Illegales Rennen in Mönchengladbach Justiz Mönchengladbach

Anwalt bestreitet Rennen und fordert Bewährung

Mönchengladbach. Beim sogenannten Raser-Prozess forderte der Verteidiger des Hauptangeklagten am Donnerstag eine „bewährungsfähige Strafe“. Er bestritt ein Rennen und appellierte an das Gericht, „jetzt nicht dem gesunden Volksempfinden zu folgen“. Der Anwalt der Eltern des getöteten Fußgängers war darüber verwundert, dass in dem Plädoyer nichts dazu gesagt wurde, warum der Angeklagte auf der Gegenfahrbahn unterwegs war.

Beim Prozess um ein möglicherweise illegales Autorennen am 16. Juni 2017 hielt Gerd Meister, einer der Verteidiger des Hauptangeklagten Manuel S., am Donnerstag vor der 2. Großen Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts sein Plädoyer. Sein Mandant hatte die Kollision mit einem 38-jährigen Fußgänger, der danach 37 Meter durch die Luft geschleudert wurde und noch vor Ort starb, bereits zum Prozessauftakt eingeräumt.

Dabei hatte der 29-Jährige jedoch bestritten, dass es sich dabei um ein Rennen gehandelt habe. Bei der Nachfrage des Vorsitzenden Richters Ralf Gerads, warum er mit „annähernd 100 Sachen“ gefahren sei, hatte S. jedoch keine plausible Antwort: „Kann ich nicht sagen. Ich bin einfach schnell gefahren.“ Auch ein ebenfalls angeklagter 26-Jähriger hatte bestritten, dass es ein Rennen gewesen sei.

Gerd Meister betonte in seinem Plädoyer am Donnerstag, „angesichts dieses Erfolgsunwertes“ nicht „dreist“ sein zu wollen. Das hielt ihn aber nicht davon ab, die Einlassung seines Mandanten als „umfassendes Geständnis“ zu bezeichnen. „Zeugen sind da ein sehr unzuverlässiges Beweismittel“, sagte er zu Aussagen, bei denen mehrere Zeugen übereinstimmend berichtet hatten, die Situation als Rennen wahrgenommen zu haben. „Das Ergebnis der Beweisaufnahme ist nicht, dass ein Rennen stattgefunden hat“, lautete seine Schlussfolgerung.

„Er weiß nicht, warum er so schnell gefahren ist“

Dann betonte der Verteidiger, dass sein Mandant noch immer zu ergründen versuche, warum er an diesem Abend so schnell gefahren sei. Mehrfach kam er auf einen Fall in Köln zu sprechen, bei dem der Bundesgerichtshof (BGH) im März die Aussetzung der Haftstrafen zur Bewährung wieder aufgehoben hatte. Dies habe der BGH, so Gerd Meister, mit dem „gesunden Rechtsempfinden“ begründet. „Was immer das sein mag“, merkte er an.

Bei dem Kölner Fall war eine 19-jährige Fahrradfahrerin bei einem illegalen Autorennen getötet worden. Gerd Meister verwies darauf, dass sich die Kölner Raser nach dem Tod der Radfahrerin nur dafür interessiert haben, ob ihre Autos durch die Kollision Schaden genommen hätten. „Hier haben wir es aber mit einem ganz anderen Typus zu tun“, sagte er. Die Medienberichterstattung nach dem Kölner Rennen habe jedoch zu Empörung in der Bevölkerung geführt. „Das ist wohl die Krux an der ganzen Sache“, meinte Meister.

Damit zeichnete sich bereits vor dem Ende des Plädoyers deutlich ab, worauf der Strafverteidiger hinaus wollte. Und so kam es dann auch: Gerd Meister plädierte auf eine „bewährungsfähige Strafe“. Dabei appellierte er an das Gericht, „jetzt nicht dem gesunden Volksempfinden zu folgen“.

BGH sprach vom allgemeinen Rechtsempfinden

Mit seinen Schlussworten spielte er geschickt damit, dass Formulierungen wie die des „gesunden Volksempfindens“ in Deutschland seit der NS-Zeit als inakzeptabel gelten. Tatsächlich aber hatte der BGH bei seiner Entscheidung zum Kölner Raser-Prozess weder vom „gesunden Volksempfinden“ noch von einem „gesunden Rechtsempfinden“ gesprochen – sondern vom „allgemeinen Rechtsempfinden der Bevölkerung“, das in solchen Fällen durch Haftaussetzungen zur Bewährung gestört werde.

Der Esslinger Rechtsanwalt Horst Hornek, der die Eltern des getöteten Fußgängers als Nebenkläger vertritt, zeigte sich nach dem Plädoyer von Gerd Meister darüber verwundert, dass dieser nichts dazu gesagt hatte, warum dessen Mandant bei der Kollision mit dem Getöteten auf der Gegenfahrbahn unterwegs war.

Hornek hatte sich am Vortag der Forderung der Staatsanwaltschaft nach zwei Jahren und zehn Monaten Haft für Manuel S. angeschlossen. Dabei hatte er betont, die Darstellungen der Angeklagten, es sei kein Rennen gewesen, seien „ins Reich der Schutzbehauptungen und der Fabeln zu verweisen“. Das Urteil wird am kommenden Dienstag verkündet.

Bild: Blumen, Kerzen und ein Holzkreuz erinnern am Unfallort an den getöteten Fußgänger. Bildrechte: NRW.direkt

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