Wirtschaft und Verkehr

Bieterverfahren nur zum Schein?

Düsseldorf. Wer Air Berlin übernimmt, soll erst nach der Bundestagswahl entschieden werden. Insider gehen aber bereits jetzt davon aus, dass die insolvente Airline „der Lufthansa auf dem Silbertablett präsentiert“ wird. „Der Deal ist nicht sauber“, sagte der Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl im Stern.

Die Bieterfrist für die insolvente Air Berlin ist am Freitag abgelaufen. Ursprünglich war geplant, am kommenden Freitag zu entscheiden, welche Käufer den Zuschlag bekommen werden. Zum Ablauf der Bieterfrist teilte Air Berlin jedoch mit, dass mit abschließenden Entscheidungen erst am 25. September zu rechnen sein wird – also einen Tag nach der Bundestagswahl.

Vieles spricht jedoch dafür, dass nur die Bundestagswahl abgewartet wird, bis verkündet wird, dass die Lufthansa und deren Billigflugtochter Eurowings große Teile von Air Berlin bekommen werden: Trotz Warnungen von Kartellrechtlern vor höheren Preisen hatten sich Mitglieder der Bundesregierung mehrfach dafür ausgesprochen, dass große Teile von Air Berlin vom Lufthansa-Konzern übernommen werden. Hinzu kommt die Personalie Thomas Winkelmann: Seit Februar führt der seit 1998 für den Lufthansa-Konzern tätige Manager Air Berlin. Bereits beim Beginn seiner derzeitigen Tätigkeit wurde darüber gemunkelt, ob seine Funktion darin besteht, Air Berlin zugunsten der Lufthansa abzuwickeln.

„Es ist doch jetzt schon klar, wie das Bieterverfahren ausgeht“

„Meiner Meinung nach soll der Lufthansa die Air Berlin auf dem Silbertablett präsentiert werden. Es ist doch im Grunde genommen jetzt schon klar, wie das Bieterverfahren ausgeht: Den Löwenanteil werden die Lufthansa und Eurowings bekommen. Ich bin massiv enttäuscht von der Politik“, sagte ein Air-Berlin-Pilot, der anonym bleiben wollte, in der letzten Woche in einem Interview der Rheinischen Post.

„Sofort am gleichen Tag der Insolvenz verkündet die Politik dem staunenden Publikum, dass die Regierung mit der Lufthansa einen Notfallplan ausgearbeitet hat. 150 Millionen Euro hat man dafür dem Schäuble so schnell aus den Rippen geleiert? Ja, klar!“, sagte der Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl in einem Interview, das in der aktuellen Ausgabe des Magazin Stern erscheint. Darin wirft er Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor, die Politiker über den Tisch gezogen zu haben. „Der Deal ist nicht sauber“, lautete Wöhrls Fazit.

Bild: NRW.direkt

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