Politik

Debakel für Kraft

Düsseldorf. Bei der Landtagswahl ist die CDU mit 33,6 Prozent stärkste Kraft. Die SPD erlebt mit 31 Prozent ein Debakel. Damit sind Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihre rot-grüne Koalition klar abgewählt. Für die Konservativen in der CDU war die Aufnahme Wolfgang Bosbachs in das Wahlkampfteam von Armin Laschet wahlentscheidend.

Hannelore Kraft (Bild: NRW.direkt)

Drittstärkste Kraft ist laut einer ZDF-Hochrechnung von 21 Uhr 03 die FDP mit 12 Prozent. Die AfD schwankte in den letzten Hochrechnungen zwischen 7,3 und 7,8 Prozent. Damit ist noch nicht entschieden, ob die Alternative mit 14, 15 oder 16 Abgeordneten in den Düsseldorfer Landtag einzieht. „Für uns ist wichtig, dass der Trend wieder nach oben geht. Wir wollen mal schauen, was der Abend uns noch bringen wird“, sagte die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry im ZDF. „Ich bin stolz auf meine NRW-AfD. Wir werden den Finger in die Wunde legen. Herr Laschet, Sie werden Ihr blaues Wunder erleben“, twitterte Spitzenkandidat Marcus Pretzell. In der ZDF-Runde kündigte er eine „unbequeme Opposition“ an.

Laut der WAZ hat die AfD im Ruhrgebiet überdurchschnittlich abgeschnitten. Das dürfte die Partei Guido Reil zu verdanken haben, so hat die AfD ersten Ergebnissen zufolge im Essener Norden fast 20 Prozent geholt. Auch aus Gelsenkirchen, Oberhausen sowie dem Duisburger Norden werden überdurchschnittliche Ergebnisse gemeldet. „CDU punktet bei Angestellten, AfD bei Arbeitern“, titelt die Rheinische Post.

Die Grünen sind mit 6,1 Prozent auch im nächsten Landtag vertreten. „Das ist ein schwerer Abend für uns“, heißt es auf der Facebook-Seite der Grünen. Die Partei „Die Linke“ liegt derzeit bei 4,9 Prozent und wäre damit nicht im Landtag. Die „Piratenpartei“ hat ein Ergebnis knapp unterhalb von einem Prozent erzielt und fliegt damit aus dem Landtag. Die Wahlbeteiligung lag bei fast 66 Prozent.

Laschet: „Heute ist ein guter Tag für NRW“

Armin Laschet (Bild: NRW.direkt)

„Heute ist ein guter Tag für Nordrhein-Westfalen“, sagte der Wahlsieger Armin Laschet auf der Wahlparty der CDU in Düsseldorf. „Wir haben uns in den letzten Monaten wieder der Stammwählerschaft zugewandt“, kommentierte Wolfgang Bosbach das Wahlergebnis.

In der ARD kündigte Armin Laschet an, zur Koalitionsbildung „mit allen Demokraten“ reden zu wollen. Was er damit meinte, konkretisierte er später in der ZDF-Runde: „Wir haben vor der Wahl angekündigt, nicht mit der Linken und der AfD reden zu wollen.“ Sollten die Linken den Einzug in den Landtag nicht schaffen, könnte rechnerisch auch eine Koalition aus CDU und FDP möglich sein.

Konservative: Bosbach wahlentscheidend

Zu den ersten Gratulanten für Armin Laschet gehörte auch der Freiheitlich-Konservative Aufbruch (FKA). „Die heutige Wahl zeigt deutlich auf, dass die CDU mit konservativen Themen, wie zum Beispiel der inneren Sicherheit, verlorengegangenes Vertrauen und damit Wählerstimmen zurückgewinnen kann. Aus unserer Sicht war die Aufnahme Wolfgang Bosbachs in sein Wahlkampfteam durch Armin Laschet wahlentscheidend. Mit dem konservativen Aushängeschild Wolfgang Bosbach an seiner Seite konnte Armin Laschet das Vertrauen vieler Konservativer zurückgewinnen“, sagte der FKA-Vorsitzende Alexander Mitsch in einer ersten Stellungnahme. „Klare Kante, auch bei den Themen Migration und Doppelpass, ist für uns auch die notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Bundestagswahl. Der Kurs, auch konservative Themen wieder zu bedienen, muss aus unserer Sicht daher konsequent fortgesetzt werden.“

Kraft: „Habe mein Bestes gegeben“

Die abgewählte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gratulierte Laschet kurz nach der Verkündung der ersten Prognosen. „Ich habe mein Bestes gegeben. Wir haben das Land Schritt für Schritt nach vorne gebracht. Leider konnten wir das dem Wähler nicht vermitteln“, sagte Kraft. Sie übernehme dafür die Verantwortung und trete als SPD-Landesvorsitzende sowie als stellvertretende Bundesvorsitzende zurück.

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sagte in der ARD: „Das ist ein bitterer Tag für die SPD, es ist unser Stammland. Dort zu verlieren, ist besonders hart.“ Der sichtlich angegriffene SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach von einer „krachenden Niederlage“ für seine Partei. Der ARD zufolge hat die SPD rund 340.000 Stimmen an die CDU verloren. Die CDU wiederum hat nur rund 50.000 Wähler an die AfD verloren.

Der Artikel wurde zuletzt um 22 Uhr 23 aktualisiert.

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