Köln Politik

Erdogan eröffnet DITIB-Zentralmoschee

Köln. Der türkische Präsident Erdogan eröffnete am Samstag die DITIB-Moschee im Stadtteil Ehrenfeld. Dabei warf er den Deutschen Rassismus vor. Oberbürgermeisterin Henriette Reker zeigte sich im Vorfeld vom Verhalten der DITIB enttäuscht und warf dem Moschee-Dachverband mangelnden Respekt vor. „Persönlich und als Oberbürgermeisterin habe ich der DITIB immer wieder die Türen geöffnet“, erinnerte sie.

DITIB-Moschee in Köln-Ehrenfeld (Bilder: NRW.direkt)

Am frühen Samstagnachmittag landete der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan aus Berlin kommend auf dem militärischen Teil des Kölner Flughafen. Auffällig dabei war, dass er mit einer Flotte aus insgesamt vier Flugzeugen eintraf: Zwei Präsidentenflugzeuge vom Typ Airbus A.330 und A.340 sowie zwei Begleitflugzeuge vom Typ Airbus A.319 und Gulfstream 4. Üblich sind bei Staatsbesuchen von Vertretern größerer Nationen ein zum VIP-Jet umgebautes Flugzeug sowie ein Begleitflugzeug.

Auf dem Flughafen wurde Erdogan von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßt. Deren Gespräch musste kurzfristig in ein Gebäude der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums verlegt werden. Ursprünglich sollte das Gespräch im repräsentativen Schloss Wahn stattfinden. Das hatten die Schlossbesitzer jedoch aus politischer Überzeugung gegen Erdogan abgelehnt.

Ungleich mehr Erdogan-Fans als Demonstranten

Nach dem Gespräch mit Armin Laschet eröffnete der türkische Präsident mit seiner Frau Emine die DITIB-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld. Die Moschee, die rund 1.000 Gläubigen Platz bietet, wird seit rund einem Jahr genutzt, wurde aber bislang nicht offiziell eröffnet. Eine von der DITIB mit 25.000 Menschen geplante Kundgebung wurde von der Stadt Köln wegen fehlender Sicherheitskonzepte kurzfristig untersagt.

Dennoch hielten sich laut Polizei bis zum Eintreffen Erdogans rund 20.000 Menschen an den Absperrungen auf. „Einzelnen Straftaten sowie Versuchen, Andersdenkende an ihrer freien Meinungsäußerung zu hindern, begegneten die Polizisten konsequent“, hieß es von Seiten der Polizei vieldeutig. Insgesamt war die Polizei mit rund 4.000 Beamten im Einsatz. Wegen des Staatsbesuchs waren weite Teile der Innenstadt gesperrt. Auch Autobahnen rund um den Flughafen wurden gesperrt. Außerdem gab es eine Flugverbotszone über Köln. Mehrere Demonstrationen gegen den Staatsbesuch waren mit zwischen 1.000 und 2.000 Teilnehmern schwächer besucht als erwartet.

„Konnte ich als deren Präsident nicht akzeptieren“

In seiner Rede zur Moschee-Eröffnung warf Erdogan der deutschen Bevölkerung Rassismus vor. Das begründete er mit dem Umgang mit den beiden Fußball-Nationalspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan, nachdem diese mit ihm für ein Foto posiert hatten. „Er ist Türke“, sagte der türkische Präsident laut der Bild-Zeitung über Özil.

Darum habe er auch bei seinen Toren für die deutsche Nationalmannschaft geklatscht, etwa beim EM-Qualifikationsspiel Deutschland-Türkei in Berlin 2010, das er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht habe, erläuterte Erdogan. „Nur weil ich mit unserem Mesut und unserem Ilkay ein Foto gemacht habe, wurden sie von der Bevölkerung ausgegrenzt. Diese Ausgrenzung konnte ich als deren Präsident nicht akzeptieren. Das war Rassismus.“

„Ich habe der DITIB immer wieder Türen geöffnet“

Bei der Moschee-Eröffnung sprach der türkische Präsident vor rund 500 geladenen Gästen. Vertreter der Kölner Stadtgesellschaft oder der Landesregierung waren nicht darunter. In einer bereits am Mittwoch veröffentlichten Erklärung hatte sich die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker enttäuscht gezeigt und der über ihre Satzung an die türkische Religionsbehörde Diyanet angebundenen DITIB mangelnden Respekt vorgeworfen. Dabei betonte Reker, dass sie als Oberbürgermeisterin „auch die Oberbürgermeisterin der Kölner muslimischen Glaubens ist“. Auch erinnerte sie daran, was sie für die DITIB getan habe: „Persönlich und als Oberbürgermeisterin habe ich der DITIB immer wieder die Türen geöffnet.“

„Exakt, Frau Reker, ganz genau das haben Sie getan“, schrieb Udo Kellmann, stellvertretender Landesvorsitzender der WerteUnion, dazu auf seiner Facebook-Seite. „Und daher tragen Sie auch ganz persönlich eine Mitschuld an dem Verhalten und an den Aktionen der DITIB.“ (ph)

Bild ganz oben: Die beiden Präsidentenflugzeuge auf dem militärischen Teil des Kölner Flughafen

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