Essen Mülheim an der Ruhr Wirtschaft und Verkehr

Mit dem Oldtimer über das Rheinland

Essen/Mülheim. Auch in diesem Jahr bietet TFC Rundflüge mit einer 68 Jahre alten de Havilland „Dove“ an. Das Flugzeug ist das letzte dieses Typs, das noch gebucht werden kann. Und der Rundflug über das Rheinland ist voller begeisternder Höhepunkte.

Igor Mossyrsch im Cockpit der DH-104 (Bilder: NRW.direkt)

Flughafen Essen/Mülheim an einem frühlingshaften Sonntag im April: Eine Handvoll Fluggäste, die einen Rundflug über das Ruhrgebiet und das Rheinland gebucht haben, wartet auf dem Vorfeld vor einer de Havilland DH-104. Zwei Passagiere fehlen noch.

Während auf die beiden gewartet wird, erzählt Igor Mossyrsch, einer der beiden Piloten, die bewegte Geschichte des 1949 gebauten Flugzeugs: Nach dem Zweiten Weltkrieg war die DH-104 „Dove“ ein Verkaufsschlager der britischen Luftfahrtindustrie. Auch die britische Queen hatte zwei Maschinen dieses Typs in ihrem Flugzeugpark. 1957 kaufte die Düsseldorfer Charterfluggesellschaft LTU eine DH-104 in Belgien. Sie wurde auf den Namen „Augsburg“ getauft und flog mit der Kennung D-INKA hauptsächlich im Auftrag des Shell-Konzerns. 1958 wurde sie wieder nach Belgien verkauft.

In einem holländischen Schuppen gefunden

Die Kabine der DH-104 (Bilder: NRW.direkt)

2004, ein Jahr vor dem 50-jährigen Firmenjubiläum, entdeckte der ehemalige LTU-Kapitän Ingo Presser in einem Schuppen in den Niederlanden eine DH-104. Ob es sich dabei tatsächlich um das ehemalige LTU-Flugzeug gehandelt hat, ließ sich nicht mehr nachvollziehen. Wirklich wichtig war das aber nicht; zusammen mit flugbegeisterten Kollegen ließ Presser das Flugzeug aufwendig restaurieren. Die DH-104 bekam die gleiche Lackierung wie der damalige LTU-Flieger und wurde wieder unter der Kennung D-INKA zugelassen. 2005 präsentierte die LTU das den aktuellen Sicherheitsstandards angepasste Flugzeug stolz der Öffentlichkeit.

Aber nur wenig später geriet die LTU in finanzielle Turbulenzen und wurde von Air Berlin übernommen. Damit zerschlugen sich die Pläne einer LTU-„Classic Line“. Air Berlin hatte kein Interesse an dem aufwendig restaurierten Flugzeug, womit dessen Zukunft erneut ungewiss war. Dann aber fand sich mit der Flugschule TFC, die am Flughafen Essen/Mülheim Piloten unter anderem für Air Berlin und Condor ausbildet, ein neuer Betreiber. Unter dem Motto „TFC Airlebnis“ bietet das Unternehmen jedes Jahr vom Frühjahr bis zum Herbst mit der DH-104 Rundflüge über das Ruhrgebiet und das Rheinland sowie Flüge auf verschiedene Nordsee-Inseln an.

Letzte DH-104 im gewerblichen Einsatz

Die DH-104 umrundet den Kölner Dom (Bilder: NRW.direkt)

Inzwischen sind von ursprünglich 542 gebauten DH-104 nur noch rund ein halbes Dutzend flugfähig. Und von diesem halben Dutzend ist die D-INKA das letzte Flugzeug, das noch im gewerblichen Einsatz ist und für Flüge gebucht werden kann. Aufwendige Erneuerungen haben dafür gesorgt, dass der noch weitergehen kann: „Sie läuft wie eine Nähmaschine“, sagt Igor Mossyrsch. Lediglich ausbleibende Ersatzteile könnten das eines Tages in Frage stellen. „Das wäre dann ein längerfristiges Problem“, sorgt sich der Pilot. Aber noch gibt es genug Flugzeuge dieses Typs auf der Welt, denen Ersatzteile entnommen werden können.

