Duisburg Panorama

Ermittlungen gegen Duisburger Polizisten

Duisburg. Polizeipräsidentin Elke Bartels hat ein Ermittlungsverfahren gegen die am Sonntag auf der Reinerstraße eingesetzten Polizisten eingeleitet. Auf einem im Internet kursierenden Video ist zu sehen, wie ein Polizist einen Mann grob anfasst, der sich seinen Anweisungen widersetzt hatte. In vielen Kommentaren zu dem Video wird dem Hass auf die teilweise als „Nazibullen“ bezeichneten Polizisten freien Lauf gelassen.

Wie bereits berichtet, war am Sonntagabend ein Polizeieinsatz auf der Reinerstraße in Duisburg-Bruckhausen eskaliert. Der Einsatz begann damit, dass sich eine Polizeistreife um ein falsch geparktes Auto kümmern wollte. Er endete damit, dass bis zu 250 Menschen aus der Nachbarschaft auf der Straße waren und die Polizisten massiv bedrängten. Laut Polizei kam es dabei auch zu Angriffen auf die Einsatzkräfte. Erst durch einen Großeinsatz mit 50 Polizisten konnte die Lage wieder beruhigt werden.

In den darauffolgenden Tagen warfen mehrere türkischstämmige Anwohner der Polizei über die Presse Brutalität vor. Der Anwalt eines der Beteiligten hat laut der WAZ Strafanzeige erstattet und den Polizisten vorgeworfen, dreimal gegen seinen am Boden liegenden Mandanten getreten zu haben. Dies soll von Videokameras aufgezeichnet worden sein. Veröffentlicht wurde das entsprechende Video bislang jedoch nicht. Auch wurde bestritten, dass 250 Personen auf der Straße waren.

Am Mittwoch teilte die Duisburger Polizei mit, dass Polizeipräsidentin Elke Bartels „ein kriminalpolizeiliches Ermittlungsverfahren wegen aller strafrechtlich relevanten Aspekte eingeleitet“ habe. In der kurzen Mitteilung blieb die Polizei aber bei ihrer Darstellung, dass sich bis zu 250 Personen auf der Straße versammelt hatten.

„Sie hören ja überhaupt nicht auf die Polizei“

Bislang gewährt lediglich ein am Montag auf der Facebook-Seite von Murat K. veröffentlichtes Handy-Video einen kurzen Einblick in das Geschehen. Laut eigener Darstellung ist Murat K. der Sohn des beschuldigten Falschparkers. Auf dem Video ist zu sehen, wie ein Mann seinen Ausweis im Vorbeigehen auf die Motorhaube des Polizei-Autos legt, während er mit der anderen Hand eine Wasserpumpe in Richtung eines Hauses schiebt. Es ist deutlich zu hören, wie der Polizist den Mann auffordert, stehen zu bleiben: „Bleiben Sie mal hier.“ Der Mann dreht kurz seinen Kopf und murmelt etwas Unverständliches, woraufhin der Polizist sagt: „Sie hören ja überhaupt nicht auf die Polizei.“

Als der Polizist den Mann von der Haustür wegzuziehen versucht, widersetzt sich dieser und ein anderer Mann kommt ihm zu Hilfe. Dann nimmt der Polizist den Mann in den Schwitzkasten, im Hintergrund sind Schreie von Frauen zu hören. Daraufhin kommt es zu einem Handgemenge, in deren Verlauf sich der Polizist offenbar mit Pfefferspray verteidigt. Der weitere Verlauf der Ereignisse aber kann dem knapp zweiminütigen Video nicht entnommen werden.

„Die Adresse rausfinden und den Nazibullen abknallen!“

Am frühen Mittwochabend fanden sich unter dem von Murat K. veröffentlichten Video bereits mehr als 4.700 Kommentare. Darunter solche wie der von Thomas M.: „Er hat sich der Anweisung des Beamten widersetzt. Punkt.“ Werner M. meinte: „Lieber Sohn, habe mal alle Antworten hier gelesen. Dabei fällt mir auf: Die bösen und hässlichen Kommentare sind nicht von Deutschen. Denke mal darüber nach. Und den größten Fehler in dieser Situation hast Du als Sohn begangen. Du hättest Deinem Vater zu Hilfe eilen sollen, den Kompressor wegbringen sollen und dann hätte Dein Vater das machen können, was er müsste. Das Auto wegfahren und siehe da, es wäre nichts passiert. Was machst Du? Greifst noch den Polizisten an und wunderst Dich, dass dieser sich wehrt. Ich als Sohn hätte jedenfalls meinen Vater die Arbeit abgenommen.“

Nachdem Stefanie H. „Selber schuld. Wer nicht hören will, muss fühlen“ geschrieben hatte, antwortete ihr Sami H.: „Fotze“. Wie viele andere Kommentatoren mit Migrationshintergrund beklagte auch Osman V. die „Auferstehung der Nazis“. TC Metehan G. schrieb: „Die Adresse rausfinden und den Nazibullen abknallen!“ (ph)

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