Abgebrannte Messehalle Düsseldorf Justiz

Brand lachend gefilmt

Düsseldorf. Im Gerichtssaal wurden am Mittwoch Handy-Videos der brennenden Messehalle gezeigt. Dabei waren deutlich arabische Sprachfetzen und Lachen zu hören. Bei den Zeugenvernehmungen ehemaliger DRK-Mitarbeiter häufen sich Erinnerungslücken und Ungereimtheiten.

Adel Z. (Bilder: NRW.direkt)

Trotz der Vernehmung von insgesamt sechs Zeugen gab es am Mittwoch beim Prozess um die am 7. Juni 2016 abgebrannte und bis dahin als Asylbewerberunterkunft genutzte Düsseldorfer Messehalle nur wenig Neues. Seit 16. Januar wird vor der 3. Großen Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts gegen Adel Z. und Mohamed B. verhandelt.

Dem 27-jährigen Algerier Adel Z. wird vorgeworfen, die Halle angezündet zu haben, weil der gläubige Muslim darüber empört war, dass während des Ramadans tagsüber Speisen und Getränke an nicht fastende Mitbewohner ausgegeben wurden. Dem 27-jährigen Marokkaner Mohamed B. wird angelastet, Adel Z. zu der Tat angestiftet zu haben, weil er mit der Unterbringung in den Messehalle unzufrieden war. Adel Z., der zu Prozessbeginn zugegeben hatte, Ende 2015 aus wirtschaftlichen Gründen aus Spanien und Italien kommend nach Deutschland weitergereist zu sein, bestreitet die Tat. Mohamed B. schwieg bislang zu den Vorwürfen.

„Alhamdulillah“

Aufschlussreich waren am Mittwoch lediglich vier im Gerichtssaal gezeigte Handy-Videos der brennenden Messehalle. Drei davon zeigten die brennende Halle von außen. Bei einem war deutlich ein Satz in arabischer Sprache zu vernehmen, der mit „Alhamdulillah“ und lautem Lachen endete. Die Dolmetscherin der beiden Angeklagten übersetzte sofort: „Gott sei dank, mein Ausweis ist bei mir.“ Bei einem anderen Video wurde nur gelacht und nichts gesagt. Damit war eine Zeugenaussage vom letzten Freitag bestätigt, in der ein Mitarbeiter einer Leiharbeitsfirma berichtet hatte, dass Bewohner der Unterkunft den Brand gefilmt und „das alles lustig und prima fanden“.

Immer wieder ist in den Vernehmungen der Zeugen von Streit ums Essen oder Konflikten zwischen fastenden und nicht fastenden Bewohnern die Rede. Und auch am fünften Verhandlungstag blieb der Eindruck zurück, dass Mitarbeiter privater Firmen sich bei diesem Prozess zumeist präzise und bestimmt äußern, während die Vernehmungen damaliger Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) oftmals in Erinnerungslücken oder Ungereimtheiten enden.

So wollte etwa ein 48-jähriger Flüchtlingsbetreuer nichts davon mitbekommen haben, dass seine Kollegen Vermutungen und Spekulationen über den Urheber des Brandes angestellt haben. Auch bei den beiden Bränden zuvor sei nicht darüber gesprochen worden, wer dafür verantwortlich sei, lautete seine Darstellung. Dafür, dass mehrere Bewohner unmittelbar nach dem Ausbruch des Brandes mit bereits gepackten Koffern herumstanden, hatte er eine einfache Erklärung: „Flüchtlinge haben immer eine Tasche mit den wichtigsten Sachen griffbereit.“

Keine Erinnerung an Ankündigung des Brandes

Ein anderer damaliger DRK-Mitarbeiter konnte sich nicht mehr daran erinnern, der Polizei am Brandtag gesagt zu haben, dass ein Küchenbediensteter am Vortag berichtet hatte, ein Bewohner habe einen Brand angekündigt. Dafür erinnerte er sich an Mohamed B.; der sei „ein Stänkerer“ gewesen. Auf die Frage der Richterin, in welchem Zusammenhang dies gemeint sei, sagte der deutsche DRK-Mitarbeiter: „Allgemein, alles.“

Dem widersprach kurz darauf ein muslimischer DRK-Mitarbeiter, der Mohamed B. als „freundlich“ bezeichnete. Andere Darstellungen seien erst nach dem Brand von der Presse in Umlauf gebracht worden, meinte der 30-Jährige. Dafür wusste er von Kollegen, dass ein anderer Bewohner am Vortag gedroht haben soll: „Sollte es morgen wieder kein warmes Essen geben, dann ….“ – nach diesen Worten soll der Mann mit seiner rechten Faust in seine linke Handfläche geschlagen haben. Aufgrund seiner Erfahrung in anderen Asylbewerberunterkünften habe er solche Drohungen ernst genommen: „Wenn die was nicht bekommen haben, dann gab’s halt Stress.“

Weitere Verwirrung gab es, als ein weiterer DRK-Mitarbeiter zu Adel Z. vernommen wurde. Zuerst sagte er, Adel Z. sei „Teil einer aggressiven Gruppe“ gewesen. Später relativierte er seine Aussage und sprach davon, dass Adel Z. selber nicht aggressiv gewesen sei. Der Prozess wird am nächsten Montag fortgesetzt.

Bild ganz oben: Wegen Einsturzgefahr musste die ausgebrannte Messehalle am Tag nach dem Brand abgerissen werden

Print Friendly, PDF & Email