Abgebrannte Messehalle Düsseldorf Justiz

„Die Essensausgabe war für ihn haram“

Düsseldorf. Im Prozess um die Brandstiftung in der Messehalle war am Donnerstag der Hauptbelastungszeuge geladen. Der sagte, dass Adel Z. im Vorfeld gedroht habe, es werde „ein Feuer geben“, wenn weiterhin trotz des Ramadans tagsüber Essen ausgegeben wird. Seine Aussage offenbarte aber auch viele Widersprüche zu seiner polizeilichen Vernehmung.

Adel Z. (l.) und Mohamed B. (Bilder: NRW.direkt)

„Das ist der Täter“, sagte der 40-jährige Iraner und zeigte auf Adel Z. Gegen den 27-jährigen Adel Z. wird seit 16. Januar vor der 3. Großen Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Algerier vor, am 7. Juni 2016 in einem leerstehenden Zimmer einer als Asylbewerberunterkunft genutzten Messehalle eine Flasche Wodka auf einer Matratze ausgegossen und entzündet zu haben, weil er „darüber erzürnt“ war, dass trotz des Fastenmonats Ramadan, der gläubigen Muslimen die Aufnahme von Speisen und Getränken nur in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang gestattet, auch morgens und zur Mittagszeit Speisen und Getränke an nicht fastende Bewohner der Unterkunft ausgegeben wurden.

Die Messehalle 18 in Düsseldorf-Stockum wurde durch den Brand vollständig zerstört. Weil die ausgebrannte Halle einsturzgefährdet war, musste die Feuerwehr bereits in der darauffolgenden Nacht mit dem Abriss des Gebäudes beginnen. Der Schaden wurde später auf rund zehn Millionen Euro geschätzt. Adel Z. und sein Mitangeklagter Mohamed B. wurden noch während der Löscharbeiten verhaftet. Am zweiten Verhandlungstag räumte Adel Z. freimütig ein, aus wirtschaftlichen Gründen Ende 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen zu sein. Den Vorwurf der Brandstiftung bestritt er jedoch.

Am Donnerstag aber bestätigte der Hauptbelastungszeuge die Sichtweise der Staatsanwaltschaft: „Sein Problem war die Essensausgabe im Ramadan, das war für ihn haram (nach islamischem Recht nicht erlaubt, Anm. d. Red.).“ Deswegen habe Adel Z. damit gedroht, „alles anzuzünden, wenn das so weitergeht“. Am Brandtag habe er gesehen, wie der Algerier mit der Flasche Wodka in der Hand zur Tat geschritten sei, schilderte der Iraner. Adel Z. verfolgte die fast fünfstündige Aussage seines damaligen Mitbewohners schweigend und mit finsterer Miene.

Widersprüche zur polizeilichen Vernehmung

Von einigen Aussagen, die er in seinen insgesamt vier polizeilichen Vernehmungen gemacht haben soll, wollte der iranische Asylbewerber vor Gericht aber nichts mehr wissen. So bestritt er etwa, gesagt zu haben, dass Adel Z. schon vor dem Brandtag mehrfach versucht habe, eine Matratze anzuzünden: „Das habe ich nicht gesagt. Aber er hat schon andere falsche Sachen getan.“ Auch davon, die Brandstiftung zusammen mit einem Landsmann beobachtet zu haben, wollte er nichts mehr wissen. Und davon, bei der Polizei von mehreren Brandstiftern gesprochen zu haben, wusste er auch nichts mehr: „Ich habe immer gesagt: eine Person.“

Die Vorsitzende Richterin machte das stutzig; sie hielt ihm vor, bei der Polizei gesagt zu haben, er hätte Angst, denn „diese Leute sind gefährlich“. Auch seine Antwort auf die Nachfrage eines Verteidigers, warum er als ausgebildeter Soldat nicht eingeschritten sei, als der Täter den Brand gelegt habe, rief Erstaunen hervor: „Das Erste, was mir in Deutschland gesagt wurde, war, sich niemals einzumischen, sondern immer die Leitung informieren.“ Deswegen sei er schnell durch die Halle gerannt, um den Brand zu melden. Der Prozess wird bereits am Freitag mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

Bild ganz oben: Die ausgebrannte Messehalle während der Abbrucharbeiten

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