Köln Politik

DITIB eine Gefahr für die deutsche Gesellschaft?

Köln. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sieht den „staatlich gelenkten türkischen Islam“ als Gefahr für die deutsche Gesellschaft. Ob der Moschee-Dachverband DITIB vom Verfassungsschutz beobachtet werden soll, ist weiterhin ungeklärt.

Die Kölner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) sieht den Moschee-Dachverband DITIB als Gefahr für die deutsche Gesellschaft. „Das seit Jahren von vielen Gutwilligen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten angestrebte friedliche und solidarische Miteinander gerät sowohl durch radikale Minderheiten als auch durch den staatlich gelenkten türkischen Islam in Gefahr“, sagte der Kölner GCJZ-Vorsitzende Jürgen Wilhelm in der Montagausgabe des Kölner Stadt-Anzeiger.

Dies habe „der völlig inakzeptabel organisierte Besuch von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in Köln leider erneut unter Beweis gestellt. Es hätte ein großes Fest der Integration werden können, und das Gegenteil ist daraus geworden“, so Wilhelm. Der Kölner „Rat der Religionen“ sei wegen der „Unwilligkeit“ der DITIB mit deren Ausrichtung auf die Türkei „derzeit nicht in der Lage, zu einem friedlichen Miteinander der Religionsgemeinschaften und ihrer Mitglieder in Köln beizutragen“, sagte Wilhelm. Der SPD-Politiker ist auch Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland.

Über die Satzung an die türkische Religionsbehörde gebunden

Die Diyanet Isleri Türk Islam Birligi (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, abgekürzt DITIB) ist mit etwa 900 Moscheen und rund 800.000 Mitgliedern der größte Islam-Verband in Deutschland. Über ihre Satzung ist die DITIB an die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara angebunden. Aufgrund mehrerer Skandale geriet der Verband in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik. An der immer wieder von der deutschen Politik geforderten Loslösung von der Türkei zeigte die DITIB bislang keinerlei Interesse.

Ob die DITIB auch ein Fall für den Verfassungsschutz wird, ist jedoch weiterhin ungeklärt. Im September wurde bekannt, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz eine Beobachtung der DITIB-Zentrale in Köln prüfe. Nach der Eröffnung der DITIB-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld durch den türkischen Präsidenten Erdogan wurden erneut Forderungen nach einer Beobachtung der DITIB durch den Verfassungsschutz laut. Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) dämpfte diese Erwartungen jedoch wieder: Bei der DITIB sei noch nicht ausgemacht, ob überhaupt und in welcher Form eine Beobachtung stattfinden werde, sagte er letzte Woche in einem Interview. (ph)

Bild: DITIB-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld. Bildrechte: NRW.direkt

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