Justiz Mönchengladbach

Betrunken Polizistin totgefahren: Fast drei Jahre

Mönchengladbach. Im Dezember war ein Lkw-Fahrer aus der Ukraine mit rund drei Promille im Blut auf der A61 in einen Polizeiwagen gekracht. Dabei kam eine 23 Jahre alte Polizistin ums Leben. Am Dienstag wurde der Fahrer vom Landgericht zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Landgericht Mönchengladbach (Bild: NRW.direkt)

Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Mönchengladbach hat am Dienstag das Urteil im Strafverfahren gegen Valerii Y. verkündet. Der Angeklagte wurde wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Sein Führerschein wurde eingezogen und eine Wiedererteilungssperre von vier Jahren verhängt.

Das Urteil entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf Bewährung plädiert. Darauf ließ sich der Vorsitzende Richter Ralf Gerads jedoch nicht ein, der das Strafmaß mit dem „verantwortungslosen Handeln des Angeklagten, das zu drastischsten und schlimmsten Folgen geführt hat“, begründete. Der Grad der Verfehlungen wiege umso schwerer, weil der Angeklagte Berufskraftfahrer sei.

Der 49-Jährige Ukrainer war am 27. Dezember 2017 auf der Autobahn 61 kurz hinter der Auffahrt Viersen mit rund drei Promille Alkohol im Blut sowie einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde nahezu ungebremst in ein auf dem Seitenstreifen wartendes Polizeifahrzeug gekracht. Dabei kam eine 23 Jahre alte Polizistin ums Leben. Eine weitere Polizistin erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen, von denen sie sich bis heute nicht erholt hat. Ihren Geruchs- und Geschmackssinn hat sie möglicherweise dauerhaft verloren. Ein weiterer Polizist trug Prellungen sowie eine Platzwunde am Hinterkopf davon und wird psychologisch betreut. Die Verhandlung hatte ergeben, dass die Polizisten keine Chance hatten, den Unfall zu verhindern.

Keine Erinnerung an den Unfall

Valerij Y. konnte sich in der Verhandlung an den Unfall und den unmittelbaren Zeitraum davor nicht erinnern, legte aber ein volles Geständnis ab. Bei den Opfern und ihren Angehörigen entschuldigte er sich, auch wenn ihm klar sei, dass seine Tat damit nicht wiedergutzumachen sei. In seinem letzten Wort erklärte er, er würde sich „ein Bein abschneiden“, um die Folgen seiner Tat ungeschehen zu machen.

Das Urteil wurde von Staatsanwaltschaft und Verteidigung akzeptiert, die Vertreter der insgesamt vier Nebenkläger aber gaben zunächst keine Erklärung ab. Damit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig und Valerij Y. bleibt weiter in Untersuchungshaft. (ph)

Print Friendly, PDF & Email