Düsseldorf Panorama

Emotionaler Abschied von Air Berlin

Düsseldorf. Unzählige Besucher und Flughafen-Mitarbeiter verabschiedeten sich am Freitag von Air Berlin. Auch FDP-Vizechefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann nahm an dem von starken Emotionen geprägten Ereignis teil. In die Trauer mischte sich aber auch die Wut vieler Air-Berlin-Mitarbeiter darüber, wie die Teilübernahme durch den Lufthansa-Konzern eingefädelt wurde. „Das stinkt doch von hier bis zum Himmel“, sagte ein Pilot.

Der letzte Air-Berlin-Flug von Düsseldorf nach Berlin-Tegel beim Boarding (Bilder: NRW.direkt)

Als der rot-weiß lackierte Airbus A.320 um sieben Minuten vor Mitternacht auf das Terminal B des Düsseldorfer Flughafens zurollte, applaudierten die Menschen auf der vollen Besucherterrasse. Auf dem Vorfeld warteten Flughafen-Mitarbeiter, um das aus Rom gelandete Flugzeug mit der Kennung D-ABFE willkommen zu heißen. Dann rollte der Airbus durch die traditionelle Wasserfontäne, begleitet von einem Sirenenkonzert der Flughafenfeuerwehr. Anschließend bildeten die Feuerwehrwagen einen Korso, der den Airbus bis zum Gate begleitete. Angeführt wurde der Korso von drei Follow-Me-Fahrzeugen.

Am Gate angekommen, ertönten die Sirenen erneut, gefolgt vom Jubel der Menschen auf der Besucherterrasse. Spätestens in diesem Moment war kaum noch jemand in der Lage, seine Emotionen zu kontrollieren. Aufgrund des starken Andrangs mussten die Menschen in den Stunden zuvor bis zu 90 Minuten in der Schlange warten, um auf die Terrasse zu gelangen. Wer nicht am Flughafen war, konnte die letzte Landung eines Air-Berlin-Flugzeuges in Düsseldorf live im Internet verfolgen. Damit hatten der Flughafen und seine Mitarbeiter alles getan, sich am späten Freitagabend würdig und mit Anstand von Air Berlin zu verabschieden.

Bereits beim letzten Start flossen Tränen

Wegen des starken Andrangs mussten die Besucher bis zu 90 Minuten in der Schlange warten (Bilder: NRW.direkt)

Der letzte Start eines Flugzeuges von Air Berlin in Düsseldorf fand bereits Stunden zuvor statt; von Beifall begleitet hob um 21 Uhr 20 der Flug AB 6049 nach München ab. Aber auch dabei war die Stimmung gedrückt; Menschen weinten, in Gesprächen am Rande fielen auch Worte wie „Schweinerei“. Gleichzeitig wurde mit Hilfe roter Luftballons und Musik vor dem Ticket-Schalter von Air Berlin in der Abflughalle versucht, Partystimmung aufkommen zu lassen. Aber der Versuch einer Party wirkte eher trotzig, viele Mitarbeiter umarmten sich, die Stimmung war von Trauer und Wut geprägt.

„Das ist alles sehr emotional“, sagte ein Pilot und verwies darauf, wie ungewiss die Situation für ihn und seine Kollegen jetzt sei. Mit der Einstellung des Flugbetriebs von Air Berlin ging nach 39 Jahren eine Ära zu Ende – aber unter Begleitumständen, mit denen bis vor kurzem kaum jemand gerechnet hatte. Wolfgang Osinski, ehemaliger Pressesprecher der 1955 gegründeten und 2007 von Air Berlin übernommenen Düsseldorfer Ferienfluglinie LTU, erinnerte daran, dass damit auch „die LTU-Story endgültig zu Ende geht“. Das sei für alle 2007 zu Air Berlin gegangenen LTU-Mitarbeiter „traurig und ein Anlass, uns wehmütig zu erinnern“, sagte Osinski.

„Air Berlin war immer ein Teil von Düsseldorf“

Die Düsseldorfer Politik aber glänzte an diesem Abend durch Abwesenheit. Die einzige Ausnahme war FDP-Vizechefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann: „Air Berlin hieß zwar Air Berlin, war aber immer ein Teil von Düsseldorf“, erklärte sie ihre Teilnahme. „Air Berlin hat nicht nur den Luftverkehr in unserer Stadt mitgeprägt, sondern auch in anderen Zusammenhängen unglaublich viel für Düsseldorf getan, etwa im sozialen Bereich oder bei der Brauchtumspflege. Ich erinnere mich noch gut an die Flüge, die Air Berlin für die AIDS-Hilfe organisiert hat. Das war alles noch zu der Zeit, in der Joachim Hunold, der ja auch Düsseldorfer ist, das Unternehmen geführt hat. Jetzt von Air Berlin Abschied zu nehmen, fällt mir nicht leicht. Nicht nur als Vielfliegerin, auch als Düsseldorferin werde ich die Fluglinie sehr vermissen.“

Viele Mitarbeiter des insolventen Unternehmens nutzten ihre Präsenz, um mit ihr zu sprechen. Womit ausgerechnet die im September in den Bundestag gewählte Strack-Zimmermann, die als einzige Politikerin bei der Teilübernahme von Air Berlin durch den Lufthansa-Konzern kritische Worte fand und vergeblich einen fairen Wettbewerb angemahnt hatte, sich am Freitag in der Rolle derjenigen wiederfand, die den Unmut der Air-Berlin-Mitarbeiter zu hören bekam. So schimpfte etwa eine Mitarbeiterin darüber, dass sich die Politik „bei diesem Thema wegducken“ würde.

„Das stinkt doch von hier bis zum Himmel“

Ein Pilot kritisierte, dass die Übernahme durch die Lufthansa „von langer Hand vorbereitet“ gewesen sei. „Das war ein abgekartetes Spiel, das stinkt doch von hier bis zum Himmel“, sagte der Pilot und verwies darauf, dass die Muttergesellschaft von British Airways bereit gewesen sei, Air Berlin als Ganzes zu übernehmen, aber nicht zum Zuge kam. Und immer wieder bekam die FDP-Politikerin zu hören, dass der Lufthansa-Konzern ehemalige Air-Berlin-Mitarbeiter jetzt für rund 40 Prozent ihres früheren Gehalts bei der in Österreich angesiedelten Eurowings Europe beschäftigen wolle. „Das ist weniger, als ich an Arbeitslosengeld bekommen würde“, sagte ein Pilot.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann sprach lange mit den Piloten und anderen Mitarbeitern. Selbst als sie sich später unter die Menschen auf der Besucherterrasse mischte, um den letzten Start eines Air-Berlin-Fluges in Düsseldorf zu verfolgen, wurde die FDP-Politikerin von Mitarbeitern des insolventen Unternehmens angesprochen. Auch dort bekam sie zu hören, dass die Politik den Verkauf großer Teile von Air Berlin an den Lufthansa-Konzern befördert habe, aber jetzt wegschaue, wie die Lufthansa mit den Mitarbeitern umgehe.

„Das zu hören, ist sehr irritierend“, sagte Strack-Zimmermann beim Verlassen der Besucherterrasse. „Das spricht dafür, dass man sich lange darauf vorbereitet hat, das Unternehmen zu übernehmen. Und mit dieser Art von Übernahme wurde in den Markt eingriffen, zu Lasten der Kunden und ganz offensichtlich auch zu Lasten der Mitarbeiter.“

Bild ganz oben: Marie-Agnes Strack-Zimmermann mit Piloten von Air Berlin

Lesen Sie dazu auch: „Interview mit einem Air-Berlin-Piloten“

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