Politik

Empörung über „Schnüffel-Fibel“ für Erzieher

Düsseldorf. Seit Tagen gibt es Empörung über eine Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung. Darin wird Erziehern erklärt, wie sie Kinder aus vermeintlich rechten Elternhäusern erkennen. „Als ehemalige DDR-Bürgerin und Stasi-Verfolgte kenne ich solche Formen von Gesinnungsschnüffelei leider nur allzu gut“, sagt die WU-Landesvorsitzende Simone Baum.

Simone Baum (Bild: NRW.direkt)

Bereits seit Tagen gibt es Empörung über eine von der Amadeu Antonio Stiftung entwickelte und von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) geförderte Broschüre mit dem Titel „Ene, mene, muh – und raus bist du“. Die Broschüre soll eine „Handreichung“ für Erzieher „auf neue Herausforderungen im Umgang mit Abwertungen, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus“ darstellen. Dazu werden etwa in Fallbeispielen erklärt, wie „Kinder aus völkischen Elternhäusern“ erkannt werden können.

In einem dieser Beispiele heißt es: „In einer Kita fallen zwei Geschwister auf, die besonders zurückhaltend sind und wenig von zu Hause, zum Beispiel vom Wochenende, erzählen. So verhalten sie sich im Morgenkreis zum Wochenbeginn schweigsam und passiv. Gleichzeitig gibt es keine sogenannten Disziplinprobleme, diese Kinder scheinen besonders gut zu spuren. Außerdem sind traditionelle Geschlechterrollen in den Erziehungsstilen erkennbar: Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe, es wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der Junge wird stark körperlich gefordert und gedrillt. Beide kommen häufig am Morgen in die Einrichtung, nachdem sie bereits einen 1,5-km-Lauf absolviert haben.“ Der Rat für diesen Fall lautet: „In der konkreten Situation ist es hilfreich, die Eltern zum persönlichen Gespräch in die Kita einzuladen.“

In einem anderen Fallbeispiel geht es um eine Mutter, die sich Sorgen macht, weil Kita-Kinder ihrem Sohn die Finger lackiert haben. Sie fürchtet, ihr Sohn solle mit „Gender-Quatsch“ indoktriniert werden, auch von „Frühsexualisierung“ ist die Rede. Die Broschüre empfiehlt, auch diese Mutter zum Elterngespräch zu bitten: „Die Wortwahl der Mutter gibt Grund zu der Annahme, dass diese sich im Kontext (neu-)rechter oder fundamentalistischer Ideologien verortet oder bewegt.“

„Schnüffel-Fibel für Erzieher“

Die Bild-Zeitung bezeichnete die Broschüre daraufhin als „Schnüffel-Fibel für Erzieher“. Protest dagegen regte sich auch in der CDU: „Ich finde es unfassbar, dass eine mit Steuergeld finanzierte Broschüre junge Mädchen, die Zöpfe und Kleider tragen, als potentiell ,völkisch‘ bezeichnet. Auf den 60 Seiten finden sich noch weitere haarsträubende Behauptungen und Handlungsempfehlungen, wie ,auffällige‘ Eltern umerzogen werden sollen“, sagte der CDU-Innenpolitiker Christoph Bernstiel.

Nadine Schön, stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, nannte die Broschüre eine „staatliche Handlungsanweisung zur Elternspionage“, die sofort eingestampft werden müsse. Auch die „einseitige Fixierung auf rechtsextremistische oder rechtsradikale Elternhäuser“ falle unangenehm auf. Dass Gefahren auch von linksextremen Eltern ausgehen könnten, komme den Verfassern offenbar nicht in den Sinn, kritisierte Schön.

Franziska Giffey aber verteidigt die umstrittene Broschüre: „Es ist nicht Aufgabe des Staates zu prüfen, wie Eltern leben und was sie denken. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Auch die Erziehung von Kindern ist in erster Linie Aufgabe der Eltern. Aber auch Lehrkräfte und Erzieher haben eine Verantwortung für die Kinder, die sie betreuen. Sie sollten in der Lage sein, eigenständig zu entscheiden, ob das Wohl eines Kindes gefährdet ist. Das kann auch der Fall sein, wenn Eltern radikalen Gesinnungen anhängen. Dies zu erkennen ist aber manchmal nicht einfach, darum unterstützen wir Pädagogen mit Informationen. Es geht dabei allein um eins; das Wohl der Kinder“, sagte sie auf eine Anfrage der Bild-Zeitung.

„Sollen Eltern gemeldet werden, die nicht links sind?“

„Als ehemalige DDR-Bürgerin und Stasi-Verfolgte kenne ich solche Formen von Gesinnungsschnüffelei leider nur allzu gut. Nur hatte ich nach der Wiedervereinigung gedacht, dass solche Dinge der Vergangenheit angehören und jetzt alle Deutschen in Freiheit leben können“, sagte Simone Baum unserer Redaktion am Donnerstag.

„Was hier gespielt wird, ist doch offensichtlich: Eine linke Stiftung, die natürlich auch noch Steuergelder bekommt, knüpft an die Schnüffel-Traditionen der DDR an, indem sie Erziehern sagt, woran verdächtige Elternhäuser erkannt werden. Geht es hier wirklich darum, rechtsradikale Elternhäuser aufzuspüren? Oder sind wir schon wieder da angekommen, dass Eltern gemeldet werden sollen, die nicht links sind?“, fragt sich die Landesvorsitzende der WerteUnion (WU). „Und eine SPD-Ministerin verteidigt das auch noch, was ja wohl auch einiges darüber aussagt, was aus der deutschen Sozialdemokratie geworden ist. Wenn das so weitergeht, wird aus Deutschland noch so eine Art DDR mit Reisefreiheit. Aber ich fürchte, das ist genau das, was die Linken wollen.“ (ph)

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