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Auch Enea B.s Anwälte wollen Freispruch

Düsseldorf/Bonn. Eine neue Verabredung mit Marco G. zum Mord an Pro NRW-Chef Markus Beisicht sei zwar „in Vorbereitung gewesen“, aber noch nicht getroffen worden. Mit dieser juristischen Spitzfindigkeit plädierten die Anwälte von Enea B. beim Salafisten-Prozess auf Freispruch.

Carsten Rubarth (Bild: NRW.direkt)

Im Hochsicherheits-Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in Düsseldorf wurden am Dienstag die Plädoyers der Anwälte fortgesetzt. Dieses Mal ging es jedoch nicht um Marco G., sondern um seinen Mitangeklagten Enea B. Der 46-jährige Albaner hatte im Juni 2016 gestanden, dass er Markus Beisicht, den Vorsitzenden der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Partei Pro NRW, zusammen mit Marco G. umbringen wollte.

Grund dafür war, dass Mitglieder von Pro NRW im Mai 2012 durch das Zeigen von Mohammed-Karikaturen „den Propheten verunglimpft“ hätten. „Marco und ich waren uns einig, dass wir das als praktizierende Muslime nicht hinnehmen können.“ Als sich alle vier Angeklagten am 11. März 2013 trafen, habe er sich klar für Beisichts Tötung ausgesprochen. Dabei aber wollten Koray D. und Tayfun S. nicht mehr mitmachen.

Mordanschlag zu zweit erörtert

Danach sei er mit Marco G. noch einmal nach Leverkusen gefahren, um das Haus von Markus Beisicht ein letztes Mal auszukundschaften. Während der Fahrt am 13. März 2013 redeten sie darüber, ob sie „das“ auch zu zweit machen könnten. Dazu kam es aber nicht mehr; in Leverkusen angekommen wurden sie von der Polizei in Empfang genommen und verhaftet. Zum Abschluss seines Geständnisses sagte Enea B., dass es „falsch“ gewesen sei, Beisicht töten zu wollen. Er „verachte die Leute von Pro NRW“ zwar noch immer, aber „letztlich wird Allah über jene richten, die den Propheten beleidigen“.

Aber trotz dieses eindeutigen Geständnisses plädierten seine Anwälte Carsten Rubarth und Dietmar Bonn am Dienstag auf Freispruch und beantragten die Aufhebung des Haftbefehls. Dem Vorwurf, Enea B. habe mit Marco G. und den beiden anderen Angeklagten eine terroristische Vereinigung gebildet, begegneten die Strafverteidiger mit der Darstellung, dafür sei sich das Salafisten-Quartett über seine Ziele zu uneinig gewesen. Und den Vorwurf der Verabredung zum Mord wiesen die Anwälte mit einer juristischen Spitzfindigkeit zurück: Die Verabredung sei bei der Verhaftung bereits aufgelöst gewesen, weil Koray D. und Tayfun S. dabei nicht mehr mitmachen wollten. Eine neue Verabredung zum Mord an Markus Beisicht sei zwar mit Marco G. „in Vorbereitung gewesen“, aber noch nicht getroffen worden.

Entschuldigung für Todesdrohung

Zur Entlastung ihres Mandanten trugen Rubarth und Bonn weiter vor, dass dieser vor zwei Wochen von einem SEK-Polizisten aufgefordert wurde, sein Gebet wegen der Verhandlung vorzeitig zu beenden. Darüber sei Enea B. zwar „nicht erfreut gewesen“, habe die Anweisung aber befolgt. Zu Beginn des Mammut-Prozesses im Herbst 2014 drohte der Albaner einem Justizangestellten mit dem Tode, falls der ihn beim Gebet störe. Bei seinem Geständnis hatte er sich dafür entschuldigt.

Ob sich das Gericht von solchen juristischen Spitzfindigkeiten oder Enea B.s vermeintlicher Läuterung beeindrucken lässt, bleibt abzuwarten. Die Bundesanwaltschaft hatte für den Albaner, der sich zum Zeitpunkt seiner Verhaftung illegal in Deutschland aufhielt, 14 Jahre Haft gefordert. Für Marco G., dem auch noch der versuchte Bombenanschlag auf den Bonner Hauptbahnhof im Dezember 2012 vorgeworfen wird, wurde lebenslange Haft gefordert.

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