Bergisches Land Justiz

Empörung über Bewährung für tödliche Attacke

Bergisch Gladbach. Ende letzter Woche sorgte die Bewährung für den 19-Jährigen, dessen Attacke einem 40-jährigen Familienvater im August das Leben kostete, überall im Land für Empörung und Unverständnis. Jetzt warnt Torsten Jungbluth, Vorsitzender der mitterechts-Fraktion im Stadtrat, vor „Wiederholungstätern, die über unseren Rechtsstaat eher amüsiert sind“.

Torsten Jungbluth (Bild: NRW.direkt)

Am Donnerstag wurde der 19-jährige Ahmet R. von der 4. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. R. hatte im August vergangenen Jahres einen 40-jährigen Mann in der Innenstadt von Bergisch Gladbach mit einem Faustschlag niedergestreckt. Das Opfer stürzte und schlug hart auf den Asphalt. Einen Tag später starb der 40-Jährige in einem Kölner Krankenhaus an seinen schweren Kopfverletzungen. Auch eine Notoperation konnte das Leben des Familienvaters nicht mehr retten.

Die Staatsanwaltschaft hatte für diese Tat zwei Jahre und acht Monate Haft ohne Bewährung gefordert. Nachdem Richterin Ulrike Grave-Herkenrath das milde Urteil verkündet hatte, brach die Witwe des Getöteten in Tränen aus, berichtete der Kölner EXPRESS.

Kaum war das Urteil bekannt, löste die Aussetzung der Haftstrafe zur Bewährung überall im Land Empörung und Unverständnis aus. „Vielleicht gibt es die Erwartung, dass der Täter leiden soll, wie Sie leiden, das steht aber nicht im Fokus des Strafverfahrens“, hatte Grave-Herkenrath in ihrer Urteilsbegründung zur Witwe des Getöteten gesagt. Für die 61-jährige Richterin stand der „Erziehungsgedanke“ und die notwendige Einwirkung auf den Täter im Vordergrund. Dies sei mit wöchentlich zehn Sozialstunden, regelmäßigen Drogen-Tests sowie einem „Anti-Gewalttraining“ eher zu erreichen als mit einer Haftstrafe, glaubt die Richterin.

„Über unseren Rechtsstaat eher amüsierte Wiederholungstäter“

„Das Urteil wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet“, meint Torsten Jungbluth, Vorsitzender der mitterechts-Fraktion im Stadtrat von Bergisch Gladbach. „Ob eine Bewährungsstrafe vom Täter und dessen Umfeld als Strafe aufgefasst wird oder als Beweis der Zahnlosigkeit des deutschen Rechtssystems – für den Einzelfall ist das schwer zu beurteilen. Die zahllosen Fälle von Wiederholungstätern, die über unseren Rechtsstaat eher amüsiert sind, mahnen jedoch zur Vorsicht.“

Im Gespräch mit unserer Redaktion ging Torsten Jungbluth am Sonntag auch auf die in Medien und Gesellschaft zunehmenden Debatten über die Herkunft von Tätern ein. „Die Neigung, Gewalt als Lösung von Konflikten einzusetzen, ist in der deutschen Gesellschaft sehr gering ausgeprägt. Insbesondere natürlich in selbst verursachten Konflikten. In anderen Kulturkreisen, aus denen auch der Täter kommt, ist das anders. Vertreter aus diesen Kulturkreisen sind überproportional oft gewalttätig. Nicht mehrheitlich, so viel steht fest. Aber dann hätten wir auch Krieg“, erläuterte Jungbluth. „Der Einzelfall ist immer tragisch. Und auf den ersten Blick scheint es ja auch egal zu sein, wo der Täter hergekommen ist. Aber wenn die Teile der Bevölkerung mit der höchsten Gewaltaffinität gleichzeitig die sind, die auch am stärksten wachsen, dann ist das ein Drama hinter dem Drama. Und hier ist die Politik gefragt und nicht mehr die Justiz.“ (ph)

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