Düsseldorf Politik

Düsseldorf will Cannabis legalisieren

Düsseldorf. Die rot-grün-gelb regierte Landeshauptstadt will den Cannabis-Konsum legalisieren. Obwohl die Chancen darauf schlecht sind, soll eine Million Euro für eine entsprechende Studie ausgegeben werden. Nächste Woche soll darüber diskutiert werden, wie Düsseldorf zur Nichtraucher-Stadt werden kann. Das sei eine „verkehrte Welt“, meint CDU-Ratsherr Andreas-Paul Stieber.

Im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses sind junge Menschen, die sich für lila als Haarfarbe entschieden haben und deren Nasen mit modischem Metallschmuck verziert sind, eigentlich ein eher seltener Anblick. Am Mittwoch aber war das anders; eine Fachtagung zur Legalisierung des Cannabis-Konsums fand ein entsprechend interessiertes Publikum. Hintergrund der Tagung waren die Pläne im rot-grün-gelb regierten Rathaus, den Konsum dieser Droge zu legalisieren.

Die Chancen auf legales Kiffen in einer einzelnen Stadt sind nur gering; der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg scheiterte 2015 mit dem Versuch, den Verkauf und Konsum rund um den Görlitzer Park zu legalisieren. Der Bezirk konnte nicht belegen, dass niemand durch eine solche Maßnahme abhängig wird. Düsseldorf aber will das jetzt mit einer wissenschaftlichen Studie belegen. Dafür sollen 500 Probanden zwei Jahre lang beobachtet werden. Die Hälfte davon konsumiert Cannabis legal, die andere Hälfte nicht. Am Ende werden die Unterschiede der beiden Gruppen ausgewertet. Die Kosten dieser Studie werden auf rund eine Million Euro beziffert.

„Das ist genauso gesellschaftsfähig wie ein Gläschen Sekt“

Olaf Lehne, CDU-Ratsherr und Vorsitzender im Gesundheitsausschuss, reagierte fassungslos: „Mir fehlt das Verständnis dafür.“ Lehne verwies auf die schlechte Finanzlage der Stadt und sprach sich klar dagegen aus, nach Alkohol und Nikotin noch eine weitere Droge zu legalisieren. Damit stand er während der Podiumsdiskussion, mit der die Fachtagung am frühen Nachmittag beendet wurde, jedoch allein auf weiter Flur.

FDP-Ratsherr Rainer Matheisen plädierte dafür, sich mit Köln und Münster zusammenzutun, um eine entsprechende „Vorreiterrolle“ bei der Legalisierung von Cannabis zu übernehmen. Angelika Kraft-Dlangamandla, Ratsfrau der Partei „Die Linke“, sprach sich dafür aus, die Million an anderen Stellen des Haushalts einzusparen. Die Menschen, die durch das Verbot von Cannabis „kriminalisiert“ werden, hätten darauf ein „Anrecht“, so Kraft-Dlangamandla: „Das sind Tausende, die von Kriminalität betroffen sind.“ Die Ratsfrau betonte mehrfach, dass Cannabis gesellschaftsfähig sei: „Das ist genauso gesellschaftsfähig wie ein Gläschen Sekt.“ Horst Dietrich Elvers vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin sprach mehrfach davon, dass dabei „der Weg das Ziel“ sei.

Dem überwiegenden Teil des Publikums gefiel diese Sicht der Dinge; Warnungen von Medizinern, dass der übermäßige Konsum von Cannabis zu Psychosen, schweren Persönlichkeitsstörungen und bei jungen Menschen unter 25 sogar zu Gehirnschäden führen kann, wurden schnell wieder zur Seite geschoben. So erwiderte eine Frau, Menschen könnten auch psychotisch werden, wenn sie in einer Großstadt leben. Als ein Mann kritisierte, dass „die Drogen-Dealer verkaufen können und nichts dagegen getan wird“, hatte das laute Buh-Rufe zu Folge. Die rhetorische Frage eines anderen Mannes, „warum wir auf Drogen verzichten sollen“, hingegen hatte starken Beifall zur Folge.

„Völlig verantwortungslos“

Am Nein der CDU-Ratsfraktion zur geplanten Cannabis-Freigabe änderte die Fachtagung aber nichts: „Als CDU stehen wir für ein suchtfreies Leben. Wir sind gegen die Abgabe von Cannabis als Genussmittel“, sagte Olaf Lehne nach der Tagung. Eine Legalisierung, wie sie SPD, Grüne und FDP anstreben, mache den Weg frei zu unkontrolliertem Drogenkonsum. „Düsseldorf wird dadurch Anziehungspunkt für den Drogentourismus. Die Konsumenten der Region erledigen demnächst ihre Marihuana- und Haschischeinkäufe nicht mehr in den Niederlanden, sondern bequem in Düsseldorf.“ Lehne erinnerte daran, dass Cannabis eine klassische Einstiegsdroge für Jugendliche sei: „Fast jeder, der später Kokain oder Ähnliches konsumiert, hat mit Kiffen angefangen.“ Eine Reduzierung der Hemmschwelle für Drogenkonsum sei „völlig verantwortungslos“.

Die nächste Diskussion über die geplante Cannabis-Legalisierung soll im Frühjahr im Gesundheitsausschuss stattfinden. Dort könnte auch über die Studie entschieden werden. In der nächsten Woche findet erst einmal eine Gesundheitskonferenz statt, in der auch die Erstellung einer „Road Map Nichtrauchen“ auf der Tagesordnung steht. Düsseldorf will nämlich nicht nur das Kiffen legalisieren, sondern auch Nichtraucher-Stadt werden. Mit diesem Widerspruch ist die CDU ebenfalls nicht einverstanden: „Die Weltverbesserer von SPD, Grünen und FDP können nicht stadtweit das Zigarettenrauchen bekämpfen und zugleich das Haschpfeifchen erlauben. Das ist verkehrte Welt“, sagte deren Ratsherr Andreas-Paul Stieber.

Bild v.l.n.r.: Olaf Lehne, Rainer Matheisen, Angela Hebeler (Grüne), Rajiv Strauß (SPD), Angelika Kraft-Dlangamandla, Horst Dietrich Elvers und Moderatorin Doro Blome-Müller. Bildrechte: NRW.direkt

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