Düsseldorf Politik

Düsseldorfer besuchen ihre Abgeordnete in Berlin

Düsseldorf. In dieser Woche bekam die Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel in Berlin Besuch aus ihrem Wahlkreis. Trotz der Besuchergruppe fand Pantel noch Zeit, bei der Vorstellung von Birgit Kelles neuem Buch „Muttertier“ eine Laudatio auf die Autorin zu halten. Nach dem Besuch des ehemaligen DDR-Gefängnis Hohenschönhausen erinnerte die Abgeordnete daran, wie wichtig das Engagement dafür ist, dass auch Andersdenkende ihre Meinung frei äußern können.

Das Reichstagsgebäude in Berlin (Bilder: NRW.direkt)

„Es ist schön, dass Sie sich für eine politische Bildungsreise interessieren.“ Mit diesen Worten empfing die im Düsseldorfer Süden direkt gewählte Abgeordnete Sylvia Pantel (CDU) am Montag im Bundestag eine Besuchergruppe aus ihrem Wahlkreis. Dabei schilderte Pantel, wie sie den Weg in die Politik und in das höchste deutsche Parlament gefunden hatte. Lange Zeit seien sie und ihr Mann wegen des Hausbaus und der Erziehung ihrer fünf Kinder gar nicht dazu gekommen, sich für Politik zu interessieren. „Wenn mir vor zwanzig Jahren jemand gesagt hätte, ich käme in den deutschen Bundestag, hätte ich gesagt: ‚Ja, ja, träum weiter'“, erzählte sie. Dann aber fand die engagierte Bildungs- und Familienpolitikerin über den Schulausschuss sowie den Stadtrat in Düsseldorf den Weg bis in den Bundestag.

Den 46 Besuchern aus Düsseldorf wurde in Berlin ein abwechslungsreiches Programm geboten. Zwischen einer Stadtrundfahrt und dem Besuch im Bundestag wurden sie am Montag auch durch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand geführt. Die an der Berliner Stauffenbergstraße im Ostflügel des Bendler-Blocks untergebrachte Gedenkstätte dient als Bildungsstätte zur Erinnerung an den gesamten deutschen Widerstand gegen den nationalen Sozialismus.

Laudatio auf die Publizistin Birgit Kelle

Von links: Birgit Kelle, Stefan Friedrich und Sylvia Pantel bei der Diskussion mit dem Publikum (Bilder: NRW.direkt)

Während die Besuchergruppe den ersten Tag nach dem Abendessen gemütlich ausklingen lassen konnte, eilte Sylvia Pantel bereits weiter zum Paulaner im Spreebogen. Dort stellte die Publizistin Birgit Kelle am Montagabend ihr neues Buch „Muttertier“ vor. Dazu eingeladen hatten die Christdemokraten für das Leben (CdL), die von ihrem Berliner Landesvorsitzenden Stefan Friedrich vertreten wurden. Nachdem Friedrich die etwas mehr als 50 Besucher begrüßt hatte, hielt Sylvia Pantel eine Laudatio auf Birgit Kelle. „Düsseldorf ist kein einfaches Pflaster für Konservative“, sagte sie in ihrer kurzen Ansprache. „Es wäre schön, wenn man uns die Toleranz zugestehen würde, die man für andere immer einfordert.“ Zu Kelles neuem Buch hatte sie eine klare Haltung: „Kaufen und wirklich lesen.“

In einer rund einstündigen Rede sagte Birgit Kelle, ihr neues Buch sei „das persönlichste“, das sie jemals geschrieben habe. „Die Mutterschaft ist das letzte ungelöste Problem des Feminismus. Die Feministinnen können nicht ändern, dass Frauen Kinder kriegen und nicht Männer.“ Zugleich warnte Kelle vor deren nächsten Schritten: „Die nächste Stufe, die gezündet wird, ist die der Leihmutterschaft.“

Bei der anschließenden Diskussion waren sich Pantel und Kelle einig, dass der Staat „Mütter stützen und nicht nur Unterstützungssysteme schaffen“ sollte. Als eine Besucherin über die „ideologische Gender-Politik“ schimpfte, lächelte Sylvia Pantel, sagte aber nichts dazu. Später sagte sie: „Bei uns im Familienausschuss bin ich der Dinosaurier, der das alles konservativ und blöd sieht.“ Aufgrund vieler angeregter Diskussionen und einiger Interviews endete Pantels Arbeitstag erst weit nach 23 Uhr.

Hohenschönhausen als Mahnung für Meinungsfreiheit

Dennoch ließ sie es sich nicht nehmen, ihre Besucher bereits am frühen Dienstagmorgen im Hotel zum Frühstück zu begrüßen. Danach ging es ins Familienministerium, später wurden die Düsseldorfer durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen geführt. In der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der DDR-Staatssicherheit wurden vor allem politische Gefangene inhaftiert und physisch sowie psychisch gefoltert. Heute dient das ehemalige Gefängnis als Erinnerungsort für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft in Deutschland.

Nach dem Besuch in Hohenschönhausen erinnerte die Düsseldorfer Abgeordnete daran, dass für Westdeutsche selbstverständliche Bürgerrechte für die DDR-Bürger bis 1989 nicht galten. „Hohenschönhausen ist ein Ort, der einem den Unrechtsstaat DDR vor Augen führt: Ein Überwachungsstaat mit Folter und Willkür, mitten in Berlin, sehr gut getarnt. Dieses Gefängnis eines sozialistischen Regimes zeigt, wie mit andersdenkenden Menschen umgegangen wurde“, sagte Sylvia Pantel. „Dieses Beispiel ist mir immer wieder ein Ansporn, mich für unsere Demokratie einzusetzen. Auch wenn mir die Meinung des anderen nicht gefällt, so ist es gut, richtig und wichtig, dass er sie äußern darf.“

Nach den bedrückenden Eindrücken in Hohenschönhausen musste die Bundestagsabgeordnete wegen anderer Termine wieder zurück nach Düsseldorf. Ihre Besucher aber konnten noch einen Tag länger bleiben und mit einer Schifffahrt auf der Spree Berlin vom Wasser aus erleben. Als sie am Mittwoch wieder in Düsseldorf eintrafen, zeigten sie sich zufrieden und lobten die Organisatorin der Reise. „Ich fand die Reise interessant und informativ“, sagte eine Teilnehmerin. „Auch die Atmosphäre und die Stimmung waren gut, man konnte interessante und nette Leute kennenlernen und sich mit ihnen austauschen.“

Bild ganz oben: Sylvia Pantel inmitten der Besuchergruppe vor der Kuppel des Reichstagsgebäudes. Alle anderen Bilder können durch Anklicken vergrößert werden.

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