Kolumnen Politik

Bahnlärm macht krank

Neben den aktuellen Debatten um Grenzwerte, Fahrverbote und Feinstaub tritt ein weiteres Thema verstärkt in den Vordergrund: Die Belastung durch Bahnlärm. Der Umstieg auf die Bahn ist zwar eine große Entlastung für die Umwelt, geht aber oft mit einer starken Lärmbelastung für die Anwohner der Bahnstrecken einher. Eine Kolumne von Sylvia Pantel.

Sylvia Pantel

Im Zuge der Globalisierung und des rasanten Fortschritts der Technik hat sich vieles verändert. Unsere Welt ist vernetzter: Flüge um den gesamten Globus sind längst eine Selbstverständlichkeit und ein immer verzahnterer Welthandel hat uns mit anderen Ländern ökonomisch verbunden sowie kulturell näher gebracht. Der verstärkte Handel führt zu mehr Verkehr in der Luft, auf hoher See, aber auch auf den Schienen.

Damit nimmt auch die Lärmbelastung auf deutschen Schienen weiter zu. Bis 2030 wird zunehmender ein Anstieg von über 43 Prozent im Bahnbetrieb prognostiziert. Die zunehmende Verlagerung des Frachtverkehrs wie auch der privaten Reisen auf die Schienen bedeutet eine Entlastung unserer Umwelt. Der erhöhte Bahnverkehr bleibt allerdings nicht ohne Folgen für die Anwohner von Bahnstrecken.

Der Lärmpegel steigt immer weiter an

Neben der aktuellen Debatte um Grenzwerte, Fahrverbote und Feinstaub ist für mich persönlich die Belastung durch Schienenverkehrslärm ein wichtiges Thema. Die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene ist ein schon lange währendes Thema in der Politik, das sich parteiübergreifenden Zuspruchs erfreut, vor allem aufgrund der ökologischen Vorteile. Allerdings müssen dabei auch die Folgen für die Anwohner von Bahnstrecken berücksichtigt werden. Allein in Düsseldorf sind rund 100.000 Menschen dem Bahnlärm ausgesetzt. Bereits jetzt fahren hier die Züge in enger Taktung. Durch Projekte wie den Rhein-Ruhr-Express und den Ausbau der TEN-Güterzugstrecke wird sich das Verkehrsaufkommen auf der Schiene – und damit die tägliche Lärmbelastung – in den nächsten Jahren noch einmal deutlich erhöhen.

Der erhöhte Lärmpegel bedeutet meist eine schlechtere Lebensqualität für die Bewohner in der Nähe von Bahnstrecken und bringt auch auf Dauer nicht unerhebliche gesundheitliche Risiken mit sich. Nach dem Straßenverkehrslärm empfinden Bürger die Lärmbelastung durch Schienenverkehr als zweitgrößte Belastung, gefolgt vom Fluglärm. Knapp eine Million Menschen in Deutschland fühlen sich durch das Rattern und Brummen der Züge tagsüber gestört, nachts sind es fast zwei Millionen, die unter der ständigen Beschallung leiden. Das Argument, die Leute wussten doch, dass dort die Bahn fährt, gilt für mich hier nicht, da es sich um eine Erweiterung der Kapazität handelt. Hier sollte alles, was möglich ist, zur Verbesserung der Belastungssituation für die Bürger veranlasst werden.

Intensiver Bahnverkehr muss mit aktivem Lärmschutz einhergehen

Immer wieder haben mich einzelne Bürger und Initiativen gebeten, mich für Lärmschutzmaßnahmen stark zu machen. Seit 2013 gilt bereits, dass ältere und laute Züge mehr als neue und leise Züge zahlen müssen. Daher wurden bereits viele der alten Güterwaggons bautechnischen Veränderungen unterzogen und ein Großteil der Züge mit sogenannten Flüsterbremsen ausgestattet. Bis 2020 sollen die Mittel für Lärmsanierungen verdoppelt werden.

Um die Geräuschkulisse weiter einzudämmen, unterstützt der Bund freiwillige Lärmsanierungen an bereits bestehenden Schienenwegen jährlich mit 150 Millionen Euro. An geplanten und bestehenden Bahnstrecken sowie Bahnhöfen von Angermund über Wersten bis Eller, also von Norden durch die Landeshauptstadt, müssen effektive Maßnahmen zur Lärmminderung ergriffen werden. Durch Lärmschutzwände und -deckel soll der Lärmpegel merklich reduziert werden. Schon seit einiger Zeit arbeite ich gemeinsam mit Kollegen und betroffenen Bürgern an einer Verbesserung der Situation. Momentan läuft eine Petition, mit dem Ziel der Errichtung einer Schallschutzwand für bisher weitgehend ungeschütztes Gebiet. Denn eines ist für mich klar: Ein intensiver Bahnverkehr muss mit aktivem Lärmschutz einhergehen.

Die Kolumnen bei NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

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Über den Autor

Sylvia Pantel

Sylvia Pantel ist direkt gewählte Bundestagsabgeordnete für den Düsseldorfer Süden. Im Parlament sitzt sie in den Ausschüssen für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Menschenrechte und Humanitäre Hilfe. Zusammen mit Philipp Lengsfeld ist sie Koordinatorin der Bundestagsabgeordneten im Berliner Kreis, einem Zusammenschluss konservativer CDU-Politiker. Außerdem ist sie Vorsitzende der Düsseldorfer Frauen Union (FU) sowie stellvertretende FU-Landesvorsitzende. Sylvia Pantel ist verheiratet und fünffache Mutter.