Kolumnen Politik

„Ende Gelände“: Party-Event oder Krawall-Tourismus?

Große Wirtschaftsunternehmen zu sabotieren macht einfach Spaß. So fand am Wochenende im RWE-Braunkohlerevier die Aktion „Ende Gelände“ statt. Die Saboteure werden von den Medien als „Aktivisten“ gelobt und erhalten so das Gefühl, die Welt gerettet zu haben. Fakten stören da nur. Ein bisschen Woodstock-Atmosphäre für den Weltfrieden. Eine Kolumne von Christian Loose.

Christian Loose

Am Dienstag ging die große Blockade- und Sabotageaktion „Ende Gelände“ zu Ende. Die Aktion richtete sich gegen die deutsche Braunkohleverstromung. Eigentlich wollte der Kolumnist davon schreiben, dass es sich bei den sogenannten Aktivisten in Wahrheit um Extremisten handelt. Extremisten, die demokratische Entscheidungen nicht anerkennen. Extremisten, die Menschen angreifen, Fallen aufstellen, sogar mit Kot um sich werfen – so, wie es Affen gerne tun. Aber das würde ja an der deutschen Medienlandschaft völlig vorbei gehen.

Schließlich handelt es sich bei den „Aktivisten“ doch um Menschen, die mal eben an einem Wochenende die Welt retten wollen. Menschen, die zu einem Großteil noch nie in der Nähe eines Braunkohlegebiets gewohnt haben. Menschen, die teils aus Ländern angereist kommen, die überhaupt keine Braunkohlevorräte und damit auch keine Braunkohleverstromung besitzen. Kurz: Menschen mit einem Wissen, welches Ihnen vom Weltklimarat und den GEZ-Medien vorgegeben wird.

Aber soll man diesen „Aktivisten“ jetzt vorwerfen, dass diese einfach nur mal ein Party-Wochenende machen wollten? Schließlich ist gerade so ein tolles Zeltlager im Revier. Man lernt viele neue „AktivistInnen“ aus aller Herren Länder kennen. Arm in Arm bei den gemeinsamen Blockaden, vielleicht sogar zusammengekettet auf den Bahngleisen? Im Grunde also ein interkulturelles Fest!

Wissensscheue Aktivisten

Dabei sollte aber niemand auf die Idee kommen, die wissensscheuen, aber aktuell mit Glückshormonen aufgeputschten „Aktivisten“ mal etwas zu fragen. Etwa solche Fragen:

Wie groß wäre die Reduktion der CO2-Emissionen in der EU, wenn der deutsche Strom nicht mehr aus Braunkohle erzeugt wird? Auf diese Frage würden vermutlich erstaunlich naive Antworten kommen. Dass die Emissionen in der EU jedoch von der Braunkohleverstromung unabhängig sind, dürfte kaum ein „Aktivist“ wissen. Denn die Emissionen richten sich lediglich an der Gesamthöhe aller von der EU ausgegebenen Zertifikate aus. Würden diese Zertifikate nicht mehr für die Braunkohleverstromung gebraucht, würde diese jemand anderes nutzen. In der Summe werden nämlich alle Zertifikate in voller Höhe in Anspruch genommen.

Oder diese Frage: Welche großen Rohstoffvorräte hat Deutschland und woher kommen die Rohstoffe für Solar- und Windkraft? Kaum jemand würde die Antwort geben, dass Braunkohle einer der wichtigsten wirtschaftlich verfügbaren Rohstoffe in Deutschland ist und dass es Irrsinn wäre, solche Ressourcen ungenutzt zu lassen. Und vermutlich würde auch niemand antworten, dass das für die Windkraft häufig eingesetzte Neodym in China unter fragwürdigen Bedingungen gefördert wird. Schließlich ist China weit weg und die dortigen Umwelt- und Förderprobleme kann man für den guten Zweck auch schon mal übersehen.

