin wurde bei dem Angriff so schwer verletzt, dass sie auch in der darauffolgenden Woche dienstunfähig blieb.

Familie droht mit Mobilisierung

Die Polizei feierte den Einsatz als weiteren erfolgreichen Schlag gegen die libanesischen Familien-Clans, die der Stadt schon lange Probleme bereiten. Faktisch aber spricht vieles dafür, dass es vielmehr ein Moment der Kapitulation war: In der Pressemitteilung der Polizei wurde zwei Tage später berichtet, Vater und Bruder des Festgenommenen seien daraufhin auf der Wache erschienen und hätten lautstark dessen Freilassung gefordert. Dabei hätten sie gedroht, ihre Familie zu mobilisieren. Vater und Bruder seien dann der Wache verwiesen und der 17-Jährige in Gewahrsam genommen worden.

In dieser Pressemitteilung wurde jedoch verschwiegen, dass der 17-Jährige bereits am darauffolgenden Morgen wieder freigelassen wurde. Das räumte die Polizei erst eine Woche später auf mehrere Nachfragen unserer Redaktion ein. Begründet wurde die Freilassung mit fehlenden Haftgründen.

Familie wirft Polizei Misshandlung und Rassismus vor

Die Familie um den Barbesitzer erstattete ihrerseits Strafanzeige. Sie werfen unter anderen den am Einsatz beteiligten Polizisten schwere Körperverletzung im Amt und Vortäuschung einer Straftat vor. Einer der Beschuldigten soll demnach im Polizeigewahrsam misshandelt und rassistisch beleidigt worden sein. Auf Videoaufnahmen, die dem Kölner Stadt-Anzeiger vorliegen, ist zu sehen, dass die Polizisten bei der Fixierung des 17-Jährigen äußerst rabiat vorgehen. „Ich kriege keine Luft mehr“, brüllt er mehrmals und versucht sich aus der Umklammerung zu befreien.

Die Staatsanwaltschaft hingegen wirft dem Jugendlichen vor, seine Lage dramatisiert zu haben. „Nach der allgemeinen Lebenserfahrung ist nicht nachvollziehbar, wie man keine Luft mehr bekommen kann und trotzdem die Kraft hat, mehrfach laut und inbrünstig zu schreien“, heißt es in der Anklageschrift. Auf die Vorwürfe, die Polizisten hätten ihn misshandelt und beleidigt, geht die Staatsanwaltschaft nicht ein. (ph)

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