Mönchengladbach Wirtschaft und Verkehr

Düsseldorfer Millionen zu verlockend?

Mönchengladbach. Offenbar sieht der Flughafen seine Zukunft im Bereich der Businessflieger. Das würde aber auch bedeuten, dass die aus Düsseldorf diktierte und mit fast 18 Millionen Euro versüßte Bedingung, keine Linienflüge mehr durchzuführen, bereits akzeptiert wurde. Verlierer wären all jene Fluggäste vom Niederrhein, die sich keinen eigenen Jet leisten können.

Wie bereits berichtet, will der Flughafen Düsseldorf seinen Anteil an dem in Mönchengladbach von derzeit 70 auf 20 Prozent reduzieren. Dabei sollen dem Flughafen Mönchengladbach 7,5 Millionen überwiesen werden, außerdem will der Flughafen Düsseldorf auf die Rückzahlung eines Gesellschafterkredits in Höhe von zehn Millionen Euro verzichten. Damit wäre der Flughafen in Mönchengladbach schuldenfrei und wieder in der Hand der eigenen Stadt. Der Stadtrat muss dem jedoch noch zustimmen.

Eine der Bedingungen dafür ist jedoch, dass der Flughafen in Düsseldorf jedes Mal zustimmen muss, wenn der in Mönchengladbach Linien- oder Charterflüge anbieten will. Außerdem habe sich der Flughafen Düsseldorf das Recht gesichert, „dass sein Flugverkehr immer Priorität vor Gladbacher Fliegern hat“, hieß es Anfang März, als die Pläne bekannt wurden. Damit wäre der Flughafen Mönchengladbach in seinen weiteren Entwicklungsmöglichkeiten massiv eingeschränkt.

Am Samstag berichtete die Rheinische Post, dass Flughafen-Chef Franz-Josef Kames mit zusätzlicher Stellfläche und verlängerter Landebahn mehr Business-Flugverkehr nach Mönchengladbach locken will. „Wir würden gerne das Geschäftsfeld der Businessflieger ausbauen“, wurde Kames zitiert. „Dieser Bereich bietet enormes Potential. Da steckt noch viel Geld drin.“ Damit sind jedoch keine Linienflüge gemeint, sondern Business-Charter- sowie Taxi-Flüge. Einen Wettbewerbsvorteil sieht Franz-Josef Kames darin, dass der Flughafen, der derzeit über eine 1.440 Meter lange Bahn verfügt, bereits jetzt ein Instrumentenlandesystem anbieten kann.

Gut für VIPs, schlecht für die Masse der Fluggäste?

Ob es tatsächlich realistisch ist, die Zahl der Landungen in Mönchengladbach mit einem solchen Ansatz von derzeit rund 40.000 auf 60.000 im Jahr zu steigern, wurde bislang nicht diskutiert. Die Schwachstelle eines solchen Ansatzes dürfte in dessen Annahme liegen, dass VIPs, die mit eigenen oder gecharterten Jets bislang die Flughäfen in Düsseldorf, Köln oder Essen/Mülheim angesteuert haben, dann zukünftig in Mönchengladbach würden landen wollen.

Die eigentliche Bedeutung des nunmehr kommunizierten neuen Konzepts dürfte jedoch darin bestehen, dass die Verlockung, das „millionenschwere Geschenk aus Düsseldorf“ anzunehmen, offenbar so groß ist, dass die damit verbundenen Bedingungen trotz der noch ausstehenden Entscheidung des Stadtrats bereits akzeptiert wurden. Verlierer einer solchen Entwicklung wären die Fluggäste vom Niederrhein, die sich keinen eigenen Jet leisten können – die sind nämlich seit 2003 selbst bei Inlandsflügen auf den inzwischen überlasteten Flughafen in Düsseldorf angewiesen.

Bild: Flughafen Mönchengladbach. Bildrechte: NRW.direkt

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