Justiz Köln

Bewährung für Raser aufgehoben

Köln. Der Bundesgerichtshof hat die Bewährung für zwei Raser wieder aufgehoben. Das Landgericht habe die Auswirkungen des Urteils „auf das allgemeine Rechtsempfinden der Bevölkerung“ nicht berücksichtigt. Bei dem Rennen im April 2015 wurde eine 19-jährige Studentin getötet.

Blumen, Kerzen und ein Holzkreuz erinnern an den jüngst in Mönchengladbach totgerasten Fußgänger (Bilder: NRW.direkt)

„Angesichts der vom Landgericht festgestellten Häufung von Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang aufgrund überhöhter Geschwindigkeit in Köln und an anderen Orten fehlte es bei der Bewährungsentscheidung zudem an einer ausreichenden Erörterung der Frage, wie sich unter dem Gesichtspunkt der Verteidigung der Rechtsordnung eine Strafaussetzung zur Bewährung auf das allgemeine Rechtsempfinden und das Vertrauen der Bevölkerung in die Unverbrüchlichkeit des Rechts auswirken würde“, hieß es in einer Mitteilung des Bundesgerichtshofs (BGH) am Donnerstag. Damit muss eine andere Kammer des Kölner Landgerichts über die Frage einer möglichen Bewährung für die beiden Raser neu verhandeln und entscheiden. Das Strafmaß hingegen wurde vom BGH nicht beanstandet.

Die zur Tatzeit 21 und 22 Jahre alten Männer hatten sich in den Abendstunden des 14. April 2015 in Köln ein spontanes Rennen geliefert. Eines der Fahrzeuge geriet dabei ins Schleudern und prallte gegen eine 19-jährige Studentin, die gerade mit dem Fahrrad auf ihrem Heimweg war. Drei Tage später starb die junge Frau an ihren dabei erlittenen Kopfverletzungen. Der Aussage eines Polizisten zufolge soll sich einer der beiden Fahrer am Unfallort desinteressiert und eher um den Zustand seines Autos besorgt gezeigt haben. Im April 2016 verurteilte das Landgericht Köln einen der Männer wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft, den anderen zu einem Jahr und neun Monaten. In beiden Fällen wurde die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt. In der Bevölkerung löste das Urteil große Empörung aus.

In den letzten Jahren kam es immer wieder zu tödlichen Unfällen bei illegalen Autorennen. Der letzte Fall dieser Art ereignete sich am 16. Juni in Mönchengladbach. Dort wurde ein 38-jähriger Fußgänger bei einem Rennen in der Innenstadt getötet. Der mutmaßliche Todesraser sitzt derzeit wegen Mordes in Untersuchungshaft. Unter dem Druck dieser Ereignisse hat der Bundestag in der letzten Woche ein Gesetz auf den Weg gebracht, das illegale Autorennen neu ins Strafgesetzbuch aufnimmt. Wird dabei ein Mensch getötet, stehen darauf zukünftig ein bis zehn Jahre Haft. Der Bundesrat muss dem im September aber noch zustimmen. (ph)

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