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Effektvolle „Faust“-Inszenierung

Essen. Die Liebesgeschichte. Von zaghafter Annäherung zur Leidenschaft und Enttäuschung bis hin zur Verzweiflung und Tod. Und das alles in wunderschöne Klänge verpackt. Zu sehen und zu hören im Aalto-Theater in der Oper „Faust“ von Charles Gounod. Eine für Einsteiger hervorragend geeignete Oper.

Man muss Goethes Faust nicht gelesen haben, um sich inhaltlich zurechtzufinden. Faust, ein greiser und lebensmüder Mann, der im Rollstuhl auf die Bühne kommt, hadert mit seiner Unzulänglichkeit und ruft nach dem Teufel. Dieser erscheint prompt als Mephisto. Er verspricht Faust Ruhm und Reichtum. Der lehnt ab. Er will Jugend und Liebe. Mephisto verschafft Faust die ersehnte Jugendlichkeit, der sich damit dem Teufel verschreibt. Berührend und voller Leidenschaft nimmt die Liebestragödie ihren Lauf. Mit der Oper „Faust“, hierzulande meist unter dem Titel „Margarethe“ gespielt, wurde 1883 das wohl berühmteste Opernhaus der Welt eingeweiht, die Metropolitan Opera in New York.

Philipp Stölzl – Der Star-Regisseur

Was haben Madonnas Musikvideo „American Pie“ und Rammsteins „Du Hast“ mit der Inszenierung „Faust“ zu tun? Ja, sie wurden alle vom Star-Regisseur Philipp Stölzl, geboren 1967 in München, in Szene gesetzt. Neben Musikvideos, bekannten Kinofilmen und Werbespots für große Marken arbeitet er regelmäßig an renommierten Opernhäusern. Dass dieser umtriebige Regisseur und Bühnenbildner in Essen kein langweiliges Drama auf die Bühne bringen würde, lag nahe. Und so bekommt der Zuschauer ein buntes Spektakel mit filmschnittartig wechselnden Szenen geboten. Um einen in der Mitte aufgestellten Turm dreht sich die Bühne wie ein Karussell, auf dem einzelne Bilder wie Seiten aus einem Bilderbuch mit immer wieder neuen Überraschungen aufgeschlagen werden. Faust und Mephisto treiben ihr Unwesen in glitzernden Anzügen. Margarethe tänzelt in kindlicher Naivität mit Luftballons auf die Bühne. Siebel, der von ihr abgelehnte Verehrer, erscheint im Hasenkostüm mit einem Bauchladen vollgepackt mit Lebkuchenherzen. Unter großen pausbäckigen Masken verbirgt sich der Chor. Es ist was los auf der Bühne.

Musikalischer Genuss

Auch musikalisch begeistert der Abend die Zuhörer. Sébastien Rouland als Dirigent zeigt mit den Philharmonikern sein feines Gespür für die Begleitung der Sänger. Prächtige eingängige Chor- und Walzerklänge wechseln sich mit sinnlich romantischen Duetten und Arien ab. Ein Hit jagt den nächsten. Die Sopranistin Jessica Muirhead als Margarethe besingt alle Facetten ihres Glücks mit ihrer wunderbaren Stimme, ihre „Juwelenarie“ spritzig. Bei dem Tenor Abdellah Lasri als Faust wähnt sich der Zuhörer zeitweise in einer dramatischen Heldenoper, dem die gesanglich erforderliche lyrische Schlichtheit der Titelrolle nicht durchgängig gelingt. Mephisto, gesungen vom Bariton Almas Svilpa, erfreut mit satten Tönen und seinem oftmals spöttisch bösen Spiel. Seine temperamentvoll gesungene „Ballade vom Goldenen Kalb“ taucht in eine Welt voll Gier und Rausch. Insgesamt eine effektvolle Oper für ein breites Publikum, das sich in Essen mit jubelndem Applaus bei allen Akteuren bedankte.

Bild: Pressefoto Aalto-Musiktheater, Fotograf: Karl Forster

Aalto-Musiktheater, Opernplatz 10, 45128 Essen. Telefonische Kartenbestellung von Montag bis Samstag ab 9 Uhr unter 02 01 – 81 22 – 200.

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Über den Autor

Brigitta Dahlmann

Redakteurin für Kultur bei NRW.direkt seit Dezember 2015.