Abgebrannte Messehalle Düsseldorf Justiz

Brandstiftung: Zeugenaussagen immer bunter

Düsseldorf. Beim Prozess um die Messehallen-Brandstiftung bekamen die Zuschauer am Mittwoch teilweise phantastische Zeugenaussagen geboten. So konnte sich einer der Bewohner nicht mehr daran erinnern, Mohamed B. gegenüber der Polizei belastet zu haben. Vielleicht habe der Dolmetscher das falsch übersetzt, lautete seine Erklärung. Ein anderer wollte auf den Koran schwören, wusste aber nichts.

Mohamed B. (Bilder: NRW.direkt)

„Ich bin Muslim, ich werde meine Hand auf den Koran legen und die Wahrheit sagen“, beteuerte der 26-jährige irakische Friseur, nachdem die Vorsitzende Richterin mehrfach gereizt nachfragen musste. Aber mehr, als dass Mohamed B. „harmlos“ gewesen sein und „keine Probleme gemacht“ haben soll, war seiner Aussage bis zu deren Ende nicht zu entnehmen. Den Hauptangeklagten Adel Z. habe er gar nicht gekannt, so der Zeuge.

Der 27-jährige Marokkaner Mohamed B. verfolgte die Aussage schweigend. Bislang hat er zu den Vorwürfen geschwiegen, nach denen er den ebenfalls 27-jährigen Algerier Adel Z. dazu angestiftet haben soll, am 7. Juni 2016 eine bis dahin als Asylbewerberunterkunft genutzte Messehalle in Düsseldorf-Stockum angezündet zu haben. Wegen Einsturzgefahr musste die ausgebrannte Halle abgerissen werden, der Schaden wurde auf rund zehn Millionen Euro geschätzt. Mohamed B. und Adel Z. wurden noch während der Löscharbeiten verhaftet. Mohamed B. aber kam schon im Herbst wieder auf freien Fuß, Adel Z. hingegen blieb in Untersuchungshaft. Seit Mitte Januar müssen sich beide vor der 3. Großen Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts verantworten.

„Mohamed war ein Typ, der immer Ärger gemacht hat“

Völlig anders als der Friseur äußerte sich nur wenige Minuten zuvor ein 23-jähriger Syrer: „Mohamed war ein Typ, der immer Ärger gemacht hat.“ Am Tag zuvor habe er angekündigt, „das Lager in Brand zu legen“. Das habe er nicht nur einmal, sondern mehrmals angekündigt: „Ich war da, ich habe das selbst gehört.“ Mohamed B. sei Teil einer Gruppe von Marokkanern gewesen, die dort „nicht bleiben wollten“ und „immer viele Probleme gemacht“ hätten. Deswegen hätten auch alle Bewohner vermutet, dass er den Brand gelegt habe.

Zu dem „Herrn im grünen Parka“ konnte der junge Syrer jedoch nichts sagen. Womit Adel Z. und damit derjenige gemeint war, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, er habe mit Hilfe einer Flasche Wodka eine Matratze angezündet, weil er darüber empört war, dass während des Ramadans auch tagsüber Speisen und Getränke an nicht fastende Bewohner der Asylbewerberunterkunft ausgegeben wurden.

Keine Erinnerung mehr an belastende Aussagen

Den Vogel aber schoss am Mittwoch ein 20-jähriger Iraner ab. Der junge Mann hatte, ebenso wie sein ebenfalls aus dem Iran stammender Zimmernachbar, Adel Z. und Mohamed B. kurz nach dem Brand gegenüber der Polizei belastet. Vor Gericht blieb er bei seinen Aussagen zu Adel Z., der „alle bedroht“ und wegen des Ramadans angekündigt habe, „alles zu brennen“. Daran, Mohamed B. belastet zu haben, konnte er sich jedoch nicht mehr erinnern: „Bei ihm habe ich nichts Schlechtes gesehen.“ Dass die Polizei seine Aussage so verstanden habe, zwei Marokkaner hätten damit gedroht, dass „dem Heim was passieren würde“, könnte ja auch in Sprachschwierigkeiten begründet sein: „Vielleicht hat mein Dolmetscher Fehler gemacht.“ Sein Fehler sei das aber nicht gewesen: „Ich sage die Wahrheit mit voller Kraft.“

Nicht jeder glaubte ihm das; einer der Verteidiger von Adel Z. sprach von einer „Rolle rückwärts“, bei der auffalle, dass sein bereits vernommener Zimmernachbar diese auch so gemacht habe. Fragen zu seinem Zimmernachbarn waren dem 20-Jährigen unangenehm, er beteuerte, mit dem schon seit Monaten nicht mehr gesprochen zu haben. Das sei in „religiösen Sachen“ begründet, denn er sei Christ und sein Landsmann Muslim. Auf weitere Nachfragen des Verteidigers musste er aber später einräumen, dass der Zimmernachbar ihn „zur seelischen Unterstützung“ bis zum Gericht begleitet habe.

Über den Brand sei dabei aber nicht gesprochen worden, der sei auch für die jetzt im ehemaligen Finanzamt an der Roßstraße untergebrachten Bewohner „vergessen“, beteuerte der junge Iraner. Wer den Brand gelegt habe, sei für ihn und seine dort untergebrachten Landsleute „nicht wichtig“. Bei der Richterin stieß das auf Unglauben, sie hakte nach und wollte wissen, ob es nicht vielmehr so sei, dass sich die Bewohner daran nicht mehr erinnern möchten. „Vielleicht, jeder hat seine Gründe dafür“, lautete die Antwort des 20-Jährigen. Ob einer der Gründe möglicherweise darin besteht, dass Mohamed B. inzwischen ebenso auf freiem Fuß ist wie seine marokkanische Gruppe, von der immer wieder die Rede ist, wollte aber niemand wissen.

Bild ganz oben: Die ausgebrannte Messehalle am Tag nach dem Brand

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