Düsseldorf Wirtschaft und Verkehr

EU-Kommission will kein innerdeutsches Monopol

Düsseldorf. Die Kampf der EU-Kommission gegen ein innerdeutsches Lufthansa-Monopol ist auch eine Ohrfeige für die Bundesregierung, die nach der Air-Berlin-Pleite einen „nationalen Champion“ wollte. Trotzdem müssen sich für die Landeshauptstadt auch entsprechende Wettbewerber finden. Bislang zeigte jedoch nur die irische Ryanair Interesse an internationalen Flügen.

Nachdem die EU-Kommission bereits gegen die Übernahme der ehemaligen Air-Berlin-Touristiktochter NIKI durch den Lufthansa-Konzern Bedenken geäußert und eine weitere Prüfung bis mindestens 21. Dezember angekündigt hatte, ermittelt die Behörde jetzt auch wegen der höheren Preise der Lufthansa. „Falls es Hinweise auf eine mögliche gezielte Aktion zu Lasten der Kunden gibt, werden wir das herausfinden“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Montag in der Bild-Zeitung. Jetzt sollen interne Dokumente auch aus vertraulichen Vorstandssitzungen auswertet werden. „Wir haben von Beginn an die Gefahr gesehen, dass die Preise steigen könnten, deshalb schauen wir da genau hin“, sagte Vestager.

Nachdem Air Berlin Ende Oktober den Flugbetrieb einstellen musste, kam es zu einer Monopol-Stellung des Lufthansa-Konzerns im innerdeutschen Flugverkehr. Schnell beklagten Fluggäste teilweise exorbitant gestiegene Preise. Die Lufthansa hatte die Preissteigerungen mit den Mechanismen der Buchungssysteme erklärt. Die jeweilige Größe der insgesamt 17 Buchungsklassen sei nicht verändert worden, allerdings seien die Flüge wegen der größeren Nachfrage nach dem Wegfall von Air Berlin schneller ausgebucht gewesen.

Ohrfeige für den „Bundesverkehrsonkel“

Die kritisch-ablehnende Haltung der EU-Kommission bei der Air-Berlin-Teilübernahme durch den Lufthansa-Konzern ist auch eine Ohrfeige für die ehemalige Bundesregierung, insbesondere für den damaligen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Der in einer Kolumne des Fachmagazins airliners.de spöttisch als „Bundesverkehrsonkel“ bezeichnete Dobrindt hatte zusammen mit Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) nach der Insolvenz von Air Berlin gegen die Bedenken von Kartellrechtlern lautstark gefordert, die Lufthansa müsse nunmehr zum „nationalen Champion“ werden. Daraufhin waren alle dem Lufthansa-Konzern nicht genehmen Interessenten beim Bieterverfahren für Air Berlin chancenlos. 34 Prozent der Lufthansa-Aktien werden vom Staat gehalten.

Neue Anbieter dringend gesucht

Bislang hatte die EU-Kommission in ihrem Kampf gegen das innerdeutsche Lufthansa-Monopol erreicht, dass sich der Konzern an mehreren Flughäfen, unter anderem in Düsseldorf, zu einem Verzicht auf die Start- und Landerechte von NIKI bereit erklärt hat. Dennoch kann für die Fluggäste aus der Landeshauptstadt noch keine Entwarnung gegeben werden, da noch auf Wettbewerber gewartet wird, die die Slots übernehmen und innerdeutsche Flüge anbieten.

Bislang kündigte jedoch nur Easyjet ab 5. Januar 13 wöchentliche Flüge von Düsseldorf nach Berlin-Tegel an – für die Kunden viel zu wenig, um wirklich eine Alternative zur Lufthansa-Lowcost-Tochter Eurowings zu haben. Zwar fordert auch die irische Fluglinie Ryanair Slots in Düsseldorf und anderen großen deutschen Flughäfen: „Wir sind der Meinung, dass die Behörden sicherstellen müssen, dass Ryanair ausreichend Slots aus der Air-Berlin-Pleite angeboten werden“, sagte Ryanair-Vorstand David O’Brien am letzten Donnerstag. Laut Presseberichten beabsichtigen die Iren aber lediglich internationale Flüge. Damit werden die Fluggäste aus Düsseldorf, die innerdeutsch fliegen wollen, wohl noch längere Zeit auf Wettbewerb verzichten müssen.

Print Friendly, PDF & Email