Kultur Mettmann und Ratingen

Auf den Spuren der Menschheit

Mettmann. Das architektonisch mehrfach ausgezeichnete Neanderthal-Museum zeigt mit grandioser Ausstattung die Spuren der Menschheit auf ihrer langen Reise durch die Jahrtausende.

Neanderthal-Museum (Bild: NRW.direkt)

Neanderthal-Museum (Bild: NRW.direkt)

Sonntag, 13 Uhr. Neanderthal-Museum. Auf dem Parkplatz Autos mit Kennzeichen aus ganz Deutschland. Vor dem Eingang eine Warteschlange. Darunter viele aufgeregte Kinder mit Eltern, die sich auf die Zwerge und Riesen der Sonderausstellung freuen.

Das Museum liegt im Neandertal, wo es idyllische themenbezogene Spazierwege gibt. Ein kleines Paradies. Im Museum selbst begleiten eindrucksvoll viele multimediale Inszenierungen und Hörerlebnisse den Besucher. Sie machen die wissenschaftlichen Erkenntnisse sinnlich erlebbar. Am Eingang steht stolz der Neandertaler, den zwei holländische Brüder anhand gefundener Knochen realgetreu nachgebildet haben. Dazu gibt der sehenswerte Film des WDR „Der Neandertaler“ aus dem Jahr 2008 Auskunft.

Woher kommen wir?

Zu Beginn der Dauerausstellung kommt der Besucher zu der rekonstruierten Felsgrotte aus Kalkstein, in der zwei Steinbrucharbeiter im Jahre 1856 mit Spitzhacken stehen. Dazu passend ist über die vom Museum ausgegebenen Kopfhörer der Dialog der Beiden in dem Moment zu hören, als sie auf das Teilskelett stoßen. Niemand wusste zunächst den Fund zuzuordnen. Es gab unterschiedliche Erklärungen. Erst 1864 erkannte der Realschullehrer Johann Carl Fuhlrott, dass es sich um einen Vorfahren des modernen Menschen handeln musste. Ab da sprach man vom „homo neanderthalensis“, dem Neandertaler, der sich vor rund 300.000 Jahren aus anderen menschlichen Vorfahren entwickelt hat. Beim weiteren Rundgang stößt der Besucher auch auf eine eindrucksvoll beleuchtete Glasplatte, die den Kontinent Afrika zeigt. Der Mond mit sonorer Stimme erklärt daran die Verbreitung der Menschheit. Dort begann vor 2 Millionen Jahren ihre Reise in die Welt. Überall zeigen lebensgroß rekonstruierte Figuren, dass der Neandertaler einen sehr kräftigen Körperbau hatte und seine Zähne wohl als Werkzeug nutzte.

Zwerge und Riesen – eine Frage der Perspektive

Zwerge und Riesen tummeln sich weltweit in Mythen, Sagen und Märchen. Zwerge werden meist als listig, klug und mürrisch dargestellt, während Riesen oft gewinnen, mächtig und kriegerisch daher kommen. Doch mit diesen Figuren hat der normale Mensch wenig gemeinsam. Das ist ein Hauptthema der Sonderausstellung. Es ist eine Frage der Perspektive. Stellt sich der Besucher vor die lebensgroße Pappfigur von Dirk Notwitzki oder setzt er sich auf den Stuhl für einen Riesen, fühlt er sich klein. Gemessen an einem kleinwüchsigen Menschen, sieht er sich schon anders. Besonders für Kinder ist diese Ausstellung eine wahre Freude. Quirlig laufen sie von einem Ausstellungsstück zum anderen und probieren alles aus, was ihnen angeboten wird. Sie messen sich, entdecken beim Schauen durch Gucklöcher, wie sich Größenverhältnisse verändern und finden heraus, dass jeder Mensch, ob groß oder klein, seine Individualität mitbringt und Respekt verdient. Noch bis zum 1. Mai 2016 lädt das Museum Eltern mit ihren Kindern und Schulklassen zu dieser spannenden Sonderausstellung ein.

Neanderthal-Museum, Talstraße 300, 40822 Mettmann, Telefon 0 21 04 – 97 97 15,  weitere Informationen unter neanderthal.de, Öffnungszeiten Dienstags bis Sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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Über den Autor

Brigitta Dahlmann

Redakteurin für Kultur bei NRW.direkt seit Dezember 2015.