Auf der Spur von Bert Gerresheim

Neuss/Düsseldorf. Als 1981 die Heinrich-Heine-Bronzeplastik von Bert Gerresheim am Schwanenmarkt in Düsseldorf eingeweiht wurde, war die Polizei vor Ort, weil man das umstrittene Denkmal in die Luft sprengen wollte. Inzwischen hat sich die Empörung gelegt. Und die Stadt Neuss verschafft dem Besucher mit der Ausstellung „Bert Gerresheim – alles vexiert“ Einblick in die Sichtweise des international renommierten Düsseldorfer Künstlers.

Mutter Ey (Bild: NRW.direkt)

Mutter Ey (Bild: NRW.direkt)

Die viel besuchte Ausstellung im Clemens-Sels-Museum in Neuss stößt auf so großes Interesse, dass sie bis zum 27. Februar verlängert wurde. Sie zeigt einen repräsentativen Überblick über das bildnerische und zeichnerische Werk von Bert Gerresheim, das in vielen Städten, wie zum Beispiel in Düsseldorf, Mönchengladbach, Köln, Regensburg und Kevelaer bewundert werden kann. Gerresheim interessiert vor allem die Frage, was das Wesen des Menschen ausmacht.

Dieser Frage nähert er sich mit der Methode des Vexierens. Der Begriff bedeutet zerreißen, plagen, verzerren. Das heißt, dass er die meist bekannten Personen nicht naturgetreu darstellt, sondern ihre biografischen und tieferen Schichten wie in einem Puzzle offen legt. „Befreiung von der banalen Sichtbarkeit“, nennt der Künstler selbst sein Anliegen. In der Ausstellung in Neuss findet der Betrachter neben kleinen und großen Plastiken berühmte Zeichnungen. Auch an der Plastik „Mutter Ey“, die der Bildhauer gerade als monumentale Plastik für die Düsseldorfer Altstadt vorbereitet, erkennt der Besucher, was für Bert Gerresheim typisch ist. Die Zerrissenheit und Vergänglichkeit des Menschen ist sein Hauptthema. So verfremdet ein Riss durch das Gesicht die Düsseldorfer Galeristin, die Künstler so gutmütig sponserte und ihnen so manchen Kredit gewährte.

Bert Gerresheim und Düsseldorf

Bert Gerresheim wurde im Oktober 1935 in Düsseldorf geboren und studierte an der Kunstakademie bei dem berühmten Professor und Maler Otto Pankok. Bis heute arbeitet Gerresheim im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk. In der Landeshauptstadt prägen auf Straßen und Plätzen kleine und große Skulpturen von ihm das Stadtbild. So steht auf dem Campus der Düsseldorfer Universität eine monumentale vier Meter hohe Bronzeplastik. Sie zeigt den jungen und alten Kopf des Kämpfers Heinrich Heine auf einem aufgeschlagenen Buch. Unter ihm die Schere als Symbol für die Zensur, unter der Heine sein Leben lang gelitten hat.

Von ihm kam Bert Gerresheim nie los. Wie er selbst war auch Heine in seinen Anfängen ein unverstandener Sohn der Stadt. Oft läuft man achtlos an den eindrucksvollen Werken vor allem in der Düsseldorfer Altstadt vorbei, man registriert sie, doch meistens ist die Zeit zu knapp zum Verweilen. Die Spurensuche in Düsseldorf und im Neusser Museum lohnt sich und sorgt für so manches Aha-Erlebnis.

Clemens-Sels-Museum Neuss, Am Obertor, 41460 Neuss, Öffnungszeiten Dienstags bis Samstags 11 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 bis 18 Uhr, Anmeldung für die Führungen unter 0 21 31 – 904 141, www.clemens-sels-museum-neuss.de

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Über den Autor

Brigitta Dahlmann

Redakteurin für Kultur bei NRW.direkt seit Dezember 2015.