Mönchengladbach Panorama

Droht noch mehr Judenhass?

Mönchengladbach. In den letzten Tagen ist die Angst der Jüdischen Gemeinde vor muslimischen Antisemitismus weiter gestiegen. Grund sind aggressiven Drohungen wegen der angekündigten Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. „Statt den USA und Israel in den Rücken zu fallen, sollte die Bundeskanzlerin lieber die Palästinenser nachdrücklich zum Verzicht auf Gewalt und Terror auffordern“, kritisiert WU-Pressesprecher Stefan Koch.

Kind mit Hamas-Flagge und Stirnband bei einer antiisraelischen Kundgebung 2014 in Bochum (Bild: NRW.direkt)

Nur einen Tag nachdem US-Präsident Donald Trump die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angekündigt und die israelische Hauptstadt damit auch offiziell anerkannt hat, kündigte die palästinensische Terror-Organisation Hamas eine neue Intifada gegen Israel an. Am Freitag müsse die „Intifada zur Befreiung Jerusalems“ beginnen, forderte Hamas-Chef Ismail Hanija am Donnerstag in Gaza.

Während der ersten Intifada von 1987 bis 1993 verloren etwa 200 Israelis ihr Leben. Bei der „Al-Aksa-Intifada“ von 2000 bis 2005 starben mehr als 1.000 Israelis bei Anschlägen von Palästinensern. „Jerusalem ist die Hauptstadt Palästinas und auch die Hauptstadt der Araber und Muslime“, sagte Achmad Bahar, ein führender Hamas-Vertreter, während der Freitagsgebete in Gaza.

Wiederholen sich die Ereignisse von 2014?

Bei ersten Unruhen in Jerusalem und den Palästinensergebieten soll es laut des Stern bereits einen Toten sowie mindestens 760 Verletzte gegeben haben. Auch wurden im Gaza-Streifen wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Eine Rakete hat am Freitagabend die südisraelische Stadt Sderot getroffen, teilte die israelische Armee mit. Angaben zu möglichen Opfern machte die Armee nicht. In 14 europäischen Hauptstädten organisierte die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) nach eigenen Angaben entsprechende Protestkundgebungen. Auch hatte die IGMG angekündigt, die Verlegung der Botschaft in den Freitagsgebeten anzusprechen.

Diese zeigten offenbar schnell Wirkung: In Berlin demonstrierten am Freitagabend rund 1.500 Menschen. Auf einem vom Jüdischen Forum (JFDA) im Internet veröffentlichten Video der Kundgebung sind palästinensische Fahnen sowie Hamas-Flaggen zu erkennen. Laut des JFDA wurde neben antiamerikanischen Parolen auch „Tod Israel“ sowie „Kindermörder Israel“ gerufen. Ein Polizeisprecher bestätigte dem Sender rbb24, dass zwei israelische Flaggen verbrannt wurden. Nach mehreren Festnahmen wurde die Versammlung aufgelöst. Daraufhin sei es zu „spontanen Protesten“ im Stadtteil Neukölln gekommen. In Nordrhein-Westfalen kam es zuletzt 2014 zu einer Welle von antisemitischen und antiisraelischen Hassdemonstrationen.

Angst vor Angriffen in der Dunkelheit

Damit ist die Angst der Mönchengladbacher Juden vor muslimischem Antisemitismus, die erst vor wenigen Wochen beim Gedenken an den 9. November 1938 thematisiert wurde, weiter gestiegen. „Es kann sein, dass die aggressiven Drohungen, verbunden mit dem Aufruf zu Angriffen auf Juden und jüdische Einrichtungen, auch in Mönchengladbach von Mohammedanern begrüßt und angenommen werden“, hieß es am Freitag in einer Erklärung der Jüdischen Gemeinde.

Der Mönchengladbacher Staatsschutz verwies darauf, dass es derzeit keine Hinweise auf eine konkrete Bedrohung gebe. Die Jüdische Gemeinde aber sprach in ihrer Erklärung über die Furcht ihrer mehrheitlich älteren Mitglieder, in der Dunkelheit auf dem Weg zur Synagoge, dem Heimweg oder im Umfeld des Gemeindehauses angegriffen zu werden. „Dass dieses 72 Jahre nach dem Ende der Shoah als einziges Gebäude in Mönchengladbach einem ständig bewachten Hochsicherheitstrakt gleicht, wird von der Mehrheitsgesellschaft als Normalität hingenommen.“ Am Ende ihrer Erklärung hieß es: „Wir würden uns über mehr Verständnis und Unterstützung freuen.“

„Selbstverständlich ist Jerusalem Israels Hauptstadt“

„Es ist bestürzend und beschämend, wenn sich Juden mehr als 72 Jahre nach Beendigung der Nazi-Diktatur wieder große Sorgen um ihre Sicherheit in Deutschland machen müssen. Der zunehmende Antisemitismus in unserem Land, nicht nur, aber im steigenden Ausmaß durch Muslime, ist vollkommen inakzeptabel und muss auf das Schärfste durch Staat und Gesellschaft bekämpft werden. Dies gilt auch für den häufig als ‚Israel-Kritik‘ getarnten Antisemitismus. Hier ist insbesondere auch die Politik aufgefordert, klar Stellung zu beziehen“, sagte Stefan Koch, Pressesprecher der WerteUnion, unserer Redaktion. Bei der WerteUnion (WU) handelt es sich um einen bundesweiten Zusammenschluss von CDU-Mitgliedern gegründeter konservativer Gruppen.

„Das Existenzrecht Israels und die Unterstützung des jüdischen Staates war von Anfang an Staatsräson in der Bundesrepublik Deutschland. Es war Konrad Adenauer, der als Bundeskanzler die Versöhnung und die Freundschaft zwischen den beiden Staaten gemeinsam mit David Ben-Gurion begründete“, erinnerte Stefan Koch. „Als Christdemokrat bin ich daher bestürzt über die Stellungnahme der Bundeskanzlerin nach der Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch Donald Trump. Jerusalem ist selbstverständlich die Hauptstadt Israels und die Entscheidung des US-Präsidenten ist daher absolut richtig.“

„Statt den USA und Israel in den Rücken zu fallen, sollte die Bundeskanzlerin lieber die Palästinenser nachdrücklich zum Verzicht auf Gewalt und Terror auffordern sowie die indirekte Finanzierung der Hamas durch deutsche Steuergelder einstellen“, kritisierte Stefan Koch. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstag gesagt, die Bundesregierung sei mit Trumps Entscheidung „nicht einverstanden“.

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