Wirtschaft und Verkehr

Droht Übernahme durch Lufthansa?

Düsseldorf. Bei der krisengeschüttelten Fluglinie Air Berlin jagte in dieser Woche eine Meldung die nächste. Zuletzt war wieder eine Übernahme durch die Lufthansa im Gespräch. Damit könnte der Flughafen seine erst durch Air Berlin erlangte Drehkreuz-Funktion wieder verlieren.

In der vergangenen Woche musste Air Berlin für 2016 einen Rekordverlust in Höhe von 782 Millionen Euro vermelden. Mittwoch dieser Woche dieser Woche wurde bekannt, dass die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft faktisch nur noch durch die Finanzspritzen seines arabischen Großaktionärs Etihad Airways in der Luft gehalten wird. Etihad habe Air Berlin bis Ende 2018 seine Unterstützung zugesagt, hieß es. Nur einen Tag später berichtete die Wirtschaftwoche, Air Berlin habe auf der Suche nach einem neuen Partner Kontakt zur US-amerikanischen Fluglinie Delta Air Lines sowie zu einer chinesischen Fluggesellschaft aufgenommen.

Der eigentliche Knall aber kam am Freitag; fast alle großen Medien berichteten darüber, dass Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Rande der Lufthansa-Hauptversammlung in Hamburg Interesse an einer Übernahme von Air Berlin angemeldet hatte. Allerdings sollte Air Berlin zuerst von Etihad entschuldet werden. Deren verbliebene 75 Flugzeuge könnten dann in die Flotte der Lufthansa-Billigflugtochter Eurowings eingegliedert werden, so die Gedankenspiele aus Hamburg.

Derzeit hat Air Berlin 1,2 Milliarden Euro Schulden. Nachdem 38 Flugzeuge von Air Berlin an Eurowings verleast wurden, ist die Flotte auf 75 Maschinen geschrumpft. Spohr gehörte offenbar zu den Begleitern von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei deren Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) am letzten Wochenende. Etihad gehört der Herrscherfamilie der VAE.

Was würde das für Düsseldorf bedeuten?

Weniger erfreulich wäre eine Übernahme durch die Lufthansa jedoch für die Kunden: Faktisch hätte die Lufthansa-Gruppe dann ein Monopol im innerdeutschen Luftverkehr. Und auch für den Luftverkehrsstandort Düsseldorf wäre eine solche Übernahme ein Rückschritt: Derzeit beschäftigt Air Berlin am Standort Düsseldorf rund 2.300 Mitarbeiter. Im Rahmen ihrer Neustrukturierung baut die Airline Düsseldorf seit letztem Jahr zu einem Drehkreuz aus, insbesondere das Angebot an USA-Flügen wurde stark erweitert.

Die Lufthansa hingegen hat sich in den letzten Jahren nur noch auf Frankfurt sowie München konzentriert und Düsseldorf fast völlig ihren Billigflug-Töchtern Eurowings und Germanwings überlassen. Spohrs Andeutung, die verbliebenen 75 Air Berlin-Flugzeuge könnten in die Eurowings-Flotte eingegliedert werden, lässt befürchten, dass Düsseldorf seine neue Bedeutung als Drehkreuz damit wieder verlieren würde.

Bild: NRW.direkt

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