Polizisten wie auch die Mitarbeiter der Energiekonzerne verteidigen das grundgesetzlich gesicherte Recht auf Eigentum. Enteignungen, die beim Braunkohleabbau oder auch beim Straßenbau leider nötig sind, erfolgen in Deutschland nur unter strengen Regelungen. So müssen beispielsweise abgeholzte Wälder später wieder aufgeforstet werden, auch müssen landwirtschaftlich genutzte Flächen später wieder zur Verfügung gestellt werden. Das nennt sich Renaturierung und dabei entstehen nicht selten idyllische Biotope im ehemaligen Braunkohlegebiet.

Die Menschen, die umgesiedelt werden, wissen von der Umsiedlung seit mehr als 30 Jahren und werden – zwar nicht fürstlich, aber immer noch – recht ordentlich abgefunden. Bei der Umsiedlung wird der vorherige Ort an die nächstgrößere Stadt mit einer deutlich besseren Infrastruktur angebunden und dort neu aufgebaut. Die Entschädigten können aber auch das Geld nehmen und woanders in Deutschland bauen oder einfach mit dem Geld das machen, was sie für richtig halten. Jetzt fragen Sie aber bitte keinen der „Aktivisten“, ob diese auch mal das Stimmungsbild bei denjenigen eingeholt haben, die in den letzten Jahrzehnten umgesiedelt wurden. Sicherlich gibt es auch Unzufriedene unter diesen Menschen, doch die große Mehrheit hat jetzt durch die verbesserte Anbindung auch deutlich bessere Zukunftschancen.

Verletzte Polizisten, verletzte Mitarbeiter, Anschläge und eine Kuschel-Justiz

Was bleibt nun von den Aktionen der letzten Jahre? Brandanschläge, wie etwa im Juli 2017 auf die Kohlebahn. „Aktivisten“ warfen mit Steinen auf ein fahrendes Auto von RWE-Mitarbeitern, das sich daraufhin überschlagen hat. Ein Mitarbeiter wurde dabei mit einem Glassplitter am Auge verletzt. Polizisten wurden mit Fallen bedroht und mit Kot beworfen, wenn sie illegale Zeltlager räumen wollten. Faustschläge landeten in den Gesichtern unserer Polizisten – einer endete an diesem Wochenende mit dem Nasenbeinbruch eines Beamten.

Die Justiz duckt sich weg, denn bislang wurde nur eine Handvoll dieser Extremisten verurteilt. In den meisten Fällen werden die Verfahren eingestellt. Und dies ist neben den realen Schlägen der „Aktivisten“ ein weiterer Schlag ins Gesicht von Polizisten und den Mitarbeitern der Energiekonzerne, die ständig in Angst vor dem nächsten Überfall leben müssen. Aber die größte Wut entsteht, wenn man die deutsche Presse liest, deutsches Radio hört oder das GEZ-Fernsehen sieht und dabei feststellen muss, dass solche gewalttätigen Extremisten dort auch noch als Aktivisten verniedlicht werden.

Die Kolumnen bei NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

Print Friendly, PDF & Email

Über den Autor

Christian Loose

Der im Münsterland geborene Christian Loose ist seit Mai 2015 wirtschaftspolitischer Sprecher der NRW-AfD. Seit Juni 2017 ist er Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag. Der gelernte Bank- und Diplomkaufmann arbeitet seit sieben Jahren bei einem großen Energieunternehmen und führt dort wirtschaftliche Analysen für Großprojekte ab einer Million Euro durch. Eines seiner politischen Ziele ist es, die Steuerverschwendung der Politiker zu bekämpfen, wofür er auch einen entsprechenden Straftatbestand fordert. Sein Lieblingszitat stammt von der ehemaligen britischen Premierministerin Margret Thatcher: „The problem with socialism is that you eventually run out of other people’s money." Übersetzt: „Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass dir am Ende das Geld anderer Leute ausgehen wird."