Politik

Dortmund im Ausnahmezustand

Dortmund. Ein rechtsextremer Aufmarsch und 14 Gegendemonstrationen sorgten dafür, dass die Innenstadt am Samstag einer Festung glich. Insgesamt 3.000 Polizisten waren im Einsatz. Vier davon wurden verletzt. JuLis und JU-Mitglieder, die gemeinsam gegen jede Form von Extremismus demonstrierten, wurden von linken Gegendemonstranten angepöbelt und beschimpft.

Unterstützt von einem Wasserwerfer werden Gegendemonstranten von Einsatzkräften beaufsichtigt (Bild: NRW.direkt)

Ein von Sprechchören wie „Lügenpresse, halt die Fresse“ und „Hier marschiert der nationale Widerstand“ begleiteter Aufmarsch der rechtsextremen Partei „Die Rechte“ sowie insgesamt 14 Gegendemonstrationen mit mehreren tausend Teilnehmern sorgten am Samstagnachmittag dafür, dass die Dortmunder Innenstadt einer Festung glich. Überall waren Polizeisperren zu sehen, vorsorglich waren an allen relevanten Punkten Wasserwerfer postiert und über der Stadt kreisten Hubschrauber der Bundespolizei.

Von Seiten der nationalen Sozialisten kam es zu mehreren Verstößen gegen polizeiliche Auflagen, darunter das Zeigen verfassungswidriger Kennzeichen, das Propagieren volksverhetzender Texte sowie das Mitführen von Vermummungsgegenständen und Waffen. Bei einer Versammlung namens „Blockado“ wurde Pyrotechnik eingesetzt und es kam zu Beleidigungen von Polizeibeamten sowie zu Widerstandshandlungen gegen die Einsatzkräfte. Auch wurden Polizisten aus dieser Versammlung heraus mit Flaschen und mit einem Stein beworfen. Am Abend berichtete die Bundespolizei von „körperlichen Auseinandersetzungen“ am Bahnhof Dortmund-Dorstfeld und in einem Regionalexpress im Bahnhof Witten.

„Das polizeiliche Ziel ist erreicht“

Arnold Plickert beobachtete das Geschehen vor Ort (Bild: NRW.direkt)

Arnold Plickert, scheidender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), verfolgte das Demonstrationsgeschehen als Beobachter vor Ort. „Dortmund hat heute einen Großeinsatz erlebt; wir hatten eine rechtsextremistische Kundgebung, die mit 1.000 Teilnehmern doch größer ausfiel als angemeldet und insgesamt 14 Gegendemonstrationen. Dabei waren 3.000 Kräfte im Einsatz, darunter auch Kollegen aus anderen Bundesländern, die uns unterstützt haben. Es gab mehrere Attacken auf Polizeisperren, bei denen vier Polizeivollzugsbeamte und ein Demonstrant verletzt wurden. Sieht man davon einmal ab, wurde das polizeiliche Ziel erreicht, womit wir zufrieden sein können“, lautete sein Fazit.

Wie bereits bei früheren Ereignissen dieser Art, verweigerte sich die Junge Union (JU) auch an diesem Samstag den zumeist linkspolitisch motivierten Gegendemonstrationen. Stattdessen bildete der CDU-Nachwuchs mit der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale (JuLis) das überparteiliche Bündnis „Demokraten gegen Extremismus“, das am Katherinentor in der Nähe des Hauptbahnhofs unter dem Motto „Jeder Extremist ist Mist“ Grundgesetze verteilte.

CDU- und FDP-Nachwuchs von Gegendemonstranten beschimpft

Sarah Beckhoff (5.v.l.) mit den „Demokraten gegen Extremismus“ bei deren Aktion vor dem Katherinentor (Bild: NRW.direkt)

Die meisten der vorbeikommenden Passanten reagierten darauf positiv. Während ihrer rund dreistündigen Aktion verteilten die „Demokraten gegen Extremismus“ rund 800 Grundgesetze. Von vorüberziehenden linksradikalen Gegendemonstranten wurde das überparteiliche Bündnis jedoch mehrfach beschimpft; unzählige Male wurde dem Nachwuchs von CDU und FDP der „Stinkefinger“ gezeigt.

Ein Gegendemonstrant nahm ein Grundgesetz entgegen, aber nur, um es demonstrativ auf den Boden zu schleudern. Ein anderer brüllte: „Wegen euch ersaufen die Leute im Mittelmeer! Ihr seid fast so schlimm wie die Nazis!“ Nachdem es vor dem Hauptbahnhof zu Rangeleien zwischen linken Gegendemonstranten und Polizisten gekommen war, bei denen auch eine Festnahme zu erkennen war, postierten sich mehrere Einsatzkräfte der Polizei vorsorglich hinter den „Demokraten gegen Extremismus“.

„Für mich ist die Bilanz trotzdem erfreulich; wir haben heute viele Grundgesetze verteilen können“, lautete das Fazit der JU-Kreisvorsitzenden Sarah Beckhoff. „Natürlich waren die meisten Gegendemonstranten, die bei uns vorbeigekommen sind, daran nicht interessiert. Die Reaktionen des Schwarzen Blocks auf uns waren schon aggressiver Art. Aber das bestätigt doch nur, wie wichtig es war, dass wir hier und heute ein Zeichen gesetzt haben.“ Im Netz aber gingen die Beschimpfungen des CDU- und FDP-Nachwuchses weiter: „Die Mitte gehört auch umgeboxt, gerne auch mit euren ausgeteilten Grundgesetzen. Seid froh, dass ihr weggekommen seid“, hieß es dort unter anderem.

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