Inzwischen sind alle Fluggäste vollständig und dürfen in die „Dove“ einsteigen, was nur gebückt möglich ist. Auf der linken Seite der engen Kabine warten vier Einzelsitze, rechts fünf. Gutgelaunt fordert Mossyrsch die Passagiere auf: „Sie können auch während des Fluges nach vorne kommen, aber bitte nicht alle auf einmal.“ Nötig ist es nicht; da es keine Cockpittür gibt, können die Fluggäste den Piloten ohnehin über die Schulter gucken. Der Rollweg in Essen/Mülheim ist nur kurz, endlich ist das Flugzeug in der Luft und überfliegt nach dem Start schnell den Baldeney-See. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 255 Kilometern pro Stunde geht es auf Südkurs in Richtung Köln. Die maximale Flughöhe der DH-104 beträgt 6.620 Meter, die Rundflüge aber finden in rund 800 Metern Höhe statt.

In 300 Metern Höhe um den Dom herum

Der Tower des Kölner Flughafens kommt immer näher (Bilder: NRW.direkt)

Über Köln angekommen, erwartet die Fluggäste der erste Höhepunkt des Rundflugs: Die Piloten lassen das Flugzeug bis auf die Mindestflughöhe von 1.000 Fuß (rund 300 Meter) sinken, um den Dom einmal zu umrunden. Jetzt klicken alle Kameras, dank der ungewöhnlich breiten Fenster sind aus der DH-104 sogar Panorama-Bilder möglich.

Kaum ist der Dom umrundet, geht es schon zum nächsten Höhepunkt: Igor Mossyrsch ruft in die Kabine, dass der Tower in Köln/Bonn die Genehmigung für einen „Fly-by“ erteilt hat. Kurz darauf geht es wieder in den Sinkflug, auf der linken Kabinenseite kommt des Frachtgebäude des Verkehrsflughafens immer näher. Im Tiefflug rast die DH-104 am Tower vorbei, dann geht es sofort wieder nach oben. Die Gesichter der Menschen auf der Besucherterrasse des Flughafens können sich die Passagiere in dem Moment nur vorstellen.

Nach dem „Fly-by“ kommt der „Low Approach“

Linkskurve über Düsseldorf (Bilder: NRW.direkt)

Eine Viertelstunde später spielt die Flugsicherung wieder mit: Mossyrsch teilt den Fluggästen mit, dass der Tower in Düsseldorf die Genehmigung für einen „Low Approach“ erteilt hat. Damit wird das Anfliegen einer Landebahn bezeichnet, bei dem das Flugzeug nicht aufsetzt. Noch ist die „Dove“ über dem Rhein, auf der rechten Seite ist die Landeshauptstadt zu sehen, auch Fernsehturm und Landtag sind deutlich zu erkennen. Minuten später drehen die Piloten auf die Landebahn 23L des größten NRW-Airports ein. In wenigen Metern Höhe wird die Piste überflogen, auf der linken Kabinenseite sind Tower und Abfertigungsgebäude zu erkennen, dann ziehen die Piloten das Flugzeug in einer steilen Rechtskurve wieder nach oben.

Danach wird wieder Kurs auf das Ruhrgebiet genommen. Auf der linken Kabinenseite findet ein Kind alles nicht so aufregend und schläft ein. Nach rund einer Stunde Flug setzt die de Havilland sanft wieder in Essen/Mülheim auf. Ein Passagier witzelt: „Daran erkennt man eine butterweiche Landung, wenn selbst die Kinder davon nicht wach werden.“ Das Fazit des Fluges fällt nicht schwer: Die letzte Maschine ihrer Art, die noch für Flüge gebucht werden kann. Hinzu kommt ein Programm voller begeisternder Höhepunkte. Damit bietet „TFC Airlebnis“ einen Rundflug, den sich Flugbegeisterte nicht entgehen lassen sollten!

Bild ganz oben: Die D-INKA am Flughafen Essen/Mülheim. Alle anderen Bilder können durch Anklicken vergrößert werden.

Die nächsten Rundflüge mit der DH-104 vom Flughafen Essen/Mülheim finden am 28. Mai, am 18. Juni sowie am 16. Juli statt. Der 30-minütige Rundflug über das Ruhrgebiet kostet 110 Euro, der im Artikel beschriebene Rundflug 219 Euro. Am 30. Juli werden auch Rundflüge von Mönchengladbach aus angeboten. Weitere Termine und Informationen, etwa zu den Flügen von Essen/Mülheim auf die Nordsee-Inseln, gibt es unter www.ltu-classic.de/termine/.

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Über den Autor

Peter Hemmelrath

Herausgeber von NRW.direkt seit Dezember 2015.