Düsseldorf Politik

„Aufschrei“ von Medien verschwiegen?

Düsseldorf. Am Tag nach den Brüsseler Anschlägen sprach die CDU-Bundestagsabgeordnete Cemile Giousouf vom „Aufschrei der Muslime“. Auf der Facebook-Seite des Kreises der Düsseldorfer Muslime fand sich am Tag des Anschlages jedoch nur ein Eintrag, in dem vom „Menschenhass“ der AfD die Rede war. Darauf angesprochen machte der KDDM deutlich, die Attentate „aufs Schärfste“ zu verurteilen und dies den Medien auch so mitgeteilt zu haben.

Screenshot der Facebook-Seite des KDDM am Tag der Anschläge

Screenshot der Facebook-Seite des KDDM vom Tag der Anschläge

Einen Tag nach den Terror-Anschlägen in Brüssel sprach die Hagener Bundestagsabgeordnete und integrationspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Cemile Giousouf, gegenüber dem Nachrichtenportal T-Online davon, dass es „sehr wohl einen Aufschrei der Muslime“ gebe. Giousouf verwies dabei auf die Internet-Seiten der muslimischen Organisationen in Deutschland. Deren Aussagen wären aber „weder in den Tagesthemen noch in der Tagesschau aufgetaucht“.

Die wichtigste muslimische Organisation in der Landeshauptstadt ist der Kreis der Düsseldorfer Muslime (KDDM). Derzeit repräsentiert der KDDM rund die Hälfte der etwa 40.000 Düsseldorfer Muslime. Auf seiner Homepage bekennt sich der KDDM zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes und betont, dass jede Art von Gewalt sowie Aufrufe zur Gewalt abgelehnt werden. Auf der Facebook-Seite des KDDM war am Tag der Brüsseler Terror-Anschläge jedoch nur ein Eintrag zu finden. Dieser wurde um 13 Uhr 32, also rund viereinhalb Stunden nach den Attacken, veröffentlicht und führte zu einer Kolumne, in der Mely Kiyak der AfD „Menschenhass“ vorwirft. Auch in den darauffolgenden sechs Tagen fanden sich keine Einträge mit Bezug zu den Brüsseler Anschlägen, dafür aber mehrere Beiträge, die das Thema „Islamophobie“ zum Inhalt hatten.

KDDM verweist auf Stellungnahme gegenüber Medien

Von NRW.direkt nach Ostern darauf angesprochen, sagte der KDDM-Vorsitzende Dalinc Dereköy, dass der KDDM „diese brutalen, barbarischen und menschenverachtenden Terroranschläge in Brüssel selbstverständlich aufs Schärfste verurteilt. Wir fühlen mit den Opfern und hoffen, dass die Täter und Hintermänner von den Sicherheitsbehörden schnell zur Verantwortung gezogen werden“. Diese „klare Äußerung“ habe der KDDM ebenso wie in der Vergangenheit gegenüber den Medien kundgetan. Auch habe Giousouf auf die Internetseiten der großen muslimischen Dachverbände verwiesen, nicht aber auf die Facebook-Seite des KDDM. Die Dachverbände hätten die Anschläge verurteilt und sämtliche Düsseldorfer Gemeinden, die diesen angehörten, seien auch Mitglied im KDDM.

„Das Fehlen einer Stellungnahme auf unserer Facebook-Seite sollte Sie nicht zu der Schlussfolgerung verleiten, dass der KDDM diese schrecklichen Taten nicht verurteilt habe. Wie erwähnt, haben wir dies auch bereits in der Vergangenheit mehrfach getan. Wir haben an den entsprechenden Gedenkveranstaltungen teilgenommen und mit der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf eine den Diskussionsveranstaltung initiiert, um den Dialog der Religionen zu fördern. Mit den Sicherheitsbehörden arbeiten wir sehr eng zusammen, damit zumindest in Düsseldorf in diesem Kontext kein radikales Netzwerk und eine Infrastruktur entsteht“, sagte Dalinc Dereköy am Dienstag.

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