Duisburg Nachrichten

Duisburger Polizist suspendiert

Duisburg. Gegen einen der im Stadtteil Bruckhausen beteiligten Polizisten ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Bei dem Einsatz kam es zu einer Zusammenrottung von 250 Menschen und zu Angriffen auf Polizisten. Auslöser der Aggressionen war das Vorgehen einer Polizeistreife gegen einen Falschparker. Nachdem OB Sören Link (SPD) Tumulte bei Polizeieinsätzen als „asozial“ bezeichnet hatte, forderte die türkische Gemeinde eine öffentliche Entschuldigung.

Wie die Duisburger Staatsanwaltschaft am Dienstag mitgeteilt hat, habe sich nach vorläufiger Auswertung der vorhandenen Videoaufnahmen, insbesondere der Aufnahmen einer Überwachungskamera aus einem Hausflur, ein Anfangsverdacht gegen einen an dem Einsatz beteiligten Polizeibeamten ergeben. Gegen ihn werde jetzt wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung im Amt ermittelt. Die ermittelnde Kriminalpolizei wird nun in Anwesenheit des zuständigen Staatsanwalts zeitnah Zeugen und drei zum Zeitpunkt des Einsatzes in dem Hausflur anwesende Polizisten vernehmen. Die WAZ berichtete unter Berufung auf die Polizei, dass der betreffende Polizist inzwischen vom Dienst suspendiert sei. Die Ermittlungen gegen weitere Beteilige an, die bei dem Polizeieinsatz Widerstand geleistet haben sollen, werden gleichzeitig weitergeführt.

Wie mehrfach berichtet, war am 25. Juni ein Polizeieinsatz auf der Reinerstraße in Duisburg-Bruckhausen eskaliert. Der Einsatz begann damit, dass sich eine Polizeistreife um ein falsch geparktes Auto kümmern wollte. Er endete damit, dass bis zu 250 Menschen aus der überwiegend türkisch bewohnten Nachbarschaft auf der Straße waren und die Polizisten massiv bedrängten. Laut Polizei kam es dabei auch zu Angriffen auf die Einsatzkräfte. Erst durch einen Großeinsatz mit 50 Polizisten konnte die Lage wieder beruhigt werden. In den darauffolgenden Tagen warfen mehrere Anwohner der Polizei über die Presse Brutalität vor. Auch wurde bestritten, dass 250 Personen auf der Straße waren. Die Duisburger Polizei blieb jedoch bei dieser Darstellung.

„Sie hören ja überhaupt nicht auf die Polizei“

Die Internet-Nutzer Murat K. und Fatih Z. brachten zwei Videos des Einsatzes in Umlauf. Laut eigener Darstellung ist Murat K. der Sohn des beschuldigten Falschparkers. Auf seinem Video ist zu sehen, wie ein Mann seinen Ausweis im Vorbeigehen auf die Motorhaube des Polizei-Autos legt, während er mit der anderen Hand eine Wasserpumpe in Richtung eines Hauses schiebt. Es ist deutlich zu hören, wie der Polizist den Mann auffordert, stehen zu bleiben: „Bleiben Sie mal hier.“ Der Mann dreht kurz seinen Kopf und murmelt etwas Unverständliches, woraufhin der Polizist sagt: „Sie hören ja überhaupt nicht auf die Polizei.“

Als der Polizist den Mann von der Haustür wegzuziehen versucht, widersetzt sich dieser und ein anderer Mann kommt ihm zu Hilfe. Dann nimmt der Polizist den Mann in den Schwitzkasten, im Hintergrund sind Schreie von Frauen zu hören. Daraufhin kommt es zu einem Handgemenge, in deren Verlauf sich der Polizist offenbar mit Pfefferspray verteidigt. Der weitere Verlauf der Ereignisse aber kann dem knapp zweiminütigen Video nicht entnommen werden. Auf dem von Fatih Z. in Umlauf gebrachten Video, bei dem es sich offenbar um das aus dem Hausflur handelt, ist zu erkennen, wie ein Mann von mehreren Polizisten im Inneren des Hauses zu Boden gebracht und fixiert wird. Dabei sieht es so aus, als trete einer der Polizisten dem Mann am Boden gegen den Kopf.

„Diese Beleidigung nehmen wir nicht hin“

Am Tag nach der Eskalation in Bruckhausen hatte der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link (SPD) Tumulte bei Polizei- oder Feuerwehreinsätzen als „asozial“ bezeichnet. „Asozial bleibt asozial, egal aus welchem Land jemand stammt“, sagte Link in der WAZ. Die Vorwürfe gegen die Polizei waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Die türkische Gemeinde forderte daraufhin von Link eine öffentliche Entschuldigung. „Diese Beleidigung des Oberbürgermeisters nehmen wir nicht hin. Sie führt dazu, dass ein rechtsruckartiger Beigeschmack im Raum stehen bleibt“, hieß es auf einer Pressekonferenz in Bruckhausen, auf der laut der WAZ auch die Darstellung der Vorgänge in den Medien kritisiert wurde.

Der Oberbürgermeister blieb jedoch bei seiner Aussage. Die großen Medien aber reagierten anders: Dort ist jetzt unter anderem von einem „wütenden Mob von 250 Menschen“ die Rede, dessen Herkunft wird seit der Forderung der türkischen Gemeinde jedoch nicht mehr erwähnt. (ph)

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