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Debatten über Katjes-Werbung gehen weiter

Düsseldorf. Seit Tagen gibt es scharfe Kritik an einem Katjes-Werbevideo, in dem ein Model mit Hidjab Fruchtgummis bewirbt. Auch die CDU-Politikerin Sylvia Pantel ist verwundert. „Ich würde gerne wissen, was man uns damit sagen will. Im Iran riskieren mutige Frauen ihr Leben, indem sie die Zwangskopfbedeckung abnehmen“, sagte die Bundestagsabgeordnete.

Sylvia Pantel (Bild: NRW.direkt)

In dieser Woche gab es in den sozialen Netzwerken aufgeregte Diskussionen über eine aktuelle Werbekampagne des Süßwarenherstellers Katjes. In einem Werbevideo bewirbt ein Model mit Hidjab Fruchtgummis ohne tierische Gelatine. Im Gegensatz zu den meisten Fruchtgummis anderer Hersteller verzichtet das Unternehmen auf tierische Gelatine. Diese wird aus Schweinen gewonnen, also einem Tier, das der Islam zu essen verbietet.

Viele Internetnutzer warfen dem Unternehmen daraufhin vor, die Unterdrückung muslimischer Frauen zu verharmlosen. Einige davon kündigten an, Katjes deshalb boykottieren zu wollen.

„Hier wird im Namen der wirtschaftlichen Interessen mit einem Unterdrückungssymbol der Frauen Geld verdient. Wenn es um Profit geht, scheint es eine Selbstverständlichkeit, dass die humanistischen Werte einfach aufgegeben werden“, wurde der deutsch-algerische Islamwissenschaftler und Buchautor Abdel-Hakim Ourghi am Donnerstag in der EMMA zitiert. Die Katjes-Werbung sei „ein Skandal“, so Abdel-Hakim Ourghi.

Katjes verteidigt sich gegen Kritik

In einem Facebook-Beitrag verteidigte sich das Unternehmen am Donnerstag gegen die Kritik. „Mit der neuen Kampagne wollen wir insbesondere junge Frauen ansprechen, die Spaß am Leben haben und sich dabei bewusst ernähren. Dazu zählen auch junge Muslimas, bei denen der Verzicht auf tierische Gelatine eine bedeutende Rolle spielt“, hieß es darin. Das Unternehmen habe sich „bewusst für drei sehr unterschiedliche starke Frauen entschieden, die als Kampagnengesichter stellvertretend für die Vielfältigkeit unserer Zielgruppe stehen“.

Die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel aber überzeugte das nicht. „Auch mich wundert diese Werbung“, sagte die CDU-Politikerin am Freitag unserer Redaktion. „Ich würde gerne wissen, was man uns damit sagen will. Im Iran riskieren mutige Frauen ihr Leben, indem sie die Zwangskopfbedeckung abnehmen.“

Die Tagesschau hatte am Freitag auf ihrer Internet-Seite berichtet, dass in dieser Woche im Iran 29 Frauen von der Polizei festgenommen wurden, weil sie sich aus Protest ihrer Kopftücher entledigt hatten. Die iranischen Behörden werteten dies als „Verstoß gegen die öffentliche Ordnung“. (ph)

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