Neuss Panorama

Erster Israel-Tag in Neuss

Neuss. Mit mehr als 500 Besuchern, Musik, Speisen und Getränken, Informationsmöglichkeiten sowie höheren Temperaturen als in Tel Aviv war der erste Israel-Tag in der Quirinusstadt am Sonntag ein voller Erfolg. In Reden aber klang Kritik an der Berichterstattung deutscher Medien zu Israel an. Diese berichten zwar über den Nahost-Konflikt, aber nicht über die Besonderheiten des Landes, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Oded Horowitz.

Ein Israel-Tag in Neuss? Lange Zeit war das unvorstellbar. Die Jüdische Gemeinde Neuss gehört zu den kleineren Gemeinden im Umland, die an die Jüdische Gemeinde Düsseldorf (JGD) angeschlossen sind. Und die hat ihren Israel-Tag jedes Jahr im Frühsommer – und das natürlich in Düsseldorf. In den letzten Jahren aber häuften sich Wünsche, dieses Ereignis auch nach Neuss zu bringen. Als die JGD dies im Neusser Rathaus vortrug, rannte sie dort „offene Türen ein“, so Bert Römgens, der für Neuss zuständige Koordinator der JGD. Schnell kam Einigung zustande, den ersten Israel-Tag in Neuss mit dem Stadtfest „Neuss blüht auf“ zu verbinden.

Am Sonntag war es endlich soweit: „Heute früh war es in Tel Aviv zwei Grad kühler als hier in Neuss“, sagte Bert Römgens gutgelaunt, als er die Besucher, darunter auch die Landtagsabgeordneten Heike Troles und Jörg Geerlings (beide CDU), an den Ständen des Israel-Tages vor dem Sankt-Quirinus-Münster begrüßte. Dabei verwies er auch auf die Wanderausstellung zum 70-jährigen Bestehen Israels, die derzeit im nahe gelegenen Rathaus Station macht. Offiziell eröffnet wurde die Veranstaltung vom JGD-Vorsitzenden Oded Horowitz und dem stellvertretenden Neusser Bürgermeister Sven Schürmann (CDU).

„Ein kleines Land, das Großes bewirkt“

„Toleranz gegenüber Minderheiten ist für uns Juden in Deutschland von entscheidender Bedeutung“, sagte Oded Horowitz. „Und auch gegenüber dem Staat Israel erhoffen wir uns Toleranz.“ Leider sei die Medien-Berichterstattung zu Israel aber „sehr oft negativ besetzt“. So würde über den Nahost-Konflikt berichtet, „aber nicht über die Besonderheiten Israels“. Dann begann Horowitz, einige davon aufzuzählen: So habe Israel, gemessen an der Einwohnerzahl, die zweithöchste Anzahl an Büchern und Nobelpreisen in der Welt. Israel sei das einzige Land, das zum Ende des Jahrhunderts mehr Bäume hatte als zuvor. „Und das bei einem Land, das zum großen Teil aus Wüste besteht.“ Er erinnerte an technologische Errungenschaften, die zwar von fast allen Menschen genutzt werden, aber zumeist ohne zu wissen, dass diese in Israel entwickelt wurden, etwa Smartphone-Technologie oder Computer-Prozessoren. Auch leiste Israel selbst da humanitäre Hilfe, wo es gar nicht anerkannt sei, etwa in Syrien. „Sie sehen: Israel ist ein kleines Land, das aber Großes bewirkt“, sagte Oded Horowitz zum Ende seiner Rede.

Der stellvertretende Neusser Bürgermeister Sven Schürmann (CDU) sprach von der Notwendigkeit, Juden in Anbetracht des anwachsenden Antisemitismus „zu schützen und zu unterstützen“. Dabei sei es „einerlei“, ob dieser „ideologisch oder religiös begründet ist“, sagte Schürmann, als er kritisierte, dass dem „alten Antisemitismus“ in vielen Diskussionen ein „neuer Antisemitismus“ gegenübergestellt werde. Auffällig dabei war jedoch, dass Schürmann die Vokabeln „muslimischer Antisemitismus“ vermied und stattdessen neben rechtem sowie linkem vom „islamistischen Antisemitismus“ sprach.

Wein, Falafel, Musik und viele Informationsmöglichkeiten

Beim Israel-Tag in Neuss aber war von alledem nichts zu sehen. Auch die Polizisten, die im Hintergrund für Sicherheit gesorgt hatten, wurden kein einziges Mal benötigt. Stattdessen nutzten viele Besucher die Gelegenheit, israelische Weine zu probieren oder ließen sich ihr Falafel schmecken. Bei den zahlreichen Info-Ständen, darunter auch solche der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, herrschte starker Andrang. Der israelische DJ Sivan Neuman sorgte für Musik, viele junge Besucherinnen verwandelten den kleinen Platz vor dem Quirinus-Münster in eine Tanzfläche.

Mit der haTikwa, der israelischen Nationalhymne, wurde der erste Israel-Tag in Neuss am späten Nachmittag wieder beendet. Anhand der Verkaufszahlen konnten die Veranstalter ermitteln, dass sie zwischen 500 und 600 Besucher hatten. „Uns ist es gelungen, ein winziges Stückchen Israel nach Neuss zu bringen“, sagte Bert Römgens. „Ich finde, das ist ein sehr schönes Fazit.“ Und eine Eintagsfliege wird die Veranstaltung ebenfalls nicht bleiben; auch im nächsten Jahr plant die JGD einen Israel-Tag in Neuss. Aber vorher werden sich alle erst einmal am 17. Mai beim Israel-Tag in Düsseldorf wiedersehen.

Bild: NRW.direkt

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