Politik

„Die SPD hat ihre jüdischen Wurzeln vergessen“

Düsseldorf. Ist der Aufruf der neuen SPD-Chefin Andrea Nahles zur Solidarität bei jüdischen Parteifreunden ins Leere gelaufen? Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde und SPD-Mitglied, jedenfalls gab Nahles eine wütende Antwort. Darin warf er der SPD-Spitze vor, „den rasant wachsenden Antisemitismus zu befeuern“. Eine Antwort der neuen SPD-Vorsitzenden bekam er nicht.

Michael Szentei-Heise (Bild: NRW.direkt)

Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf (JGD), ist seit seinem 16. Lebensjahr Mitglied der SPD. Bei der Bundestagswahl 2017 hat er die Sozialdemokraten jedoch zum ersten Mal nicht gewählt. „Die Partei ist für einen Juden unwählbar geworden“, begründete er seine Entscheidung in der örtlichen Presse. „Sie steuert auf einen klar antisemitischen Kurs zu, sie zeigt eine israelfeindliche Haltung.“ Als Beispiele dafür nannte er den ehemaligen Außenminister Sigmar Gabriel, der Israel als „Apartheid-Regime“ bezeichnet hatte, sowie Andrea Nahles, die „Gemeinsamkeiten“ der aus der PLO hervorgegangenen Fatah und der SPD beschworen hatte.

Als Andrea Nahles am 22. April mit 66 Prozent der abgegebenen Stimmen zur neuen SPD-Bundesvorsitzenden gewählt wurde, platzte Michael Szentei-Heise der Kragen. Nachdem die neue Parteivorsitzende unmittelbar nach ihrer Wahl an die Solidarität der SPD-Mitglieder appelliert hatte, schrieb Szentei-Heise ihr noch am gleichen Abend eine wütende E-Mail.

Wörtlich schrieb er: „Du hast einmal, es ist noch nicht lange her, gesagt, die SPD und die PLO hätten viel gemeinsam und müssten künftig noch mehr Gemeinsamkeiten finden und leben. Als jüdischer Bürger dieses Staates bin ich nicht bereit, Dir dabei zu helfen! Die Spitze der SPD, Dich eingeschlossen, hat völlig vergessen und verdrängt, dass die Sozialdemokratie auch jüdische Wurzeln sowie Väter und Mütter hatte. Gegen den rasant wachsenden Antisemitismus und Antiisraelismus in diesem Lande tut von der SPD-Spitze nur Heiko Maas etwas, Ihr Rest befeuert ihn nur! Das ist nicht die Situation, in der Du an meine Solidarität appellieren oder sie bei mir einfordern kannst. Wir bekommen sie von Dir auch nicht!“ Anfang der Woche sagte Michael Szentei-Heise unserer Redaktion, dass er von der neuen SPD-Chefin bislang keine Antwort auf seine E-Mail bekommen habe. (ph)

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