Düsseldorf Politik

Empörung über Koch

Düsseldorf. Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch hat nach Freiwilligen gesucht, die im Ausweichquartier an der Roßstraße das Essen für die Asylbewerber in den fünften Stock tragen. Im Internet rief der Aufruf massive Empörung und wüste Diskussionen hervor. Jetzt will Koch „rassistische, fremdenfeindliche, sexistische, verleumderische oder beleidigende Inhalte“ löschen und deren Urheber Facebook melden.

Miriam Koch bei der Präsentation der neuen Planungen (Bild: NRW.direkt)

Miriam Koch (Bild: NRW.direkt)

„Die Johanniter suchen auf der Roßstraße fürs Wochenende helfende und starke Hände! Jeweils um 11 Uhr und 4 Uhr morgens muss das Essen vom Erdgeschoss in die fünfte Etage gebracht werden. Wer sich körperlich fit fühlt und unterstützen möchte, schickt mir eine PM mit Rufnummer. Frei nach dem Motto ‚wer zuerst kommt, mahlt zuerst‘, werden die ersten zehn Personen dann direkt durch die Leitung vor Ort kontaktiert und kommen zum Einsatz!“ Dieser Aufruf wurde am Freitagabend auf der Facebook-Seite der Düsseldorfer Flüchtlingsbeauftragten Miriam Koch (Grüne) veröffentlicht.

Das Gebäude des ehemaligen Finanzamts an der Roßstraße dient als Ausweichquartier für die meisten der bislang in der Messehalle 18 untergebrachten männlichen Asylbewerber. Die Messehalle musste am Mittwoch nach einem offenbar von Bewohnern gelegten Brand abgerissen werden. Angeblich soll Unzufriedenheit mit dem Essen zu der Brandstiftung geführt haben. Im Ausweichquartier an der Roßstraße soll jedoch der Aufzug defekt sein.

„Geh sterben, du Rassist“

Die Suche nach freiwilligen Essensträgern rief am Wochenende auf, aber auch abseits von Kochs Facebook-Seite massive und weit über Düsseldorf hinausgehende Empörung hervor. In unzähligen Kommentaren wurde Koch kritisiert und gefragt, warum die asylsuchenden Männer ihr Essen nicht selbst tragen können. Auch wurde ihr vorgeworfen, die „angespannte gesellschaftliche Situation“ mit diesem Aufruf weiter zu verschärfen sowie Ressentiments gegen Asylsuchende zu schüren. Andere Kommentatoren boten sich an, die Koffer der asylsuchenden Männer zum Bus zu tragen. Nur vereinzelte Facebook-Nutzer verteidigten den Aufruf, etwa damit, dass Menschen, die fasten, geschwächt seien und deswegen nicht angehalten werden könnten, Essen für jene zu tragen, die nicht fasten. Kommentare wie „Raus aus Deutschland und ab Mekka“ oder „Geh sterben, du Rassist“ belegen aber auch, dass das Aggressionspotential zwischen Gegnern und Befürwortern der muslimischen Massenzuwanderung in Düsseldorf nach den jüngsten Ereignissen massiv zugenommen hat.

Miriam Koch hat am Samstag reagiert und auf ihrer Facebook-Seite angekündigt, dass „rassistische, fremdenfeindliche, sexistische, verleumderische oder beleidigende Inhalte“ gelöscht und deren Urheber gesperrt sowie Facebook gemeldet werden. Dies soll dazu beitragen, dass auch „kontroverse Diskussionen einen guten Rahmen bekommen“. Die freiwilligen Essensträger aber haben sich offenbar gefunden; zumindest bedankte sich Koch inzwischen für die „zusätzliche Hilfe beim Schleppen“. (ph)

Print Friendly, PDF & Email