Düsseldorf Wirtschaft und Verkehr

Düsseldorf hofft auf Ryanair

Düsseldorf. Vor Jahren rümpfte man in der Landeshauptstadt über Ryanair noch die Nase. Wie stark sich die Haltung zu dem irischen Billigflieger aber vor dem Hintergrund des Fast-Monopols der Lufthansa-Konzernairlines auf innerdeutschen Strecken verändert hat, zeigen Zeitungsmeldungen vom Donnerstag.

Viele Jahre lang war die Welt für Fluggäste in Düsseldorf völlig in Ordnung: Im internationalen Lufthansa-Streckennetz war der heimische Flughafen der drittgrößte Airport nach Frankfurt und München. Der Konkurrent Air Berlin baute Düsseldorf derweil zum Drehkreuz aus. Beides zusammen sorgte auch für Wettbewerb, etwa auf der „Rennstrecke“ nach München, auf der sich Lufthansa und Air Berlin zum Wohle des Kunden harte Konkurrenz lieferten. Hinzu kamen attraktive Angebote namhafter internationaler Airlines.

Damit war auch das Selbstverständnis des Düsseldorfer Flughafen immer höchst intakt: Im Gegensatz zum Konkurrenten in Köln/Bonn, der seine Terminals seit Jahren nur noch mit Billigfliegern füllen kann, verstand sich der Flughafen der Landeshauptstadt stets als für Geschäftskunden attraktiver Premium-Airport. Womit auch klar war, dass die meisten Düsseldorfer über Ryanair allenfalls die Nase rümpften: „Die sollen ab Weeze fliegen, hier brauchen wir so was nicht“, lautete die fast einhellige Meinung zu dem irischen Billigflieger.

Vom Premium-Airport zur Eurowings-Basis

In den letzten Jahren aber hat sich die Situation dramatisch verändert: Mit Ausnahme der Zubringerflüge zu ihren Hubs in Frankfurt und München hat sich die Lufthansa inzwischen komplett aus Düsseldorf zurückgezogen. Überlassen wurde dieser Markt stattdessen der konzerneigenen Low-Cost-Airline Eurowings, deren in grellen Farben bemalten Flugzeuge heute das Erscheinungsbild in Düsseldorf dominieren.

Noch schlimmer kam es für den Flughafen mit der Pleite von Air Berlin: Die einseitige Unterstützung der Bundesregierung für den Lufthansa-Konzern bei der Abwicklung der insolventen Airline führte dazu, dass der bei innerdeutschen Flügen jetzt einen Marktanteil von fast 87 Prozent hat. Wettbewerb existiert in diesem Segment nur noch bei Flügen von Düsseldorf nach Berlin, bei denen die Fluggäste zwischen EasyJet und Eurowings wählen dürfen. Alle anderen wichtigen innerdeutschen Strecken ab Düsseldorf sind in der alleinigen Hand der Lufthansa-Konzernairlines. Und wenn der Kunde deren Preise nicht zahlen will, bleibt nur noch die Bahn.

Wieder Wettbewerb zwischen Düsseldorf und München?

Mit einem Artikel unter der Überschrift „Ryanair fordert Eurowings heraus“ nährte die Rheinische Post am Mittwoch die Hoffnung, dies könne schon bald anders werden. „Wir wollen in Deutschland weiterhin schnell wachsen. Düsseldorf ist da ein für uns besonders interessanter Markt“, zitierte die Zeitung Ryanair-Marketingvorstand Kenny Jacobs. „Auf Dauer kann ich mir dann gut vorstellen, auch innerdeutsche Ziele wie insbesondere München ab Düsseldorf anzufliegen.“ Nur Stunden später nahm das Fachmagazin airliners.de diese Worte gar zum Anlass, „Ryanair will ab Düsseldorf innerdeutsch fliegen“ zu titeln.

Tatsächlich aber sind solche Überlegungen lediglich ein lautes Nachdenken. Als konkrete Ankündigung können Aussagen, die mit den Worten „auf Dauer“ beginnen, kaum verstanden werden. Dass es eine solch vage Aussage aber sofort in die Schlagzeilen schafft, zeigt deutlich, wie sehr sich in Düsseldorf die Einstellung gegenüber den Iren verändert hat: Rümpfte man noch vor Jahren über den Billigflieger die Nase, wird jetzt darauf gehofft, dieser möge sein Angebot in der Landeshauptstadt möglichst schnell weiter ausbauen.

Bild: B-737-800 von Ryanair in Düsseldorf. Bildrechte: NRW.direkt

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